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VBI legt pessimistische Konjunktureinschätzung für 2005 vor

(26.3.2005) "Wir hoffen zwar, dass sich in unseren diesjährigen Konjunkturdaten eine Trendwende ankündigt, von einer Gesundung der Bauwirtschaft sind wir jedoch noch weit entfernt. Auch das Jahr 2005 wird für viele unabhängige Ingenieurunternehmen in Deutschland ein schweres Jahr" - mit diesem Fazit stellte Dipl.-Ing. Klaus Rollenhagen, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Beratender Ingenieure VBI, am 23.3. die Ergebnisse der VBI-Konjunkturumfrage 2005 in Berlin vor, an der sich über 800 Unternehmen beteiligten. Der Abwärtstrend bleibt bei den Umsätzen und Erträgen der meisten VBI-Ingenieurunternehmen weiterhin bestehen:

  • 50% der Unternehmen mussten 2003 gegenüber dem Vorjahr Umsatzeinbußen hinnehmen (2002 = 52%),
  • bei 28% stagnierten die Umsätze im Jahr 2004,
  • lediglich knapp 22% der Büros (Vorjahr 19%) konnten die Umsätze steigern.

Die Gewinne konnten hingegen nur 19% verbessern. 53% geben an, geringere Gewinne als im Vorjahr erzielt zu haben.

"Diese Zahlen zeigen nur einen leichten Aufwärtstrend. Ob es sich um das Licht am Ende des Tunnels handelt, wissen wir noch nicht. Katastrophal hat sich hingegen der weitere Umsatzeinbruch unserer Unternehmen auf die Personalentwicklung ausgewirkt. Ein Drittel der Büros musste 2004 Personal abbauen. In VBI-Unternehmen gingen mehr als 1.000 Arbeitsplätze verloren. Rechnet man die repräsentativen VBI-Zahlen auf die 53.000 Ingenieurbüros in Deutschland hoch, so müssen wir befürchten, dass in diesem Bereich 2004 62.000 Arbeitsplätze verloren gegangen sind".

Ein Großteil dieser Arbeitsplätze sind hoch qualifizierte Ingenieurstellen. Der Know-how-Verlust für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist damit immens. In Erwartung an das laufende Jahr zeigen sich die Unternehmen weiterhin pessimistisch:

  • Nur 14% glauben an eine Ertragssteigerung,
  • 40% hoffen auf eine gleichbleibende Entwicklung und
  • fast die Hälfte der Unternehmen (45%) fürchtet noch weiter sinkende Erträge.

Für den Arbeitsmarkt können die Ingenieurbüros auch im laufenden Jahr keine Impulse geben. Nur knapp 10% planen Neueinstellungen. Immerhin 63% wollen ihren Personalbestand halten. 27% gehen hingegen von weiteren Entlassungen im Umfang von 400 Stellen aus. Auf die Branche bezogen wären damit nochmals 25.000 Arbeitsplätze akut gefährdet. Rollenhagen: "Der Großteil der Ingenieurbüros blutet allmählich aus. Wegen des kontinuierlichen Umsatzrückgangs können nun auch kleine Büros ihre Mitarbeiter nicht mehr halten. Viele entlassene ältere Ingenieure haben dann trotz ihres profunden Erfahrungsschatzes auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr, auch hier geht Know-how verloren".

Als Hauptursache für die schlechte Lage der Büros gibt der VBI-Hauptgeschäftsführer die zu geringen Investitionen der öffentlichen Hand und die mangelnde Baunachfrage an. "Die Nachfrage nach Ingenieurdienstleistungen ist nach wie vor zu gering in Deutschland. Das ist verwunderlich, denn der Erhaltungsstau bei Wasser- und Verkehrsinfrastruktur aber auch Schulen und vielen anderen öffentliche Einrichtungen ist immens. Wir begrüßen daher alle Maßnahmen, die Städte und Gemeinden in die finanzielle Situation versetzen, Investitionen jetzt zu tätigen", sagte Rollenhagen.

Fast 90% der Unternehmen beklagen einen starken Preisverfall bei Ingenieurleistungen. Die Konkurrenz um die wenigen Aufträge ist zu groß. Umso wichtiger sei es, so Rollenhagen, dass alle Partner am Bau die gesetzliche Honorarordnung beachten. Viele Auftraggeber würden die Honorare bewusst drücken und sich am Ende durch Qualitätseinbußen und erforderliche Nachbesserungen selbst schaden.

Aber auch in Punkto Zahlungsmoral stünden insbesondere die öffentlichen Auftraggeber in der Pflicht. 28% der VBI-Unternehmen bezeichnen diese als schlecht. Ingesamt 63 haben darüber hinaus im vergangenen Jahr eine Verschlechterung der Zahlungsmoral festgestellt. Rollenhagen: "Ingenieurunternehmen stehen von unterschiedlichen Seiten massiv unter Druck. Wir rufen daher alle Auftraggeber zum fairen und gesetzeskonformen Umgang mit ihren Planern auf. Unverzichtbar ist aber, dass die Honorarordnung HOAI noch vor den Bundestagswahlen novelliert und die Honorare erhöht werden. Kein anderer Berufsstand wartet seit neun Jahren auf eine Anpassung seiner Einkünfte an die reale Preisentwicklung. Es ist nicht hinnehmbar, dass das Bundeswirtschaftsministerium die Novellierung der HOAI auf Kosten der exzellenten deutschen Consultingwirtschaft weiterhin verschleppt."

Rund 53.000 mittelständische Ingenieurbüros generieren in Deutschland jährlich ein Umsatzvolumen von etwa 27 Mrd. Euro. Dabei verantworten sie ein Bauvolumen von rund 210 Mrd. Euro und beschäftigen mehr als 250.000 Menschen. Etwa 65.000 jungen Menschen geben sie durch Ausbildungsplätze, Praktikanten- und Diplomandenstellen eine Perspektive.

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