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Mehr Hausstaubmilben durch luftdichte Häuser - Wundermittel helfen nicht

(7.10.2003) Der Kampf gegen die Hausstaubmilben und deren krank machende Ausscheidungen ist ein expandierender Markt, auf dem viele Sanierungskonzepte und Anti-Milben-Produkte wetteifern. 85 Prozent aller Haushalte, so ergaben Untersuchungen, sind mit Hausstaubmilben belastet. Wichtigster Grund für die Zunahme der winzigen Spinnentiere ist die fast hermetische Abriegelung heutiger Gebäude und die dadurch entstehende Feuchtigkeit in den Räumen. Die Folge: Nicht nur Schimmelpilze nisten sich in Wohnungen ein - auch Hausmilben profitieren davon. Schimmelpilz ist speziell für die Vorratsmilbe eine Delikatesse.

Doch der überwiegende Teil lebt aber im Hausstaub, ernährt sich von menschlichen Hautschuppen und benötigt hohe Luftfeuchtigkeit, um den eigenen Wasserverlust zu kompensieren. Die Milbe macht dem Menschen nichts. Das eigentliche Allergen ist ihr Kot, der austrocknet, zerfällt, sich in der Atemluft verteilt und bei Betroffenen zu allergischen Symptomen wie Fliessschnupfen, tränenden Augen oder sogar Asthmaanfällen führt. Mehr als vier Millionen Bundesbürger leiden unter Hausstauballergien - mit steigender Tendenz.

Milbentests

Milbentests von Dräger, Acarex oder Allcontrol sind einfache, für den Laien gut anwendbare, wirkungsvolle Schnelltests, die über Farbausschlag anzeigen, ob und wie hoch die Belastung durch Allergene ist. Acarex testet sogar auf alle Milbenarten und kann zehnmal benutzt werden.

Sanierungsmaßnahmen

Um die Allergenbelastung wirkungsvoll zu reduzieren, sind Sanierungsmaßnahmen notwendig. Vor allem sollten alle Räume gut gelüftet und trocken gehalten werden. Das kann die Milben reduzieren, jedoch nicht austrocknen. Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent ist für Milben zwar kritisch, aber Versuche der Milbenforschung an der Uni Paderborn zeigten, dass Milben auch bei 30 Prozent Luftfeuchte noch wochenlang überleben.

Hausstaubmilben lieben Matratzen und Bettdecken, denn Körperwärme und Ausdünstungen des Schläfers schaffen ein sehr gutes und ganzjähriges Biotop. Hier leben zusammen fast 60 Prozent der Spinnentierchen. Saisonal schwankend ist die Population dagegen auf Teppichböden und Teppichen. In Polstermöbeln findet sich rund ein Fünftel aller Hausstaubmilben.

Gute Encasings helfen

Um die hohe Allergenbelastung durch Betten und Matratzen zu senken, sind hochwertige milbendichte Bezüge, so genannte Encasings noch immer die wirksamste Methode. Aber nur wirklich gute Encasings sperren die Allergene und sind trotzdem so atmungsaktiv, dass man nicht das Gefühl hat, auf einer Plastikplane zu liegen.

Bei Ökotest und Stiftung Warentest schnitten nur knapp die Hälfte der Encasings mit "sehr gut" beziehungsweise "gut" ab. Dazu gehören die Encasings von Allcon, Pulmanova, Allergocover und Allergika-Light.

Hitze tötet

Hitze tötet die Milben nur, so fanden die Milbenforscher der Uni Paderborn heraus, wenn sie mindestens 60° Celsius über eine Stunde ausgesetzt sind. Und auch dann fanden sich noch Exemplare, die das überlebten. Um die Milben in der Bettwäsche abzutöten, sollte sie bei 95° Celsius waschbar sein. Wenn das nicht geht, mindestens jedoch bei 60° Celsius eine ganze Stunde lang. Die von Miele zusammen mit dem Deutschen Allergie- und Asthmabund entwickelte Waschmaschine "Medicwash" hat unter anderem auch ein spezielles Hygieneprogramm, bei dem mit 60° Celsius wenigstens über eine halbe Stunde gewaschen wird. Das sei zu kurz für den Milbentod, meinen Fachleute.

Hilfe durch Benzylbenzoat

Um die Milben auch bei weniger als 60° Celsius Waschtemperatur abzutöten, können akarizide Substanzen, wie Benzylbenzoat die Wirkung erhöhen. Acaril mit Benzylbenzoat, der Wäsche zugesetzt, lässt die Milben sogar bei weniger als 60° Celsius Waschtemperatur absterben.

Produkte mit Benzylbenzoat wie beispielsweise Acarosan haben sich bislang als wirksames Antimilbenmittel auch für Teppichböden und Polstermöbel erwiesen. Das Pulver bindet zudem die allergieauslösenden Kotbällchen, die nach dem Trocknen mit den Milben aufgesaugt werden.

Kein Erfolg durch Heißdampfreiniger

Heißdampfreiniger hingegen helfen kaum. Die meisten Milben überleben diesen kurzen Hitzeschock. Dafür verbessert die hohe Feuchtigkeit auf dem Boden das Milbenklima.

Umstritten: Neemöl

Umstritten in ihrer Wirkung sind auch natürliche Neemölprodukte als Allheilmittel gegen Milbenbefall. Es soll über die Nahrung in die Fortpflanzung eingreifen und die Milbe somit ausrotten. Doch selbst Monate nach empfohlener Anwendung waren die Tiere - jedenfalls im Labor - noch putzmunter.

In Labor für Milbenforschung der Uni Paderborn wurden Milben sogar der vierfachen Neemölmenge ausgesetzt und waren nach fünf Monaten im Neemölbad noch lebendig. Die Forscher an der Uni Paderborn kamen zu dem Schluss, dass bei den verschiedenen, sehr intensiv getesteten Antimilbenmitteln auf Neembasis kaum eine Effektivität gegeben ist.

Ultraschall: Keine Wirkung im Test

Relativ neu auf dem Markt ist ein elektronischer Milbenvertreiber. Er soll mit 40.000 Hertz Ultraschall für eine Milbenreduzierung sorgen und somit die Allergenkonzentration senken. Ob und wie Ultraschall auf Milben wirkt, konnte im Labor jedoch nicht festgestellt werden. Auch nach Wochen wurden keine Veränderungen der Milben beziehungsweise ihres Verhaltens beobachtet. Eine Herstellerstudie zum Ultraschallgerät will 20 Prozent weniger Milben nachweisen. 20 Prozent Reduktion - und das erst nach vielen Monaten - bringt aber auch ein gutes Encasing oder sogar Staubsaugen.

Fazit: Bis jetzt sind Lüften, heiß waschen und Encasings, also das Einpacken der Matratze, wohl noch die besten Antimilbenmittel.

Was bringt die Zukunft?

Hilfe verspricht eine neues Verfahren, das zurzeit gemeinsam mit dem Labor für Milbenforschung entwickelt wird. Hierbei wird der größte Milbenherd, die gesamte Matratze einem 75° Celsius heißen Luftstrom ausgesetzt und gleichzeitig von innen imprägniert und abgesaugt. Nach dieser Prozedur soll sie kot- und milbenfrei sein.
Bei Marktreife der Geräte könnte das, jedenfalls für Matratzen, die beste Sanierungsmaßnahme sein.

Weitere Informationen zum Thema Hausstaubmilben:

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