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Ostdeutsche sind Wassersparmeister

(14.8.2007) Ostdeutsche Haushalte verbrauchen 30 Prozent weniger Trinkwasser als Haushalte in den alten Bundesländern (ABL). Hauptursachen sind laut Fraunhofer ISI höhere Wasser- und Abwasserpreise sowie niedrigere Haushaltseinkommen in den neuen Bundesländern (NBL):


Jeder Westdeutsche verbraucht pro Tag 132 Liter Trinkwasser, Ostdeutsche dagegen nur 93 Liter. Diesem verblüffenden Unterschied ist das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung nun auf den Grund gegangen. Dazu hat das Karlsruher Institut 600 Versorgungsgebiete und damit etwa die Hälfte der deutschen Haushalte auf ihren Wasserkonsum untersucht und mit Angaben wie Einkommen, Wasser- und Abwasserpreis, Haushaltsgröße, aber auch Wetterdaten verknüpft. Damit ist die ISI-Studie die umfassendste Analyse, die zu diesem Thema bislang in Deutschland gemacht wurde.

Erfreulich: Deutschland liegt beim Trinkwasserverbrauch in Europa am unteren Ende. Dennoch gibt es regionale Unterschiede, insbesondere zwischen Ost- und Westdeutschland. Das war nicht immer so: Zur Zeit der Wende war der Wasserverbrauch in Ost und West nahezu gleich. Doch danach sind die Preise in den neuen Bundesländern rapide gestiegen und der Verbrauch in der Folge stark gesunken, während er in den alten Ländern nur langsam zurückging.

Die ISI-Wissenschaftler fanden heraus, dass der Trinkwasserverbrauch pro Kopf um etwa 2,3 Prozent beziehungsweise 3 Liter pro Tag abnimmt, wenn die Preise um zehn Prozent steigen. Ein enger Zusammenhang besteht außerdem zwischen Einkommen und Wasserverbrauch: in Regionen mit niedrigerem Einkommen liegt auch der Verbrauch niedriger und zwar im Osten wesentlich deutlicher als im Westen. Zur Reduktion des Wasserverbrauchs tragen neben wassersparendem Verhalten auch wassereffiziente Sanitär- und Haushaltsgeräte bei. Diese wurden gerade in den Neuen Bundesländern im Rahmen der Gebäudesanierungen nach der Wiedervereinigung installiert. Der zurückgehende Wasserverbrauch in Haushalten, verstärkt durch den effizienteren Umgang mit Wasser in Industrie und Gewerbe sowie - insbesondere im Osten - abnehmende Bevölkerungszahlen, verursachen bereits heute Probleme beim Betrieb der großen zentralen Wasser- und Abwassernetze. Diese sind auf den hohen Wasserverbrauch früherer Jahre ausgelegt.

Auch andere Thesen konnte die ISI-Studie für das Bundesministerium für Bildung und Forschung bestätigen. So nimmt der Trinkwasserverbrauch pro Kopf zu, wenn die Personenzahl im Haushalt sinkt - Singlehaushalte verbrauchen also pro Kopf mehr Wasser als Haushalte mit Kindern. Überraschend dagegen, dass der Wasserverbrauch in Regionen mit höherem Durchschnittsalter zunimmt. Der demographische Wandel wird also auch die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung beeinflussen. "Die Unsicherheit dürfte größer werden, und die künftige Entwicklung wird in den einzelnen Versorgungsgebieten sehr unterschiedlich verlaufen", sagt Projektleiter Thomas Hillenbrand, "deshalb brauchen wir künftig flexiblere Wasserinfrastruktursysteme, zum Beispiel dezentrale Konzepte."

Zum Einfluss von Wetter und Klima auf den Verbrauch liefert die Studie erste Ergebnisse. Danach liegt der Verbrauch in trockeneren Regionen höher - pro Kopf um 1,5 Liter pro Tag bei zehn Prozent geringeren Niederschlägen. Für eine fundiertere Analyse der Auswirkungen klimabedingter Einflüsse, die bei längeren Trockenperioden auch hauseigene Wasserquellen wie Regenwasserzisternen oder Hausbrunnen versiegen lassen, sind allerdings noch weitere Untersuchungen notwendig.

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