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Neue EU Richtlinie könnte BIM auch in Deutschland zum Durchbruch verhelfen


  

(31.1.2014) Am 15.1.2014 empfahl das Europäische Parla­ment, das Vergaberecht der Europäischen Union zu moder­nisieren, indem der Einsatz von computergestützten Metho­den wie Building Information Modeling (BIM) zur Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen und Ausschreibungen empfohlen wird. Protagonisten der europäischen Baubranche unterstüt­zen diese Entscheidung.

„BIM“ (Building Information Modeling) beschreibt einen smarten Prozess für Entwurf, Planung, Errichtung und Betrieb von Bau- und Infrastrukturmaßnahmen. Es steht für eine andere Art der Kommunikation, bei der alle Vorgänge im Lebenszyklus eines Bau­projekts miteinander in Verbindung stehen. Den Kern bildet ein digitales 3D-Modell, auf das alle Projektbeteiligten (Architekten, Ingenieure, Bauherren etc.) Zugriff ha­ben und damit jederzeit einen aktuellen Wissenstand sowie einen Gesamtüberblick über das Projekt haben. Anders als in einer herkömmlichen 2D-Planung, in der sämtli­che Planungsschritte völlig getrennt voneinander erfolgen, werden diese durch die BIM-Methode verzahnt. Es entstehen konsistentere, durchgängigere Informationen - egal wann und wie oft der Entwurf im Planungsprozess geändert wird. Im Ergebnis werden Bauvorhaben mit dieser Methode schneller, wirtschaftlicher und nachhalti­ger umgesetzt und fertig gestellt.

Die Verabschiedung der Richtlinie für das EU-Vergaberecht bedeutet, dass bis 2016 alle 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die Nutzung von BIM bei der Realisie­rung von öffentlich finanzierten Bau- und Infrastrukturprojekten fördern sollen und diese genauer spezifizieren sowie verpflichtend anordnen können. Großbritannien, die Niederlande, Dänemark, Finnland und Norwegen schreiben die Nutzung von BIM bei öffentlich finanzierten Bauvorhaben bereits vor.

Kostenersparnisse für die Steuerzahler

Die öffentliche Auftragsvergabe spielt eine wichtige Rolle für die gesamtwirtschaftli­che Leistung der EU. Öffentliche Stellen geben ungefähr 18 Prozent des europäischen Bruttoregionalprodukts für Materialien, Erzeugnisse und Dienstleistungen aus. Gemäß einem 2012 erschienenen Bericht der europäischen Kommission konnten öffentliche Einrichtungen, die eine digitale BIM-Lösung implementiert haben, zwischen 5 und 20 Prozent einsparen.

Das Gesamtvolumen des europäischen Ausschreibungsmarkts wird auf mehr als 2 Bil­lionen Euro geschätzt. Eine Kostenminderung um 5 Prozent würde demnach eine Er­sparnis von 100 Milliarden Euro pro Jahr bedeuten – so viel wie z.B. der Bau von 150 Großkrankenhäusern kosten würde. In Deutschland wird das Gesamtvolumen des öffentlichen Ausschreibungsmarkts auf mehr als 180 Milliarden Euro geschätzt. Eine Kostenminderung um 5 Prozent würde demnach eine Ersparnis von 9 Milliarden Euro pro Jahr bedeuten.

In Großbritannien ist der Einsatz von BIM bei der Vergabe von öffentlichen Großbau­projekten bereits Pflicht. Die britische Regierung schätzt, dass dadurch seit 2012 bei solchen Projekten 1,7 Milliarden Pfund (in etwa 2 Milliarden Euro) eingespart wurden. Außerdem wurden 66 Prozent der Aufträge der britischen Hauptbehörde für Bauver­gabe fristgerecht und innerhalb des Budgetrahmens fertig gestellt. Im Vergleich zu 2010 war das eine nicht unwesentliche Steigerung um 33 Prozent (Quelle: Construc­tion News).

Wirtschaftlicher Aufschwung für die Baubranche

2012 erwirtschaftete die deutsche Baubranche 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und beschäftigt derzeit etwa 2,5 Millionen Arbeitnehmer - hauptsächlich in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Sie ist zudem ein Großabnehmer für Zwischenproduk­te, wie Rohstoffe, Chemikalien, elektrisches und elektronisches Equipment sowie damit zusammenhängende Dienstleistungen.

Mehr Einfluss auf Nachhaltiges Bauen

Bereits bestehende Gebäude verursachen schätzungsweise 40 Prozent aller Treib­hausgas-Emissionen sowie des gesamten Energieverbrauchs. BIM spielt auch bei Sa­nierungsprojekten zur Verbesserung der Energieeffizienz eine wichtige Rolle, weshalb dieser Aspekt ebenfalls in den Geltungsbereich des EU-Vergaberechts fällt.

Zitate zum Thema

Prof. Dr.-Ing. André Borrmann, Lehrstuhl für Computergestützte Modellierung und Si­mulation Technische Universität München: „Während einzelne, besonders innovative Planungsbüros und Baufirmen Building Information Modeling bereits konsequent einset­zen, steht in Deutschland die flächendeckende Einführung noch bevor. Eine maßgeb­liche Rolle kommt dabei der öffentlichen Hand zu, die in vielen anderen Ländern die Nutzung von BIM in der Bauplanung bereits verbindlich vorgeschrieben hat. Die EU Beschaffungsdirektive für die öffentliche Hand setzt jetzt einen konkreten Handlungs­rahmen für die Mitgliedstaaten, die dies in nationale Richtlinien umsetzen sollen. Vie­len der Herausforderungen, mit denen wir uns bei der Umsetzung öffentlicher Großpro­jekte in den vergangenen Monaten und Jahren in Deutschland konfrontiert gesehen haben, kann durch den umfassenden Einsatz von BIM begegnet werden.“

Prof. Dipl.-Ing. M.Arch Peter Russell, Professor für Computergestütztes Planen in der Architektur an der RWTH Aachen University und Architekt: „Die Empfehlung des EU-Parlaments ist deutlich zu begrüßen. Neben den bekannten Effizienzgewinnen in der Projektplanung und -abwicklung wird der Einsatz BIM-basierter Planungswerkzeu­ge nicht nur die energetische Simulation von Bauten verbessern, sondern es auch er­möglichen, die Stoffflüsse im Bausektor besser zu verstehen. Damit wird BIM eine gro­ße Rolle spielen, um die Ressourceneffizienz in der Architektur zu erhöhen. Das ist gut für die Lebensqualität der Menschen und auch gut für die Architektur.“

Siegfried Wernik Vorsitzender buildingSMART e.V. und Gesellschafter Léon Wohlhage Wernik, Gesellschaft von Architekten mbH: „Die Verabschiedung der EU Richtlinie zur öffentlichen Beschaffung schafft für die Mitgliedstaaten den Rahmen, dass der Nutzen von Building Information Modelling bei Bauprojekten sich auch dort erschließt, wo es bisher noch keine Richtlinien dafür gibt. In Großbritannien hat die Regierung als einer der wichtigsten Auftraggeber der Bauwirtschaft erkannt, welche Möglichkeiten in kor­rekten und konsistenten Daten liegen. Diese werden erhoben, mit dem Ziel eine neue Transparenz in die Informationen über ein Projekt zu schaffen und damit die Wirt­schaftlichkeit der Bauwirtschaft zu erhöhen, die Qualität zu verbessern, eine CO₂-Re­duzierung zu erreichen und die Position der britischen Bauwirtschaft auf dem Welt­markt zu stärken.“

Roland Zelles, Vice President EMEA bei Autodesk: „Erstmalig fordert die EU von ihren Mitgliedsstaaten, bei der Modernisierung und Verbesserung von öffentlichen Verga­beprozessen auch moderne Softwaretechnologien zu nutzen. Der heutige Richtlinien­erlass bedeutet für die EU und ihre Mitgliedsstaaten einen großen Schritt nach vor­ne. Die Nutzung des BIM-Verfahrens über die gesamte europäische Architektur-, In­genieur-, und Baubranche hinweg würde nicht nur Kosten bei öffentlich finanzierten Bauprojekten reduzieren. Sie verhilft auch der deutschen Branche zu einem enormen Aufschwung, wenn es darum geht, im weltweiten Wettbewerb internationale Bauaus­schreibungen zu gewinnen.“

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