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"Farbe - Ausbau & Fassade": Trends, Techniken, Produkte ... und Gesetze

(10.2.2007) Die Maler-, Lackierer- und Stuckateurbranche ist schnelllebiger denn je. Ständig gibt es neue Trends und Techniken, neue Produkte, aber auch - und vor allem - neue Gesetze. Die "Farbe - Ausbau & Fassade 2007" informiert als Leitmesse zwei der wichtigsten Ausbaubranchen über die neuesten Material- und Techniktrends sowie Verordnungen.

VOC, Klebstoffe, Dichtungsmasse, ChemVOCFarbV, Lösemittel, Anstrichstoffe, CAFE, Clean Air For Europe, Evaluation And Authorisation Of Chemicals, GHS, Globally Harmonised System, Nanotechnologie, Phasenwechselmaterialien, REACH, Registration, PCM

Was es mit den drei Buchstaben VOC auf sich hat, weiß inzwischen jedes Kind. Nun gut, zumindest wenn sein Vater Maler ist. VOC ist die Abkürzung für "volatile organic compounds" (flüchtige organische Substanzen). Nebeneffekt solcher Stoffe ist, dass sie die Umwelt belasten und mit dazu beitragen, dass das Ozonloch weiter wächst. Den größten Anteil am VOC-Ausstoß hat der Straßenverkehr, aber schon an zweiter Stelle steht die Lösemittelverwendung, zu der auch der Bausektor mit bauchemischen Produkten wie Anstrichstoffen, Klebstoffen oder Dichtungsmassen beiträgt. Daher wurde im Dezember 2004 mit der "Lösemittelhaltigen Farben- und Lack-Verordnung" (ChemVOCFarbV) die europäische Decopaint-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt. Sie stellt Anforderungen an die Reduktion des Lösemittelgehaltes unter anderem in Bautenanstrichstoffen. Und zwar in zwei Stufen, die jeweils in den Jahren 2007 und 2010 in Kraft treten bzw. in Kraft getreten sind. Insofern waren die Hersteller lösemittelhaltiger Produkte in den letzten Jahren in der Pflicht, entsprechend schadstoffarme Produkte zu konzipieren. Dass es geht, zeigen die zahlreichen Neuentwicklungen der "Farbe - Ausbau & Fassade 2007"-Aussteller. Rund 450 Unternehmen aus über 25 Ländern präsentieren vier Tage lang ihre Trends aus mehr als 450 Produkt- und Dienstleistungsgruppen.

Neben den konkreten VOC-Reglementierungn gibt es aber noch andere Verordnungen und Programme, die die Branche beschäftigen:

  • CAFE (Clean Air For Europe),
  • REACH (Registration, Evaluation And Authorisation Of Chemicals) und
  • GHS (Globally Harmonised System)

... heißen die neuesten gesetzlichen Regelungen, die im Interesse des Umwelt- und Verbraucherschutzes erlassen wurden. Aktuell betrifft die Hersteller und Vertreiber von Bauprodukten dabei die REACH-Verordnung, die dazu dient, alle Chemikalien zu registrieren, zu bewerten und gegebenenfalls zuzulassen. Das noch bis 31. Mai 2007 gültige System für Industriechemikalien unterscheidet so genannte Altstoffe (bis September 1981 auf den Markt gekommen) und Neustoffe. Letztere müssen auf etwaige Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt geprüft und beurteilt werden, bevor sie in Mengen von 10 kg oder mehr in den Verkehr gebracht werden dürfen. Im Gegensatz dazu unterliegen Altstoffe nicht den gleichen Prüfanforderungen.

Weichmacher, Konservierungsstoffe, Lösemittel, Luftschadstoffe, Raumluft, Hochsieder, schädliche Ausdünstungen, Ausdünstung
Grafik aus dem Beitrag "natureplus: Altlasten im Altbau - Grundsanierung tut Not" vom 8.9.2006

Das neue REACH-System, für das ab 1. Juni 2007 eine Übergangsfrist von 18 Monaten vorgesehen ist, basiert - anders als das alte europäische Chemikalienrecht - auf dem Grundsatz der Eigenverantwortung. Es verlangt vom jeweiligen Inverkehrbringer (Hersteller, Importeur),

  • dass er für die Sicherheit seiner Chemikalien selbst verantwortlich ist,
  • dass er die zur Bewertung dafür notwendigen Daten auch selbst beschafft (Beweislastumkehr) und
  • auf dieser Grundlage Vorgaben zum sicheren Umgang mit den Stoffen entlang der gesamten Wertschöpfungskette macht (Risiko-Management) - eine nicht zu unterschätzende Belastung für die Hersteller von Farben und Lacken.

Die auf Ökologiefragen spezialisierte dänische Unternehmensberatung DHI erstellte im Auftrag der Europäischen Kommission eine Studie, aus der hervorgeht, dass REACH die Unternehmen in den kommenden elf Jahren rund 9,7 Milliarden Euro kosten wird.

Zusammen mit dieser europäischen REACH-Verordnung möchte die EU-Kommission auch das so genannte Globally Harmonised System einführen (voraussichtlich ab 2008/2009), in welchem die bisherigen Klassifizierungen der Stoffe und Zubereitungen neu definiert werden. Weltweit soll das zu einer einheitlichen Kennzeichnung von Produkten führen. Insbesondere Materialien, deren Gefahrenpotential unverändert ist, sollen in Zukunft noch schärfer gekennzeichnet werden, was sich wiederum unmittelbar auf die Vorschriften zur Lagerung, zum Transport und zur Kennzeichnung der Zubereitungen auswirkt. "In diesem Zusammenhang gilt es dann auch, Warnsymbole, Sicherheitsdatenblätter, technische Merkblätter und begleitende Unterlagen entsprechend zu überarbeiten", weiß Michael Bross, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Lackindustrie. Last but not least soll das CAFE-Programm dazu dienen, die Bestimmungen für die Luftreinhaltung in Europa nochmals zu verschärfen. Das bedeutet, dass auch die Lösemittelemissionen erneut in die Diskussion kommen werden. Es bleibt also weiter spannend.

Fotokatalyse, Fassadenfarbe, Fassadenanstrich, Acrylfarbe, Photokatalyse, selbstreinigende Fassadenfarbe, Titandioxid, Acryl-Fassadenfarben, Selbstreinigung
Bild aus dem Beitrag "Brillux setzt auf Fotokatalyse bei neuer Acryl Fassadenfarbe" vom 20.11.2006

Neben diesen gesetzlichen Neuregelungen stehen aber natürlich auch die technischen Fortschritte im Blickpunkt der "Farbe - Ausbau & Fassade". Auf der Vorabpressekonferenz der wichtigsten internationalen Messe der Maler, Lackierer und Stuckateure kündigte Dr. Joachim Güttler, Vorsitzender der Fachgruppe Bautenanstrichmittel im Verband der Lackindustrie, eine Vielzahl von neuen Entwicklungen im Bereich der Nanotechnologie an. "Selten hat eine neue Technologie innerhalb weniger Jahre so viel Interesse geweckt", so Dr. Güttler. Es ist die Größe oder besser gesagt die Winzigkeit, die alle Nanoprodukte verbindet. Sie liegt im Bereich von einem bis zu mehreren hundert Nanometern. Ein Nanometer ist der Millionste Teil eines Millimeters und damit immer noch rund 50.000-mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares. Die Autoindustrie hat die Nanotechnologie bereits für sich entdeckt - deutlich kratzfestere Lacke sind schon lange keine Theorie mehr, sondern Wirklichkeit geworden. Aber im bauchemischen Bereich wird eifrig geforscht. Dem Fraunhofer Institut für Chemische Technologie beispielsweise ist es bereits gelungen, Beschichtungen durch Nano-Silberpartikel eine dauerhafte Resistenz gegen mikrobiellen Befall durch bestimmte Schimmelpilze, Bakterien, Keime und Algen zu verleihen, ohne dass dabei die Raumluft belastet wird.

Auch in Zukunft werden nanoskalige Rezepturinhaltsstoffe innovative Beschichtungsstoffe - so genannte Smart Coatings - hervorbringen. Zum Beispiel photoreaktive Beschichtungen, die die Eigenschaften des Titandioxids nutzen, um bei der Einwirkung von energiereichem Licht Verschmutzungen oder Schadstoffe zu oxidieren und in unbedenkliche Stoffe umzuwandeln. Nanoskalige Eisenoxidpigmente schützen Holzwerkstoffe gegen ultraviolette Strahlen. Aus Sicht der Lackindustrie ist das Ende der Innovationszyklen daher noch lange nicht erreicht, wie Joachim Güttler auf der "Farbe - Ausbau & Fassade"-Pressekonferenz konstatierte: "Interessant sind sicherlich auch die so genannten Phasenwechselmaterialien (PCM, siehe auch RAL-Gütezeichen für Latentwärmespeicher anerkannt), die eine erhebliche Kapazität zur Aufnahme und Wiedergabe von Wärme haben und so beispielsweise die Wärmedämmung von Gebäudeflächen weiter verbessern könnten. Zum Beispiel bei Bauwerken, bei denen eine herkömmliche Wärmedämmung nicht möglich ist. Ich bin überzeugt, dass gerade auf dem Feld der energetischen Aufwertung von Fassadenflächen noch einiges Potential erschlossen werden kann und dass wir auf der Farbe - Ausbau & Fassade 2007 wieder neue Produkte vorgestellt bekommen", so Dr. Güttler. Na dann ...

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