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Kriterien für den richtigen Dämmstoff

(30.11.2001) Rund 33 Millionen Kubikmeter Dämmstoffe werden jährlich in Deutschland verbaut. Bei der Wahl des richtigen Dämmstoffs spielen das Umweltbewusstsein, die Konstruktion und die Kosten eine Rolle. Bisher teilen die Hersteller konventioneller Produkte wie Mineralwolle und geschäumte Kunststoffe den Markt nahezu vollständig unter sich auf. Doch ökologische Dämmstoffe, hergestellt aus nachwachsenden Rohstoffen, sind auf dem Vormarsch – in den letzten Jahren ist der Marktanteil von 3 auf derzeit etwa 6 Prozent gestiegen. Experten der Bausparkasse Schwäbisch Hall haben als Orientierungshilfe für private Bauherren die nachfolgende Übersicht über die marktüblichen Dämmstoffe und deren Besonderheiten zusammengestellt.

Große Materialvielfalt

Ein Dämmstoff lässt sich nach unterschiedlichen Kriterien bewerten. Pflanzliche und tierische Stoffe wie Flachs und Schafwolle verbrauchen bei der Herstellung deutlich weniger Energie als beispielsweise ein künstlich erzeugtes Produkt wie Polyurethan-Hartschaum (PUR). Energieintensive, vollsynthetische Dämmstoffe sind dafür besonders preiswert und in jedem Baustoffhandel erhältlich. Anders als Schütt- und Blasmaterialien, wie Zelluloseflocken, können Schafwolle, Baumwollvlies und Flachs leicht in Eigenleistung verarbeitet werden.

Mineralfaserprodukte sind in der Vergangenheit wegen ihres Krebs erregenden Potenzials in die Schlagzeilen geraten. Inzwischen sind neue, verbesserte Produkte auf dem Markt, die speziellen Gütekriterien unterliegen. Seit zwei Jahren existiert das RAL-Gütezeichen "Erzeugnisse aus Mineralwolle". Vorsicht ist beim Ausbau alter Mineralwolledämmungen und beim Kauf importierter Produkte angebracht.

Unterschiedliche Anwendungsgebiete

Nicht jeder Dämmstoff ist für jeden Verwendungszweck gleichermaßen geeignet. Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind unter Feuchtigkeitsbelastung im Erdreich sowie in Bereichen, in denen erhöhter Brandschutz erforderlich ist, nicht einsetzbar. Aber auch konventionelle Dämmstoffe eignen sich nicht für jeden Zweck. So lassen sich Kelleraußenwände nicht mit Mineralwolle, dafür aber mit wasserfestem Schaumglas dämmen.

Ist eine hinterlüftete Fassadendämmung mit niedrigen Brandschutzanforderungen geplant, kann der Bauherr auch Holzfaserplatten anstelle von beispielsweise Mineralfaserplatten einsetzen. Perlite-Schüttungen eignen sich für die Dämmung von Holzbalkendecken. Holz ist auch ein zunehmend wichtigeres Element beim Bau von Energiespar- und Passivhäusern. Rund ein Drittel der in Deutschland errichteten Passivhäuser wird bereits in Holzbauweise erstellt. Dafür ist nach Experteneinschätzung insbesondere die Zellulosedämmung gut geeignet.

Die Verwendbarkeit eines Dämmstoffs richtet sich nicht nur nach seinen Wärmedämmeigenschaften, sondern auch nach seinem Verhalten bei Feuchtigkeit oder im Brandfall. Je niedriger die Wärmeleitfähigkeit λ (W/mK), desto besser ist das Wärmedämmvermögen.

Polyurethan-Hartschaum (PUR)

  • Material: Polyurethan-Hartschäume sind zumeist geschlossenzellige, harte Schaumkunststoffe, die aus Erdöl gewonnen werden.
  • Wärmeleitfähigkeit: λ = 0,025 bis 0,035 W/mK. PUR-Platten bieten eine hohen Wärmeschutz bei geringer Materialdicke.
  • Verwendung: für Außenwand- und Dachdämmung.
  • Umwelt: Im Brandfall entstehen toxische Gase.

Steinwolle

  • Material: Steinwolle gehört zu den Mineralwolle-Dämmstoffen. Die Fasern sind nicht brennbar.
  • Wärmeleitfähigkeit: λ = 0,030 bis 0,045 W/mK.
  • Verwendung: vom Keller bis zum Dach (außer Kelleraußenwand).
  • Gesundheit: Beim Kauf der Produkte auf Hinweise wie "KI 40" (als nicht Krebs erzeugend eingestuft) oder das RAL-Gütezeichen "Erzeugnisse aus Mineralwolle" achten.

Blähton

  • Material: Blähton ist ein mineralischer Schüttdämmstoff.
  • Wärmeleitfähigkeit: λ = 0,10 bis 0,16 W/mK.
  • Verwendung: Das druckfeste, nicht brennbare Material hat sich als Wärmedämmung unter Nassestrichen bzw. zwischen den Balken von Holzbalkendecken bewährt. Die losen Schüttungen eignen sich insbesondere für die Sanierung von Altbauten.

Schafwolle

  • Material: Schafwolledämmstoffe bestehen aus reiner Schafschurwolle (Vlies), teilweise unter Beimengung von Recyclingwolle (Filze). Sie sind sehr gut feuchtigkeitsregulierend.
  • Wärmeleitfähigkeit: λ = 0,040 bis 0,045 W/mK.
  • Verwendung: Dämmung von Steildächern, Trennwänden, Zwischendecken und Fassaden.
  • Gesundheit: Auf Rückstandsfreiheit von Insektiziden achten.

Kork

  • Material: Rohstoff ist die Rinde der Korkeiche, die zu Korkschrot zermahlen und weiterverarbeitet wird. Korkdämmstoff gibt es als Schüttungen oder gepresste Platten.
  • Wärmeleitfähigkeit: λ = 0,045 bis 0,050 W/mK.
  • Verwendung: Dämmung von Dach, Fußboden sowie Innen-, Kern- und Außendämmung von Außenwänden.
  • Gesundheit: Imprägnierte Korkplatten im innenraumnahen Bereich vermeiden.

Extrudiertes Polystyrol (XPS)

  • Material: Bei der Herstellung von XPS wird Polystyrol aufgeschmolzen, mit Treibmitteln wie Kohlendioxid aufgeschäumt und gepresst. XPS-Platten nehmen kaum Wasser auf und besitzen eine hohe Druckfestigkeit.
  • Wärmeleitfähigkeit: λ = 0,030 bis 0,040 W/mK.
  • Verwendung: für die Dämmung von Außenwand und Dach sowie Kellerwänden und Bodenplatten von außen.

Öko-Wärmedämmverbundsystem

  • Material: Holzweichfaserplatten als Wärmedämmkomponente.
  • Wärmeleitfähigkeit der Platten in diesem System: λ = 0,040 W/mK.
  • Verwendung: bis 8 m Fassadenhöhe (Traufbereich). Wärmedämmverbundsysteme (WDV) müssen also nicht zwangsläufig klassische Dämmstoffe wie Polystyrol-Hartschaum enthalten. Angenehmes Wohnklima durch diffusionsoffenen Aufbau.

Holzfaserdämmplatten

  • Material: Restholz aus Sägewerken. Holzfaserdämmplatten erreichen die Baustoffklasse B2 ohne chemische Zusätze.
  • Wärmeleitfähigkeit: λ = 0,040 bis 0,045 W/mK.
  • Verwendung: für die Dämmung von Außenwänden, Dach und Decke. Bei hinterlüfteten Wänden sind bituminierte Verbundplatten erforderlich. Auch guter Hitzeschutz im Sommer. Leicht zuzuschneiden.

Imprägnierte Zellulose

  • Material: Altpapier von Tageszeitungen. Eine Imprägnierung mit Borsalzen dient dem Brandschutz.
  • Wärmeleitfähigkeit: λ = 0,040 bis 0,050 W/mK.
  • Verwendung: für Dämmung von Wänden, Decke und Fußboden. Die hohe Verdichtung beim Einblasen verzögert im Brandfall erheblich die Flammausbreitung. Auch als Platten erhältlich.

Nachtrag: siehe auch Beitrag "Naturdämmstoffe im Überblick" vom 20.2.2006

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