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Feuerwehrverband fordert: Doppelte Fluchtwege in U-Bahnhöfen unabdingbar

(19.2.2003) "U-Bahnen sind in Deutschland im Alltagsbetrieb ein sehr sicheres Massenverkehrsmittel. Die Brandkatastrophe von Südkorea zeigt aber unkalkulierbare Gefahren bei Anschlägen auf. Ein unabdingbarer Sicherheitsstandard sind doppelte Fluchtwege in U-Bahnstationen. Deshalb müssen Bahnhöfe mit nur einem Zugang schnellstmöglich nachgerüstet werden", fordert Berlins Landesbranddirektor Albrecht Broemme, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV).

Broemme: "Die Bilder aus Südkorea machen auch Feuerwehrleute in Deutschland tief betroffen. Zu wissen, dass man Menschen in Not nicht mehr retten kann, ist eine der schlimmsten Situationen für Feuerwehrmänner und -frauen. Unser Mitgefühl gilt deshalb allen Angehörigen der Opfer, aber auch den Feuerwehrleuten und den Kollegen des Rettungsdienstes von Daegu."

Deutschlands Feuerwehren sind auf Brände in U-Bahnanlagen mit Einsatzplänen und spezieller Ausrüstung vorbereitet, unter anderem für den Schienentransport von Verletzten und Gerätschaften, für den Atemschutzeinsatz in verrauchten Tunnelanlagen und für den Funkverkehr unter Tage. Es gibt Entrauchungs- und Rettungswegkonzepte. Broemme: "Je nach Länge halten sich 400 bis 800 Menschen in einem Zug auf. Bei jeder Feuermeldung in einer U-Bahnanlage wird deshalb ein Großaufgebot von Rettungskräften in Marsch gesetzt, unabhängig vom gemeldeten Ausmaß des Feuers. Dass es bei Bränden in U-Bahnen Tote und Verletzte gibt, ist aber grundsätzlich nicht auszuschließen."

Die Ausmaße der Brandkatastrophe von Daegu seien bei Analyse der derzeitigen Nachrichtenlage jedoch nicht nachvollziehbar. Broemme: "Wir müssen zunächst davon ausgehen, dass dort extreme und mit Deutschland nicht vergleichbare Umstände vorgelegen haben." In Europa sei das letzte schwere Brandunglück in einer U-Bahn das Feuer in der Londoner Kings Cross Station im Jahre 1987 mit 31 Todesopfern gewesen.

"Die Folgen eines Brandes im Zug hängen ganz wesentlich vom besonnenen Verhalten des Zugführers ab", betont der DFV-Vizepräsident. "In Deutschland sind zudem alle Notbremsen in U-Bahnzügen so modifiziert worden, dass auch bei einer Auslösung der Zug in den nächsten Bahnhof fährt". Broemme: "In Berlin verfügen wir außerdem in jedem U-Bahnhof über einen Schienentransportwagen für den Einsatz im Tunnel. Außerdem ist ein Tunnel für das Üben von Einsätzen in Wärme und Verqualmung besonders hergerichtet." Bundesweit müsse die Nachrüstung aller Bahnhöfe erfolgen, die noch nicht über zwei Ausgänge verfügen. Broemme: "Der Umbau bedeutet zum Teil einen erheblichen finanziellen Aufwand, ist aber unumgänglich. Einen Bestandsschutz für Bahnhöfe mit nur einem Ausgang darf es nicht geben."

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, U-Bahnzüge durch Sprinkleranlagen zu schützen. Dies ist zum Beispiel in Hamburg der Fall. Oberbranddirektor Dieter Farrenkopf, Leiter der Feuerwehr in der Hansestadt und Vorsitzender der Bundesgruppe Berufsfeuerwehr im Deutschen Feuerwehrverband: "Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht und seither keine schweren Brände mehr verzeichnet. Deshalb halte ich das Sprinklern von U-Bahnzügen nach wie vor für geboten."

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