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Klimakiller Palmöl - das schmutzige Geschäft mit erneuerbarer Energie

(20.3.2007) Um der Nachfrage nach Palmöl (nicht nur) aus Deutschland nachkommen zu können, muss in Südostasien immer mehr Urwald neuen Palmölplantagen weichen. Nach Recherchen des ARD-Politmagazins „Report München“ sind nahezu alle deutschen Betreiber größerer Blockheizkraftwerke (BHKWs) vom heimischen Raps- auf billigeres Palmöl aus Übersee umgestiegen. Die an sich klima-freundlichen Blockheizkraftwerke geraten so ins Zwielicht, weil die nachhaltige Herstellung von Palmöl in Ländern wie Indonesien und Malaysia völlig ungesichert ist. Der Brennstoff aus der Ölpalme wird auch noch über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) subventioniert - mit Geld also, das auf die Stromrechnung der Verbraucher umgelegt wird.

Wie Report München in seiner Sendung am 12.3.2007 berichtet hat, liegt die Stromerzeugung deutscher Blockheizkraftwerke mittels Palmöl in diesem Jahr bei rund 1,3 Mrd. kWh, was der Stromerzeugung aus Solarenergie des Jahres 2005 entspricht. Die BHKW-Betreiber kommt dabei eine Lücke im Gesetz zugute: Unabhängig von der Herkunft des verwendeten Palmöls bekommen sie allein 2007 mindestens 200 Mio. Euro aus der im Strompreis enthaltenen EEG-Umlage vergütet. Denn formal betrachtet, ist Palmöl genau wie Raps ein nachwachsender Rohstoff aus landwirtschaftlicher Produktion - unabhängig davon, wo er hergestellt wird.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sieht angesichts dieser paradoxen Entwicklung sogar die Wende zu mehr erneuerbaren Energien in Gefahr: „Das ist schon besorgniserregend: Jeder, der EEG-Strom benutzt, denkt er tut etwas Gutes, und wenn er das zum Teil durch die Zerstörung des Regenwaldes gemacht hat, dann sind wir kurz davor, den Sinn des EEGs zu diskreditieren.“

Die Kraftwerksbetreiber rechtfertigen den Einsatz von preiswertem Palmöl damit, dass sich Rapsöl als Brennstoff wegen des gestiegenen Marktpreises nicht mehr lohne. Außerdem verweisen einige darauf, das von ihnen verwendete Palmöl komme aus Altplantagen und erfülle Kriterien für nachhaltige Produktion, wie sie etwa von der Arbeitsgemeinschaft RSPO (Round Table on Sustainable Palmoil) entwickelt werden. Doch solche Rechtfertigungen lässt Axel Friedrich vom Umweltbundesamt nicht gelten: „Wenn hier jemand behauptet, er hat Palmöl von alten, bestehenden Plantagen gekauft, nimmt er aus dem System Palmöl heraus und erhöht den Druck, neue Palmölplantagen anzulegen, zu Lasten des Urwaldes. Wer so etwas macht, macht Urwald kaputt. Jede zusätzliche Nachfrage nach Palmöl führt zu neuen Abholzungen.“

Obwohl die Ölpalme grundsätzlich ein nachhaltiger und sehr ertragreicher Rohstoff ist, fällt wegen der aggressiven Flächennutzung in den tropischen Anbauländern die Klimabilanz von Palmölplantagen oftmals vernichtend aus - besonders dann, wenn Plantagen auf Torfböden angelegt werden. Denn in den Urwäldern und Torfsümpfen ist besonders viel Kohlenstoff gespeichert - siehe auch die im Report-Beitrag angesprochene Region in Malaysia per Google-Map:

„Durch unkontrollierte Brände im Vorfeld der Errichtung von Palmölplantagen entweicht um ein Vielfaches mehr CO₂ aus den Torfböden und Urwäldern, als durch Palmölplantagen und durch den Einsatz von Palmöl als Brennstoff später überhaupt wieder eingespart werden kann“, warnt Professor Florian Siegert von der Uni München.

Der Druck auf den Bundesumweltminister wächst. Er prüft derzeit sogar ein Importverbot. Dies habt aber wohl wenig Aussicht auf Erfolg. Aus Gabriels Umfeld verlautet, dass eine geplante Novellierung des EEG darauf abziele, nur noch „nachweislich nachhaltiges Palmöl" zur Stromerzeugung zuzulassen. Doch dafür braucht es ein Zertifizierungssystem, mit dem die Nachhaltigkeit kontrolliert werden kann“ - ein System, das nur im Verbund mit der EU und Palmölerzeugerländern wie Indonesien oder Malaysia und den Plantagenbetreibern funktionieren kann. Dieses Vorhaben bezeichnet Axel Friedrich vom Umweltbundesamt als „eine der schwierigsten Aufgaben, die das Amt hier in den letzten Jahrzehnten begonnen hat, weil viele Interessen und sehr viel Geld damit verbunden sind.“

Erste Vorschläge waren eigentlich für Juni dieses Jahres angekündigt. Doch bereits dieses Ziel wird nicht erreicht werden, so Friedrich.

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