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Bauen ist Lust auf Zukunft - Architektur als Kommunikationsmittel

(2.10.2007) Jede Investition in einen Neubau ist eine unternehmerische Entscheidung, kontinuierliches Bauen Vorraussetzung für beständiges Wachstum. Die Auffassung vom Bauen als langfristige unternehmerische Aufgabe lässt sich letztlich auch am gebauten Ergebnis ablesen. So wird im Familienunternehmen Feederle offensichtlich seit jeher mit Weitsicht investiert, geplant und - gestaltet. Große Erweiterungen, ob für Produktion, Ausstellung oder Verwaltung, sind hier selten aus einem akuten Bedarf heraus entstanden. So blieb immer Zeit, Gedanken und Pläne reifen zu lassen.

Auch das neue feco-forum ist Teil einer langfristigen Zukunftsausrichtung des Karlsruher Unternehmens (siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps). Beschlossen zu einer Zeit, in der viele andere Unternehmen größere Investitionen scheuten, wurde der Bau des feco-forums just zu dem Zeitpunkt fertig, als sich die Auftragsbücher merklich füllen und das Kerngeschäft - hier die Entwicklung, Fertigung und Montage von Systemtrennwänden - die volle unternehmerische Aufmerksamkeit fordert. Das neue Ausstellungsgebäude steht dem Unternehmen also zu einem Augenblick zur Verfügung, zu dem die Wirtschaft die Rolle des Bauherrn wieder entdeckt, Architekten sich über neue Aufträge freuen, eine gute und anschauliche Beratung zu hochwertigen Bauprodukten unentbehrlich ist.

Architektur als Kommunikationsmittel

Bauherrn und Architekten - beide sollen sich angesprochen fühlen von diesem Neubau. Die richtige Sprache - eine architektonische Sprache - musste es also sein, eine die aufhorchen lässt und einen Anspruch dokumentiert, der über die reinen Eigenschaften der ausgestellten Produkte hinausweist. Die Stuttgarter Architekten Lederer Ragnarsdóttir Oei sollten diesen Anspruch in ihrer Sprache formulieren. Nachdem Architekt und Bauherr vorsorglich ihr gegenseitiges Architekturverständnis in Augenschein genommen hatten, wurden sie sich rasch über den richtigen Entwurf einig. Er erlaubt auf der gegebenen Fläche eine große typologische Vielfalt, verbindet die Eigenschaften eines emotionalen Ausstellungs- mit denen eines rationalen Bürogebäudes. Dies entspricht dem Wunsch, räumliche Erlebnisse zu stiften und gleichzeitig realistische Situationen zu schaffen, die in der gegenwärtigen Büroarchitektur anzutreffen sind.

Dabei ist auch das feco-forum geprägt von der Führung des Tageslichts in den Innenraum. Licht fällt durch Lochfassaden, vollflächige Schaufenster und es kommt - natürlich - von oben. Als eine wichtige Errungenschaft des Entwurfs lässt sich die Tatsache bewerten, dass alle drei Vollgeschosse Licht auch aus der Mitte erhalten. Ein Atrium im 2. Obergeschoss ist Lichthof und Freifläche. Hier liegen Kuppeln, durch die das Tageslicht über einen Luftraum bis in das Erdgeschoss fällt (Bild).

Ideen brauchen Zeit

Verglichen mit der Umsetzung des Raumprogramms und der innenräumlichen Entwicklung war die Fassade zur Straße, viel schwieriger zu lösen. Die Tatsache, dass die Ausrichtung des Grundstücks im Widerspruch steht zur gewünschten Ausrichtung der Schaufenster, bereitete Bauherrn und Architekten viel Kopfzerbrechen. Das einjährige Ringen - die richtige Idee braucht Zeit - führte letztlich zu einer schuppenartigen Anordnung der Schaufenster (siehe Eingangsbild). So wurden die Fassadenöffnungen, entgegen der übergeordneten Gebäudeausrichtung, abgedreht - hinter der Fensterebene entstanden ganz nebenbei imaginäre Räume, die auch unterschiedliche Möblierungen ohne Trennwände möglich machen:


Die Ausstellung lebt.

Die Systemtrennwände finden vor allem dort ihren Platz, wo der Neubau das Gesicht eines Bürogebäudes annimmt: Auf der Südseite, zu erkennen an der Lochfassade, deren Wesen, ganz anders als die Straßenseite, aber genauso deutlich, markant herausgearbeitet ist. In die tiefschwarze Wellblechhaut, die das gesamte Gebäude umhüllt, schneiden kontrastreich schlanke Öffnungen mit weißer Fensterleibung ein. Dahinter liegen Zellenbüros, anhand derer sich die gesamte Bandbreite des feco-Trennwandsystems darstellen lässt: Querwände mit zahlreichen verschiedenen Varianten und Anschlüssen an die Flurtrennwand. Diese wiederum zeigt alle verfügbaren Glaskonstruktionen, von der Aluminium-gerahmten Einscheiben-Verglasung bis zur rahmenlosen Structural Glazing-Doppelverglasung einschließlich passender Türen. Hier finden sich auch Arbeitsplätze von Mitarbeitern, so dass sich die Systemwände in einer realistischen Umgebung beurteilen lassen.


Büros liegen auch im zweiten Obergeschoss. Hier ist ein Reiseveranstalter mit 20 Mitarbeitern untergebracht. Dort haben Kunden zusätzlich die Möglichkeit, tatsächlich genutzte Büros mit verschiedenen Trennwandkonfigurationen und Möblierungskonzepten zu erleben. So wird das Wechselspiel zwischen Wand und Möbel anschaulich und zeigt die besondere Ausrichtung des Unternehmens: Entwicklung und Herstellung von Systemtrennwänden und Fachhandel für Büroeinrichtungen.

Architektur und unternehmerische Verantwortung

Was dieses Ausstellungsgebäude von anderen unterscheiden mag, ist die räumliche Qualität im Innern. Wer dieses Haus betritt, ist leicht geneigt, das Ansinnen, Möbel oder Trennwände zu verkaufen, zu vergessen und stattdessen der Wirkung von Licht, Form und Raum nachzugeben. Das Erstaunen nimmt schon auf der Straße seinen Lauf, auch im Vorbeifahren - was auch am Treppenhaus liegen mag, das sich unübersehbar in zwei Wellen aus dem Baukörper hinausschiebt, oder auch an der Präsenz der schwarzen Fassade. Vermutlich rührt die Irritation aber von Dingen, die man an diesem Ort nicht erwartet: Schaufenster, Platz, Sitzbank.

Dies führt wieder zurück zum Bauherrn und seinem Rollenverständnis. "Bauen ist auch ein Stück Öffentlichkeitsarbeit" könnte man die Haltung der Feederles zusammenfassen. Dieses Empfinden war Grundlage für die Wahl des Architekten und für die wesentlichen Züge des Entwurfs. Bauen schließt Verantwortung für den öffentlichen Raum ein, auch für den eines Industriegebietes. Das wird schon im Zweck des Gebäudes deutlich: Es ist Ausstellungsraum und Ort für Begegnung mit Kunden und Architekten. Die damit verbundene Gestaltungsqualität beschränkt sich hier nicht auf das Gebäudeinnere, sie zeigt sich auch an der Straße: Mit einer Sitzbank. Hier, mitten im Industriegebiet.

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