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Buchvorstellung "Ästhetik Effizienz - Industrie Gewerbe Verwaltungsbauten"

<!---->(3.9.2007) "Ästhetik Effizienz" zeigt überzeugend, wie ästhetisch und ansprechend Industrie-, Gewerbe- und Verwaltungsbauten sein können, ohne zwangsläufig astronomisch hohe Kosten zu verursachen. Das durchgängig zweisprachig deutsch-englisch ausgeführte Buch des Nelte-Verlags gliedert sich in zwei Teile: Einer mehrseitigen textlichen Einführung folgt die Vorstellung von Beispiel-Objekten.

In seiner Einführung beschreibt der Essener Professor Jürgen Reichardt die Vorteile schöner, gut geplanter Architektur gegenüber den häufig anzutreffenden einfallslosen, billig errichteten "Gewerbesteppen". Im Wesentlichen verfolgt er dabei drei Argumentationsstränge:

  1. Vergleicht man die langfristigen Gesamtkosten, sind vermeintlich günstige Objekte oft sogar recht teuer, weil sie hohe Unterhaltskosten verursachen oder so unflexibel gestaltet sind, dass bei der nächsten Produktionsumstellung ein Umzug nötig wird. Dem gegenüber können gut durchdachte und flexibel angelegte Gebäude, bei denen alle wichtigen Leistungsmerkmale frühzeitig definiert wurden und denen ein integrales Klima- und Technik-Konzept zugrunde liegt, im Laufe der Zeit durch niedrige Folgekosten die höhere Anfangsinvestition häufig ausgleichen.
  2. Ein schönes und gesundes Arbeitsumfeld - möglichst mit Tageslicht und natürlicher Belüftung - fördert die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und deren Identifikation mit dem Betrieb. Und insbesondere wenn Kreativität und Eigeninitiative gefragt sind, können räumlich aufgewertete Flure, Galerien und Treppenhäuser zu wichtigen Kommunikations- und Denkräumen werden und so zum Unternehmenserfolg beitragen.
  3. Nach dem Motto von Henry Ford ("good design pays") gilt es aber nicht nur, durch ansprechenden Gewerbe- und Verwaltungsbau einen erkennbaren Beitrag zu Unternehmenskultur und Identitätsstiftung zu leisten, sondern dieses auch werbewirksam hervorzuheben. Ein Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitern ein attraktives Arbeitsumfeld bietet und mit einem außergewöhnlichen Gebäude einen positiven Beitrag zur Stadtplanung leistet, punktet auch bei Kunden und Lieferanten, weil er damit soziales, kulturelles und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein zeigt.

Wie schön, vielfältig und beeindruckend Objektbau sein kann, zeigen die knapp 80 hochwertig fotografierten und ausführlich mit Texten sowie technischen Zeichnungen erläuterten Beispiele im Hauptteil des Buches. Diese reichen von sich zurückhaltend-harmonisch einfügenden Renovierungs- und Erweiterungsbauten bis zu besonders auffallend geformten Bauten wie z.B. ...

Nicht nur bei der Formenvielfalt, sondern auch in puncto Materialien deckt die Auswahl ein breites Spektrum ab. So wird neben den gängigen Stahlbetonbauten auch ein Hybridtragwerk aus Holz und Stahl vorgestellt und außer der klassischen Glasfassade findet man auch innovative Varianten, z.B. eine mit integriertem Metallgitter als Sonnenschutz, die Cell-Glazing-Fassade mit innenliegendem Sonnenschutz eines Bürogebäudes in Mönchengladbach oder die Kombination aus Edelstahlgewebe und LEDs am Light-Cube in Saarbrücken, die erst bei Nacht richtig zur Geltung kommt. Dass auch mit "normalen" Mitteln ansprechend gebaut werden kann, beweist wiederum das Beispiel des Roma-Werks Rostock, bei dem zur Kostenminimierung konsequent auf vorgefertigte Elementbauweise gesetzt wurde.


NRW-Vertretung beim Bund in Berlin

Bei der Mehrheit der vorgestellten Objekte stehen offensichtlich weniger die Investitionskosten als die Minimierung der Folgekosten im Focus, vor allem durch die Einplanung moderner Energiekonzepte. Vor dem Hintergrund, dass  natürliche Belüftung und Tageslicht nicht nur Kosten sparen, sondern zwischenzeitlich auch als mitarbeiterfreundlich, motivations- und gesundheitsförderlich gelten, sind die meisten mit regenerativer Klimatechnik - oft gekoppelt mit einer Doppelfassade - ausgestattet. Die Luft, die zwischen den beiden Fassaden-Schalen zuströmt, wird dabei über ganz unterschiedliche Systeme vorgewärmt oder vorgekühlt, z.B. über Erdsonden, Erdkanäle, Wärmerückgewinnung aus Abwärme, dezentrale Zuluftgeräte (Luftboxen), die mit Unterdruck, Wärmepumpen und Geothermie arbeiten oder mittels Brennstoffzelle in Verbindung mit einer Mikrogasturbine ... Diese Energiekonzepte werden ebenso detailliert beschrieben wie andere, bei denen statt einer aktiven Klimatisierung beispielsweise eine Bauteilaktivierung für Kühlung sorgt.

Neben den technisch aufwändigen Varianten werden aber auch vergleichsweise einfache Lösungen aufgezeigt, u.a. das Vorwärmen der Außenluft mittels einer schwarzen Lochblechfassade ("Solarwall") oder das Kühlen mittels Durchzugs über öffenbare Oberlichter in den Bürotüren.

Das Buch "Ästhetik Effizienz" bietet durch die Vielfalt der ausgewählten Beispiele und deren detaillierte Beschreibungen viele Informationen und Anregungen, sowohl zum Einsatz alternativer Energien als auch zur Gestaltung von Gewerbebauten. Es dürfte aber auch allein schon wegen der schönen, hochwertigen Fotos jedem Bau-Interessierten beim Ansehen Freude machen und ist seinen Preis durchaus wert.

Die bibliographischen Angaben zum Buch:

beispielhaft einige der knapp 80 im Buch beschriebenen Projekte, die in Bird's Eye View in Microsoft Virtual Earth gefunden werden können:

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