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Bericht vom 9. BIM Anwendertag im Fraunhofer-inHaus-Zentrum

(1.6.2012) Smart Building und buildingSMART vereint: Der 9. BIM Anwendertag des buildingSMART e.V. fand am 24. Mai 2012 im Fraunhofer-inHaus2-Zentrum in Duisburg statt. Sponsor der - mit mehr als 130 Teilnehmern ausgebuchten - Veranstaltung war die Hochtief ViCon GmbH, die das 2008 fertig gestellte Gebäude von den ersten Entwürfen bis zur Montageplanung mit BIM Methoden und Technologien unterstützt hatte.

Fraunhofer-inHaus2-Zentrum
Bild aus dem Beitrag inHaus2 ist eröffnet vom 9.11.2008 (Bild vergrößern)

Der Kommunikations- und Informationsbedarf zum Thema BIM (Building Information Modeling) ist nach wie vor hoch. Da sind sich alle Akteure einig. Das belegen auch die teils hitzigen Diskussionen um Ängste, Vorurteile und Verantwortlichkeiten seitens Politik, Kammern, Verbänden und Bauherren. Mehrmals an diesem Tag war die Rede von der Britischen Regierung, die die Vorteile der BIM Methode erkannt und gerade verkündet hat, damit beim Öffentlichen Bauen ein Einsparpotenzial von 20 Prozent ausschöpfen zu wollen: man wolle weltweiter BIM Leader werden, in 2016 soll jedes öffentliche Projekt BIM anwenden. In Deutschland ist die Öffentliche Hand noch weit davon entfernt, entsprechende Normen und offene Standards für openBIM einzufüh­ren. Inzwischen sind die Vorreiter von buildingSMART e.V. hier aber nicht mehr die einsamen Rufer in der Wüste, Unterstützung gibt es unter anderem von den Kammern einzelner Bundesländer.

„Es gibt keinen Weg zurück zu einfachen Systemen!“, stellte Gerd von Spiess, Vor­stand der Ingenieurkammer-Bau NRW und Ing.-Büro v. Spiess&Schäfer dann auch in seinem Grußwort fest. „Die fünf Dimensionen des Bauens und wachsende An­sprüche an Standsicherheit, Brandschutz, Schallschutz oder Energieeffizienz führen dazu, dass 3D CAD durch objektorientiertes BIM ersetzt werden wird.“ Eine der Auf­gaben seiner Kammer sei es, den Mitgliedern die Vorteile von BIM und modellorien­tierter Planung zu vermitteln.

„Wichtig für eine integrierte Projektabwicklung sind nicht nur die Werkzeuge, sondern auch die Methoden, Prozesse, Rollen und die Daten.“ sagte Thomas Liebich, buildingSMART e.V. und AEC3. Er sieht Einsparpotenziale von bis zu 15 Prozent auf der Basis eines ganzheitlichen, partnerschaftlichen Planens und Bauens mit konsistenten Daten. Ziel von buildingSMART als dem BIM Wissensträger sei es, openBIM als offenen inter­nationalen Standard, auch im föderalistisch organisierten deutschen Sprachraum, zu etablieren - siehe auch Beitrag "Open BIM-Initiative für eine bessere Zusammenarbeit in der Baubranche"".

Dirk Schaper, Geschäftsführer von Hochtief ViCon, der kürzlich bei einer BIM Ver­anstaltung in Katar war, stellte fest: „Hier kommt der Druck auf den Markt von den Bauherren, die ihre Gebäude besser verstehen wollen.“ Schaper sprach über BIM gestützte Produktion und mobile Endgeräte und Applikationen, die den BIM Prozess zunehmend und effizient unterstützen - aufbauend auf einem Datenpool. „Ich denke, dass das der richtige Weg ist.“, sagte Dirk Schaper. „Mit mobilen Endgeräten lässt sich viel Arbeit sparen, gleichzeitig können die Projektdaten besser vernetzt werden. Die Prozesse werden messbarer und schneller.“ Aber, so Schaper auch: „Es ist wich­tig, dass sich jemand bei einem größeren Projekt ausschließlich mit der BIM Koordina­tion beschäftigt. Dafür brauchen wir BIM Manager!“

BIM aus der Sicht eines Herstellers, der neben seinen Produkten auch BIM/CAD-Ob­jekte für die verbesserte Planung liefert, beleuchtete Matthias Ebneter von Hilti: „Wir wollen auch in der virtuellen Welt der beste Partner für unsere Kunden sein.“ Die Vorteile von intelligenten Objekten und zentraler Datenhaltung liegen für ihn auf der Hand: die Vorfertigung wird effizienter, die Bauabläufe in einem immer noch sehr schnittstellenlastigen Prozess mit vielen Barrieren im Workflow werden verbessert, die Planung detaillierter und die Kostenabschätzung genauer. Hilti ist seit kurzem Mitglied im buildingSMART e.V. und will die Standards aktiv mit vorantreiben.

„Niemand hat uns überredet mit BIM zu arbeiten, ich bin fest davon überzeugt, dass das die Zukunft ist“, sagte Mirjam Borowietz von der ZWP Ingenieur-AG. Sie skiz­zierte anschaulich den Workflow bei der interdisziplinären Planung der technischen Gebäudeausrüstung unter Verwendung von BIM am Beispielprojekt „Gesundheitscam­pus NRW“ in Bochum. Ihr Fazit: „Die IFC-Schnittstelle für die Konstruktion funktioniert in beide Richtungen, sowohl Architektur als auch TGA. Verbesserungsbedarf besteht bei der Kopplung zu Berechnungsprogrammen, ein Musterdatenaustausch bei Projekt­beginn empfiehlt sich.“

Baumeister Anton Gasteiger, Aga-Bau und b.i.m.m. GmbH, stellte internati­onale, interdisziplinäre und nicht zuletzt interfamiliär ausgeführte BIM-Projekten vor: „Wir beginnen dort, wo 'out of the box' aufhört.“ Für ihn, der auch BIM Konstrukteure ausbildet, ist es ein Gewinn, dass jeder seine Informationen in ein „geballtes Modell“ einbringen und wiederum daraus schöpfen darf. Sein Wunsch ist es, dass nur noch modellierte Bauteile errichtet und bezahlt werden.

Diese Auffassung vertritt auch Hans-Georg Oltmanns vom Büro Oltmanns & Part­ner und Professor an der Jade Hochschule in Oldenburg. Oltmanns tritt konsequent wie eh und je für einen Paradigmenwechsel und durchgängiges 3D Modellieren im Planungsprozess ein: „Alle sehen das Gleiche, die Fehlerquote sinkt, die Kette schließt sich.“ Eine Live-Session zeigte die Vorteile des konsequenten Arbeitens im 3D Modell und bei der 3D Tragwerksplanung auf. Dafür müsse, so Oltmanns: „noch nicht mal die HOAI geändert werden“. Große Lücken sieht er nach wie vor bei der Ausbildung und in der aktiven Nachwuchsförderung.

Über BIM und die Baudurchführung des in diesem Jahr fertig gestellten Hamburger Hochtief-Hauses mit knapp 22.000 Quadratmetern BGF sprach Oberbauleiter Stefan Szemkus von Hochtief Hamburg. Szemkus - der vor ein paar Jahren noch gar nicht wusste, wozu er BIM brauchten kann - ist inzwischen absolut überzeugt. Das liege nicht zuletzt an der „Anschaulichkeit der Daten“, sowohl Projektbeteiligte als auch Nichttechniker verstehen das Projekt schnell, Projektdaten stehen unmittelbar zur Auswertung zur Verfügung und ermöglichen eine individuelle Analyse.

Last but not least skizzierte Uli Bockholt vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) künftige Anwendungsszenarien für Smartphone Augmen­ted Reality beim Planen und Bauen, die dank der rasanten Hard- und Softwareent­wicklung sicherlich schneller Eingang in das Baugeschehen finden, als wir uns das im Moment vorstellen können. Und für alle, die noch tiefer in das Thema BIM einsteigen wollen, hat Konrad Stuhlmacher, der Geschäftsführer von buildingSMART e.V. detail­lierte Informationen zu Fachbüchern in deutscher, englischer und holländischer Spra­che zusammengetragen.

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