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Infratest: Wohneigentumserwerber entscheiden sich häufiger als vermutet für kostengünstige Alternativen zum Einfamilienhaus

(16.9.2001) Neue Bescheidenheit? Wenn die Bundesbürger von den eigenen vier Wänden träumen, haben sie überwiegend ein freistehendes Einfamilienhaus mit Garten vor Augen. 69 Prozent, so ergab zuletzt eine ICON-Umfrage, wünschen sich diese Form des Eigenheims. Nur eine Minderheit möchte demnach ein Doppel- oder Reihenhaus (10 Prozent). Die Realität sieht freilich anders aus. Eine aktuelle Marktuntersuchung von Infratest im Auftrag verschiedener Institute, unter anderem der Landesbausparkassen (LBS), zeigt, dass Bauherren und Käufer viel häufiger auf die kostengünstigeren Varianten des Wohneigentums ausweichen als man gemeinhin annimmt: Fast 20 Prozent aller Erwerber zwischen 1998 und 2000 begnügten sich demnach mit einem Doppel- oder Reihenhaus. Nur 34 Prozent entschieden sich für ein klassisches Einfamilienhaus. Weitere 18 Prozent erwarben ein Zweifamilienhaus bzw. ein Haus mit Einliegerwohnung. Ein relativ großes Gewicht hat mit rund einem Viertel die Alternative Eigentumswohnung.

Dass sich die Deutschen beim Wohneigentumserwerb bescheiden geben, hat nach Einschätzung von LBS Research jedoch in der Regel nichts mit freiwilligem Verzicht zu tun. Dahinter stecken vielmehr generelle Trends auf dem Immobilienmarkt. Zum einen ist ein stärkeres Kaufinteresse von Haushalten mit kleinen und mittleren Einkommen (sogenannten Schwellenhaushalten) zu beobachten. Sie müssen schon allein aus finanziellen Gründen Kompromisse schließen. Zum anderen findet die Wohneigentumsbildung wieder verstärkt in den Ballungsräumen statt. Die Präferenz für stadtnahes Wohnen zwingt viele Bauherren und Käufer von Gebrauchtimmobilien, auf flächensparende und kostengünstigere Angebote wie etwa Reihenhäuser oder Eigentumswohnungen auszuweichen.

Kein Wunder deshalb, so LBS Research, dass freistehende Objekte vor allem in den alten Bundesländern an Bedeutung verloren haben. Wählten in den zuletzt untersuchten Bau- und Kaufjahrgängen von 1994 bis 1997 noch 40 Prozent aller Erwerber das klassische Einfamilienhaus, sind es jetzt nur noch 30 Prozent. Gleichzeitig gewann das Reihenhaus deutlich an Anteilen dazu. 19 Prozent der Bauherren und Käufer zwischen 1998 und 2000 erfüllten sich ihren Traum von den eigenen vier Wänden mit einem in Reihe gebauten Objekt (zuvor 15 Prozent). Deutliche Zugewinne verzeichnet der "Westen" auch bei den Eigentumswohnungen. Ihr Anteil stieg von 27 auf 30 Prozent und erreichte damit das Niveau von Einfamilienhäusern.

In den neuen Bundesländern mit dem generell niedrigeren Immobilienpreisniveau ist dagegen der hohe Nachholbedarf im Eigenheimsektor mehr denn je spürbar. Fast jeder zweite Bauherr und Käufer wählte hier ein freistehendes Objekt. Bei der letzten Infratest-Untersuchung waren es erst 40 Prozent. Spiegelbildlich dazu die Entwicklung bei den Eigentumswohnungen. Der Anteil der Erwerber, die sich für das Wohnen auf der Etage entscheiden, sank von 24 auf 11 Prozent. Das Reihenhaus konnte sich im Vergleich dazu gut behaupten. Nach 18 Prozent in den Jahren 1994 bis 1997 bevorzugten zwischen 1998 und 2000 immerhin noch 16 Prozent diese Wohnform.

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