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Geschäftsmodell für dezentrale Kleinkläranlagen entlastet Haushalte

(10.11.2006) Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe haben ein Geschäftsmodell für den Einsatz dezentraler Membrankläranlagen entwickelt, um u.a. kommunale Haushalte zu entlasten. Diese Kläranlagen sind für abseits gelegene Wohngebiete geeignet und erreichen Badegewässerqualität. Ein best-practice-Beispiel haben die ISI-Wissenschaftler bereits vorgestellt.

Weil die Stadt Selm im Kreis Unna kein Geld für den Abwasseranschluss von 25 Häusern im Wohngebiet Dahler Feld hatte, mußten die Hausbesitzer ihre maroden alten Kläranlagen auf eigene Rechnung ersetzen. Das gelang erst dank eines neuen Geschäftsmodells des Fraunhofer ISI, das mit Unterstützung der West-LB entwickelt wurde. Es sieht vor, dass die modernen, aber in der Anschaffung teureren Membrankleinkläranlagen zunächst von einem Unternehmen - in diesem Fall vom Lippeverband - gekauft, eingebaut und betrieben werden und nach zehn Jahren in den Besitz der Hauseigentümer übergehen. Diese schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen entfallen für sie die Anschaffungskosten von rund 6.000 Euro pro Anlage für einen Vierpersonenhaushalt; in den ersten zehn Jahren zahlen sie nur eine Gebühr. Zum anderen erzielen die Membrankläranlagen eine Abwasserqualität, die auch in Zukunft selbst schärfste Grenzwerte einhalten sollte. Das Abwasser, das am Ende des dreistufigen Reinigungsprozesses die Kläranlage im Garten verlässt, hat Badegewässerqualität nach EU-Richtlinie und kann problemlos im Erdreich versickern.

Das Fraunhofer ISI begleitete die Umsetzung des Geschäftsmodells "Zentraler Betrieb dezentraler Anlagen" mit vier Informationsveranstaltungen für die Bürger sowie einer soeben abgeschlossenen Umfrage, die die Zufriedenheit der Bewohner mit dem Umsetzungsprozess und der Leistung der Kläranlagen bewertete. Die Rückmeldungen sind durchweg positiv: Gelobt werden die Zukunftssicherheit des Konzepts, die kompetente Betreuung durch das Projekt-Team sowie das gute Reinigungsergebnis der Anlagen, das zum Teil besser ist als die Abwasserreinigung in großen Kläranlagen. Zwei weitere Umfragen bis zum Abschluss des Projekts in zwei Jahren sollen klären, ob der Betrieb weiter stabil läuft und wo noch Optimierungsbedarf besteht.

Das Potenzial des Geschäftsmodells, das mit dem Lippeverband, RUFIS, der RWTH Aachen sowie dem Ingenieurbüro Prof. Stein&Partner entwickelt wurde, ist enorm. Viele Abwasserkanäle in Deutschland sind marode und müssten dringend saniert werden, doch den Gemeinden fehlt das Geld. Der Betrieb dezentraler Kläranlagen im Rahmen eines Betreibermodells würde die Abwasserreinigung auch im ländlichen Raum auf eine professionelle Basis stellen. Selbst für dichter besiedelte Gebiete wäre das Konzept eine wirtschaftlich und technisch interessante Alternative. "In der Wohnungswirtschaft könnte sich ein großer Markt für dezentrale Abwasseranlagen entwickeln", sagt ISI-Projektleiter Dominik Toussaint. Auch für Entwicklungsländer sei das Geschäftsmodell eine interessante Variante.

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