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Projektbericht: Wärmedämmende Ziegel ersetzen asbesthaltige Bauteile

(30.6.2005) Die Gesundheitsgefährdung durch asbesthaltige Materialien ist hinlänglich bekannt. Festgestellte Asbestfaser-Konzentrationen in der Raumluft führen im Extremfall sogar zum Abriss eines Gebäudes. Bei der in den Jahren 1974 bis 1978 errichteten Gesamtschule Niederaula standen solche radikalen Maßnahmen schon aufgrund der relativ geringfügigen Asbestbestandteile in einzelnen Bauteilen nicht zur Debatte. Wie bei vielen Gebäuden aus den 60er und 70er Jahren wurden asbesthaltige Platten bzw. Pappen aus brandschutztechnischen Gründen unter anderem an den Stoßkanten der Trennwandelemente verwendet. Die "alten" F90-Wände enthielten teilweise zusätzlich noch asbesthaltige Platten im Bereich der Kopf- und Fußleisten. Da die Fugen entweder offen oder mit nicht luftdichten Aluminiumprofilen verkleidet waren, hatten die leicht gebundenen Asbestprodukte direkten Kontakt mit der Außenluft. Außerdem kam Asbest in Form von Asbestzementplatten als Füllung in Teilbereichen der Fassade zum Einsatz.

Asbestentfernung und neue Wände

Untersuchungen des TÜV Hessen ergaben keine messbaren Asbestfaser-Konzentrationen in der Raumluft. Um die Gefährdung von Schülern und Lehrern auszuschließen, wurden im Jahr 1991 alle Asbestplattenfugen und -stöße mit Silikon oder Klebebändern luftdicht versiegelt.

Eine vollständige Demontage der asbesthaltigen Materialien schien dem Schulträger, dem Kreisausschuss des Landkreises Hersfeld-Rotenburg, trotzdem geboten. Da der mangelhafte Wärmeschutz der Fassade ohnehin eine Komplettsanierung der Gebäudehülle erforderte, beschloss der Kreisausschuss im Jahr 2003 im Zuge der Sanierungsmaßnahmen sämtliche asbesthaltigen Wände zu entfernen und durch Wände aus hochwärmedämmenden, umweltgerechten Baustoffen zu ersetzen. Nachdem im Herbst 2003 eine entsprechende Pilotsanierung in einem begrenzten Sanierungsraum des Erdgeschosses der Schule erfolgreich abgeschlossen wurde, begann man im Sommer 2004 in einem ersten Bauabschnitt mit der Sanierung des 2. Obergeschosses.

Die Sanierungsplanung und Baubetreuung übernahm das Immobilienmanagement des Kreisausschusses des Landkreises Hersfeld-Rotenburg. Da die Entfernung von asbesthaltigen Bauteilen durch eine Spezialfirma durch die zwangsläufige Staubentwicklung für die Umwelt nicht unproblematisch ist, wurden die Demontagearbeiten in den Schulferien durchgeführt.

Hohe Wärmedämmung durch Lochbild und Porosierung

Beim Neuaufbau der Fassade waren die heutigen erhöhten Wärmeschutzanforderungen an die Gebäudehülle zu berücksichtigen. Gewünscht wurde vom Bauherrn eine monolithische Außenwand aus einem ökologisch unbedenklichen Baustoff, die ohne Zusatzdämmung hohen baulichen Wärmeschutz garantieren konnte. Der gewählte Unipor-Planziegel gewährleistet durch seine geringe Wärmeleitzahl von 0,12W/(mK) bei einer Dicke von 36,5 Zentimetern einen Wärmedurchgangskoeffizienten der verputzten Außenwand von nur 0,31 W/m²K.

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Grund für die hohe Wärmedämmung des Ziegels sind das spezielle Lochbildsystem mit Versatz der Stege in Wärmestromrichtung und die in den Poren eingeschlossene Luft. Durch die Poren wird Wärme in der Ziegelwand gespeichert und mit zeitlicher Verzögerung an die Innenräume abgegeben.

Vorteile durch Planschliff

Bei der Mauerwerkserstellung der neuen Fassade zahlten sich die Vorteile des Planziegels gleich in mehrfacher Weise aus. Durch die hohe Maßhaltigkeit und planeben geschliffene Lagerflächen konnte der Ziegel mörtelsparend in Dünnbettmörtel versetzt werden. Die gleichmäßige Dicke der nur drei Millimeter dicken Lagerfuge wurde durch eine Mörtel-Auftragsrolle (Bild rechts) gewährleistet. Aufgrund der Verzahnung der Stein-Stirnseiten durfte auf eine Vermörtelung der Stoßfugen sogar ganz verzichtet werden.

Auch bei den neuen Trennwänden (11,5 cm) setzte man auf die Güte von Planziegel-Mauerwerk. Hier kamen Unipor-Hochloch-Planziegel (Druckfestigkeit 6) zum Einsatz.

Zusätzliche Dämmung im Bereich Decke/Wand

Bei den Mauerwerks-Abmessungen waren sowohl das Stützenraster (8,40 x 8,40 m) des in Stahlbetonskelett-Bauweise errichteten Schulgebäudes sowie das vorhandene Ausbauraster (1,20 x 1,20 m) von Fensterelementen, Trennwänden und Deckenplatten zu berücksichtigen. Damit Windsog- und Winddruckkräfte statisch sicher über die neuen Außenwände in das Fundament abgetragen werden, wurde durch angeordnete Mauerwerks-Anschlussanker eine besonders kraftschlüssige Verbindung zwischen Ziegel-Fassade und den vorhandenen Stahlbeton-Rippendecken hergestellt.

Da die Decken auf den Außenstützen auflagernd die Fassade durchdringen, musste dieser Bereich außen durch zehn Zentimeter dicke Fassadendämmplatten gedämmt werden. Um Wärmebrücken im Anschlussbereich von Fassade und Decke zu verhindern, wurde hier zusätzlich eine großflächige Dämmung bis 30 Zentimeter in den Innenraum hinein vorgesehen.


Warum mit zusätzlichem Putz zudecken? Durch den direkten Auftrag weißer Farbe bleibt die Struktur der Ziegel in den Klassenräumen der Gesamtschule Niederaula erhalten.

Vorgefertigte, wärmegedämmte Unipor-Ziegelstürze sorgten für die wärmeschutztechnisch einwandfreie Einbindung der neuen Kunststoff-Fenster in die Fassade. Sie verringern durch den homogenen Putzgrund zudem die Gefahr des Auftretens von Putzrissen, die sonst beim Material-Mix von Sturz und Wand wegen der unterschiedlichen Verformungseigenschaften von Baustoffen besteht.

Sanierungs-Ende im Jahr 2007

Der Schulbetrieb muss während der Sanierung weiterlaufen. Insgesamt sind für die Sanierung deshalb drei oder auch vier Bauabschnitte vorgesehen. Die Sanierungskosten betragen voraussichtlich 4,5 Millionen Euro. Im Jahr 2007 sollen alle Sanierungsarbeiten beendet sein. Dann soll sich, vor allem auch dank der neuen Ziegelfassade, der Jahresheizenergiebedarf statt der früheren 222.827 Kilowattstunden auf 78.150 Kilowattstunden reduzieren.

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