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Von Kopfnüssen und Kündigungsschutz

(28.7.2004) Während Unionspolitiker parteiintern eifrig Kopfnüsse verteilen, stellt sich die Frage: Wie beurteilen eigentlich diejenigen, die direkt davon betroffen sind, die Sommerloch-Diskussion zum Thema Kündigungsschutz? Die Redaktion von handwerk.com hat sich unter Handwerkern umgehört.

Ihr Vorstoß hat für Schlagzeilen gesorgt, dabei ist der Ansatz von Friedrich Merz und Christian Wulff nicht neu. Die Problembeschreibung aus ihrer Sicht: So mancher Unternehmer könnte und würde Arbeitsplätze schaffen, wenn er nicht Angst haben müsste, dass er während einer Auftragsflaute auf den neuen Mitarbeitern sitzen bleibt. Der Lösungsvorschlag der Unionspolitiker: Das Kündigungsschutz muss ersatzlos gestrichen werden. In der derzeitigen Situation könne sich Deutschland diese "arbeitsmarktpolitische Bremse" nicht leisten.

Marcel Sindt, Chef der MSS Steuerungstechnik in Falkensee (nahe Potsdam) sieht das differenzierter. Der Elektromeister begleitet die Diskussion mit zwiespältigen Gefühlen:
"Auf mich als Kleinunternehmer mit nur zwei Mitarbeitern hat das Kündigungsschutzgesetz zunächst keinen negativen Einfluss. Wenn nötig, kann ich Leute auch auf Zeit einstellen. Zudem benötigen wir auf jeden Fall den Kündigungsschutz für die Arbeitnehmer, die sehr lange im Betrieb sind und im Kündigungsfall wahrscheinlich keine Chance mehr hätten, wieder eine Stelle zu finden.
Es gibt aber ein Problem: Vor allem kleine Firmen können sich im Fall der Fälle den Kündigungsschutz nicht leisten. Wenn ein Auftraggeber nicht bezahlt hat oder die Auftragslage in den Keller geht, müsste ich theoretisch mein Unternehmen schließen, um mich von einem fest angestellten Mitarbeiter trennen zu können. Die betriebsbedingte Kündigung muss deshalb möglich sein."

Der Tischlermeister Andreas Biermann beschäftigt in Hannover 35 Mitarbeiter. Seiner Meinung nach nützt das Kündigungsschutzgesetz eigentlich nur den Zeitarbeitsfirmen:
"Das Kündigungsschutzgesetz ist nicht zeitgemäß. Mit höher Flexibilität könnten wir kurzfristig tatsächlich mehr Arbeitsplätze schaffen. Im Augenblick nützt das Gesetz eigentlich nur den Zeitarbeitsfirmen, die in dieser Nische gut verdienen. Wirklich helfen können sie uns häufig nicht, denn wir benötigen meist sehr spezielle Leute mit besonderen Fähigkeiten. Und letztlich ist die Zeitarbeit ohnehin zu kostspielig.
Das Gesetz muss der heutigen Auftragssituation angepasst werden. Das bedeutet: Die Aufträge kommen oft sehr kurzfristig und müssen kurzfristig abgewickelt werden. Da sollte ein Unternehmer flexibel reagieren können - im Augenblick ist da kaum möglich."

Die Geschäftsführerin der Auto Koch GmbH im sachsen-anhaltinischen Osterburg hofft eher auf konjunkturelle Impulse, das Kündigungsschutzgesetz sei derzeit nicht das drängendste Problem:
"Es macht keinen Sinn, das Thema nur aus Arbeitgebersicht zu betrachten. Ich kann verstehen, dass Arbeitnehmerinteressen geschützt werden müssen. Für mich als Arbeitgeberin wäre es aber sicherlich eine Erleichterung, wenn das Kündigungsschutzgesetz kippen würde - gerade in unserer strukturschwachen Region.
Falls Aufträge ausbleiben, könnten wir dann darauf reagieren, könnten uns leichter von Leuten trennen. In der derzeitigen Lage steht das aber nicht zur Debatte. Mit sieben Mitarbeitern haben wir unsere Minimalgröße erreicht, sind schon so 'runtergefahren, dass wir ohnehin keine Leute mehr entlassen könnten. Umgekehrt stehen auch keine Neueinstellungen an."

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