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Auftaktveranstaltung Runder Tisch Baukultur Rheinland-Pfalz

(11.4.2003) Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hat am 25. März, im Staatstheater Mainz den "Runden Tisch Baukultur" eröffnet. Er war in der Koalitionsvereinbarung für die 14. Wahlperiode des Landtags (2001 - 2006) vorgesehen. Wie Finanzminister Gernot Mittler bei der Auftaktveranstaltung erklärte, will die Landesregierung damit die gesellschaftliche, soziale, ökonomische und ökologische Bedeutung der Baukultur betonen, aber auch Anreize für den Bausektor geben und die Innovation fördern. Nach seinen Worten sollen alle Bereiche des Bauens einbezogen werden, insbesondere Wohnungsbau, Städtebau, öffentlicher Bau, Freiraumplanung, Gewerbe-, Industrie- und Verkehrsbau.

Rheinland-Pfalz habe damit konkrete Schritte zur Entwicklung einer regionalen Architekturpolitik unternommen, nachdem das Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau die "Initiative Architektur und Baukultur" eingeleitet habe. Die Landesregierung greife damit unter anderem auch Anregungen der rheinland-pfälzischen Architektenkammer auf, die sie in ihren "10 Forderungen an eine zukunftsorientierte Bau- und Architekturpolitik in Rheinland-Pfalz" im August 2000 formuliert hatte (siehe auch 2. Abschnitt dieser Meldung vom 11.12.2002). Es gelte, die vielfältigen regionalen und kulturellen Identitäten, die das Land prägen, zu erhalten und zu pflegen, betonte Mittler. Dabei gehe es jedoch nicht nur darum, das Ererbte zu bewahren und zu pflegen, sondern aufbauend auf der Tradition, Neues zu gestalten. Der Prozess der Umsetzung des Baukulturprogramms benötige öffentliche Akzeptanz und Nachhaltigkeit, unterstrich der Minister.

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In dem vom Leiter der SWR-Landeskulturredaktion Rheinland-Pfalz, Reinhard Hübsch, moderierten Podium wirkten neben Ministerpräsident Kurt Beck der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, der Architekt Professor Albert Speer, Frankfurt und als Vertreter der Wirtschaft, Professor Dr. Marbod Muff, Mitglied der Unternehmensleitung von Boehringer Ingelheim mit. Um den breiten Ansatz der Initiative zu verdeutlichen, kamen in einem zunächst vorgeführten Videoclip, erstellt von Dorothee Eisinger (SWR), weitere Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft mit kurzen Statements zu Wort.

Ministerpräsident Beck forderte, die Kommunalverfassung müsse im Interesse einer aktiveren Beteiligung der Bürgergesellschaft geöffnet werden. Die Politik habe die Grundentscheidungen über die finanziellen Rahmenbedingungen zu treffen. Bei der Ausgestaltung sei die Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger am ehesten möglich. Städtisches Bauen müsse anders gestaltet sein als das Bauen auf dem Lande, betonte der Ministerpräsident. Wie schnell eine gewollte Modernität überholt sein könne, zeige sich an vielen Sparkassenbauten aus den zurückliegenden Jahrzehnten, stellte Beck fest. Muff plädierte nachdrücklich für schöne Bauten, in denen Menschen sich wohl fühlen könnten, und dafür, dass die Natur nachhaltig geschützt werde. In der Diskussion ging es vor allem darum, sich nicht mit der Nivellierung des modernen Bauens, das sich in allen Ländern immer mehr angleiche, abzufinden, sondern regionalen Aspekten Geltung zu verschaffen.

Vor der Kulisse des Domes sei es angezeigt, die Problematik der Baukultur nicht nur aus heutiger Sicht zu betrachten, betonte Kardinal Lehmann. Er verwies auf den Auftrag der Bibel an den Menschen, zu bauen und zu bewahren. Beide stehe in Spannung zueinander. Das Bauen und das Wohnen sage viel über das jeweilige Menschenbild aus. Zu mehrfach erhobenen Forderungen nach stärkerer Bürgerbeteiligung bei der Bauplanung und bei der Gestaltung öffentlicher Gebäude verwies Lehmann darauf, dass er bei Bauten in den Kirchengemeinden immer wieder ein ausgesprochen großes Engagement an der Basis erlebe. Er sei sehr davon angetan, dass es den Architekten meist gelinge, im Dialog harte Fronten aufzulösen. Auch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz habe er die Erfahrung gemacht, dass z.B. beim Bau der Apostolischen Nuntiatur in Berlin und des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn gestalterisches Mitwirken möglich sei. Gelegentlich brauche es Mut, zur modernen Architektur Ja zu sagen, wie das Beispiel der Nuntiatur neben der Garnisonskirche in Berlin, die einen Architekturpreis erhalten habe, zeige.

Günther Franz, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, rief in seinem Schlusswort zur Förderung eines in die Zukunft gerichteten Verständnisses für baukulturelle Qualität auf. Mit seinem Dank an Ministerpräsident und Landesregierung für die Umsetzung des Vorhabens verbindet Franz die Erwartung, dass alle am runden Tisch beteiligten Ressorts, Organisationen und Unternehmen am gemeinsamen Programm mitwirken. Zeitgenössisches Bauen gilt es, so der Vertreter der Architektenschaft, zu entwickeln und zu fördern und das reiche baukulturelle Erbe des Landes zu bewahren. Erste konkrete Projekte könnten sein:

  • Architektur und Schule
  • Architektur- und Baukulturführer in Rheinland-Pfalz
  • Die qualitative Aufwertung der Orte im Mittelrheintal, insbesondere auch im Hinblick auf Infrastrukturmaßnahmen und Brückenbau.

"Wie kaum eine andere gesellschaftspolitische Äußerung reflektiert das Bauen die geistige und ökonomische Verfassung einer Gesellschaft", so begründete vor drei Jahren der Forderungskatalog der Architektenkammer Rheinland-Pfalz für eine zukunftsorientierte Bau- und Architekturpolitik in Rheinland-Pfalz den Anstoß zur Runder Tisch Baukultur-Initiative. Weil Planen und Bauen die Lebens-, Wohn- und Arbeitswelt jedes Einzelnen und das Gepräge von Städten und Regionen insgesamt prägen, sind nicht nur Architekten und Bauherren gefordert, sondern auch Politiker, Unternehmen und die Medien.

Wie geht es weiter?

Beim Ministerium der Finanzen wurde eine Geschäftsstelle eingerichtet und pünktlich zur Auftaktveranstaltung wurde auch ein Internetauftritt ins Netz gestellt (www.baukultur.rlp.de). Damit ist eine konkrete Plattform für die weitere Arbeit geschaffen.

Um die begonnene Diskussion in einem größeren Rahmen fortzusetzen, wird es am 4. September 2003 eine Tagesveranstaltung an der Universität Koblenz geben. In Workshops, Vorträgen und Diskussionen sollen die Beteiligten des Runden Tisches und alle Interessierten eine Bestandsaufnahme vornehmen und konkrete Vorschläge für ein "Baukulturprogramm Rheinland-Pfalz" erarbeiten.

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