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Innovation vs. Imitation - Plagiarius-Verleihung 2007

Plagiat, Produktpiraterie, Europäische Kommission, Plagiate, Produktnachahmung, Plagiatoren, Fälscher, Plagiarius(26.2.2007) 1977, d.h. vor genau 30 Jahren, rief der Designer Prof. Rido Busse den Negativpreis "Plagiarius" ins Leben und hat damit Pionierarbeit in punkto Information, Aufklärung und Sensibilisierung zum Thema Produkt- und Markenpiraterie geleistet. Damals selbst von Plagiaten betroffen, beschloss er, die skrupellosen Machenschaften von Produktpiraten, die mangels eigener Kreativität und vor allem aus Profitgier innovative Ideen und technisches Know-how Anderer 1:1 übernehmen und als eigene Leistung ausgeben, ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Als Trophäe wählte Busse einen Gartenzwerg, den er schwarz anmalte und dem er eine goldene Nase aufsetzte - als Symbol für die immensen Gewinne, die sich die Nachahmer sprichwörtlich auf Kosten Anderer verdienen. Ziel war und ist, in Form von Pressearbeit und Beratung sowie weltweiten Ausstellungen und Vorträgen sowohl Hersteller und Händler, aber auch Politiker, den Gesetzgeber und die Konsumenten über Ausmaß, Schäden und Gefahren von Plagiaten und Fälschungen aufzuklären und zum Umdenken und Handeln anzuregen.

Produkt- und Markenpiraterie stellt zweifelsohne eine der gravierendsten Formen von Wirtschaftskriminalität im 21. Jahrhundert dar. Forciert wird die explosionsartige Ausbreitung des Problems durch Globalisierung und technischen Fortschritt. Nicht nur in Asien und in der Dritten Welt werden Teilnehmer entlang der Wertschöpfungskette bis hin zum Endverbraucher mit teils minderwertigen Plagiaten und Fälschungen konfrontiert. Auch in westlichen Ländern führt der stetig zunehmende Preisdruck dazu, dass ethische Bedenken und Fair Play schon mal über Bord geworfen werden. Nachweislich gelangen immer mehr nachgeahmte Waren auch in den europäischen Markt - teilweise wurden die Kopien sogar von der heimischen Konkurrenz bewusst in Auftrag gegeben.

Fakt ist, Produktpiraten untergraben den legalen Handel und senken die Innovationsbereitschaft und -kraft zahlreicher Hersteller. Hersteller, die durch ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten immer neue Innovationen hervorbringen und somit Fortschritt, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze sichern. Aber nicht jede Produktentwicklung ist erfolgreich - auch so genannte Flops müssen mitfinanziert werden. Im Gegensatz dazu können sich die Nachahmer auf das Abkupfern erfolgreicher Produkte, für die bereits Nachfrage besteht, fokussieren. Neben den Investitionen in Forschung und Entwicklung - dem größten Kostenpunkt bei der Entwicklung neuer Produkte - sparen die Produktpiraten auch noch die Kosten fürs Marketing.

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Auszeichnung: Sofa Insel "Orbit" Original (links): Dedon GmbH, Lüneburg Plagiat (rechts): Antik Heiligenstedten, Heiligenstedten

Ein rücksichtsloses Verhalten, durch das die Hersteller und Händler der Originalprodukte immense, teils existenzbedrohende Schäden erleiden: Von Umsatzrückgängen über den Verlust von Marktanteilen und der Zerstörung der Glaubwürdigkeit der Marke bis hin zu ungerechtfertigten Produkthaftungsklagen. Ganz abgesehen von den Zusatz-Investitionen zur Bekämpfung des Problems. Können die getätigten Investitionen nicht wieder erwirtschaftet werden, sind zukünftige Produktentwicklungen und somit Jobs gefährdet.

Die Mehrheit der Bevölkerung assoziiert beim Thema Produkt- und Markenpiraterie unweigerlich gefälschte Luxusartikel. Entgegen dieser allgemeinen Einschätzung sind aber Produkte aller Branchen von dem Problem betroffen. Praktische Haushaltartikel und Accessoires ebenso wie Kosmetik und Medikamente, Kinderspielzeug, Leuchten, Möbel, Lebensmittel, Werkzeuge, Ersatzteile, bis hin zu hoch komplexen mechanischen und Elektro-/ elektronischen Geräten und Maschinen. Verantwortungsbewusstsein ist für die Nachahmer ein Fremdwort. Minderwertige Produktqualität und nicht erfüllte Sicherheitsstandards können dabei Gesundheit und sogar Leben der Konsumenten gefährden.

7-10% des Welthandels Fälschungen

Die Europäische Kommission schätzt, dass bereits 7-10% des Welthandels Fälschungen, Plagiate und Raubkopien sind und dass global ein volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von 200-300 Mrd. Euro pro Jahr entsteht und mehrere hunderttausend Arbeitsplätze vernichtet werden. Tendenz steigend! Mitnichten handelt es sich um ein Kavaliersdelikt. Dies untermauert auch die von der EU-Kommission veröffentlichte Zollstatistik. Danach wurden 2005 an den EU-Außengrenzen vom Zoll mehr als 75 Millionen gefälschte Artikel beschlagnahmt - und diese Zahlen bilden nur einen Bruchteil des Problems ab. In den letzten Jahren haben sich Fälscherbanden immer professioneller organisiert und verfügen über global funktionierende Netzwerke und eigene Vertriebswege - jenseits der direkten, den Zollbehörden bekannten Routen. So genannte Freizonen werden oftmals zur Umladung von Waren genutzt und entwickeln sich zu blühenden Umschlagplätzen für Piraterieware.


Sonderpreis für Wiederholungstäter: Beleuchteter Türgriff, Serie x.door Originale: Schneider + Fichtel GmbH, Rottenburg Plagiat: Glaser GmbH & Co. KG, Gross-Umstadt

Tatsache ist aber auch, dass Märkte sich naturgemäß über Angebot und Nachfrage regeln. Viele Händler und Konsumenten machen sich anscheinend nicht bewusst, welchen Beitrag sie mit ihren täglichen Kaufentscheidungen in Bezug auf das Problem der Produktpiraterie leisten. Solange westliche Händler Plagiate einkaufen oder in Auftrag geben und solange Touristen Busfahrten zu Fälschermärkten buchen (können) und bedenkenlos kofferweise nachgeahmte Waren aus dem Urlaub mitbringen, wird auch das Angebot von Plagiaten und Fälschungen entsprechend hoch sein.

Das Thema Produkt- und Markenpiraterie ist für viele nach wie vor sehr abstrakt und die Zahlen schrecken kaum ab. Ab 1. April 2007 können im Museum Plagiarius in Solingen mehr als 250 Originale und Plagiate der unterschiedlichsten Branchen direkt verglichen werden. Die Beispiele, alles ehemalige Plagiarius-Preisträger, veranschaulichen sehr praxisnah die Dreistigkeit der Produktpiraten und regen hoffentlich zum Umdenken an. In Workshops sollen darüber hinaus Basiswissen und Tipps für erfolgreiche Schutzrechtstrategien vermittelt werden.

Die Preisträger 2007 (in den jeweiligen Bildern ist das Original links abgebildet):

  • PLAGIARIUS 2007 - 1. Preis
    Isolierkanne "Sophie" (Bild)
    Original: alfi GmbH, Wertheim
    Plagiat: He Shan Jia Hui Vacuum Flask & Vessel Co., Ltd., Guangzhou, P.R. China
     
  • PLAGIARIUS 2007 - 2. Preis
    Notizbuch "Moleskine" (Bild)
    Original: Hersteller: Moleskine S.r.l., Mailand, Italien
    Vertrieb (D, AT, CH): Authentics GmbH, Gütersloh
    Plagiat: ars nova GmbH Großhandel für Künstlermaterialien, Witten
     
  • PLAGIARIUS 2007 - 3. Preis
    Kehrmaschine "TopSweep 55" (Bild)
    Original: Ing. Haaga Kunststofftechnik GmbH, Kirchheim/Teck
    Plagiat: Wuyi Zhouyi Mechanical & Electrical Co., Ltd., Zhejiang, P.R. China

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