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Gewahrsamstüren von "leicht begehbar" bis "ausbruchssicher"

(10.10.2007) Der demographische Wandel führt dazu, dass mehr Kliniken und Pflegeheime in Deutschland gebaut werden. Die behördlichen Auflagen sind hoch. Brand- und Rauchschutz, Sicherheit und Schallschutz stellen die Objektplaner vor Herausforderungen. Das gilt auch für das barrierefreie Bauen. Türen sind hier ein zentrales Element. Von der Glastür bis zur ausbruchsicheren Stahltür für Räume in der Forensik, alle Lösungen müssen zahlreichen Auflagen entsprechen.


Die Ansprüche an das Bauelement "Tür" haben sich verbreitert. In barrierefreien, altersgerechten Wohnplätzen gibt es z.B. keine Schwellen mehr. Automation, ansprechende Optik und Brandschutz - viele Türen erfüllen mehrere Anforderungen zugleich. Bei der Planung ist zu beachten, dass für (halb-)öffentliche Gebäude zahlreiche Normen gelten. Zum Beispiel Brandschutz: Welche Feuerschutztür braucht zusätzlichen Rauchschutz? Wie lange müssen sie der Hitze widerstehen - wo genügt eine T30-Tür mit 30 Minuten Brandwiderstand, wo ist eine T90-Tür vorgeschrieben? DIN 4102, DIN 18095 und auch die jeweiligen Landesbauordnungen sind zu beachten.

Damit trotz Brand- und Rauchschutz eine helle, freundliche Atmosphäre entsteht, wählen Planer häufig Rohrprofiltüren mit filigranen Rahmen. Durch ihren hohen Glasanteil bringen sie Transparenz in das Gebäude und lassen auch auf langen Fluren noch Tageslicht in tiefer liegende Abschnitte dringen. So ersetzen sie Stahltüren oder massive Wandelemente. "Die Brandschutzplanung ist eine der wichtigsten Ingenieurleistungen und eine der anspruchvollsten: Neben dem Abschotten von Bränden sind Fluchtwege vorzusehen - und ein System, diese rauchfrei zu halten", erläutert Friedhelm Schwake, Leiter der Entwicklung beim Türhersteller Teckentrup.

Komfortlösungen für Seniorenheime

In Reha-Zentren, Pflege- und Seniorenheimen kommt dem Komfort große Bedeutung zu. Türen müssen besonders breit sein, um z.B. sperrige Betten zu rangieren und gehbehinderten Menschen einen mühelosen Durchgang zu gewähren. Auf den "Hautverkehrswegen" werden die Türen zudem oft elektrisch angetrieben (Automatiktüren gemäß DIN 18650) - beispielsweise über einen Schalter. Noch komfortabler sind Lösungen, bei denen die Tür selbsttätig aufschwenkt. Ein Radar erkennt, wenn sich jemand nähert und sie sich öffnen und schließen muss. Zusätzliche Sensoren an beiden Seiten der Flügel gewährleisten zudem, dass niemand von der Tür berührt wird, selbst wenn eine Person im Durchgang stürzen sollte.

Ausbruchsicherheit garantiert

In Kliniken für psychisch kranke Menschen müssen einige Bereiche ausbruchssicher sein: Bei schweren Alzheimer- oder Demenz-Leiden dürfen Patienten das Gebäude nicht alleine verlassen. Es könnte passieren, dass sie sich außerhalb der Anlage alleine nicht zurecht finden. Sie sind sozusagen "vor sich selbst zu schützen". Dazu werden die Sicherungssysteme so ausgelegt, dass sich die Durchgänge nur vom Personal öffnen und schließen lassen, Notentriegelungen für die Fluchtwege sind aber möglich.

In Forensischen Kliniken ist die Lage noch einmal anders: Hier werden psychisch kranke Straftäter behandelt, vor denen die Gesellschaft zu schützen ist; denn von ihnen geht eine Gefahr für Menschen aus. Das notwendige Sicherheitsniveau erreicht hier das einer Strafanstalt. Teckentrup hat nach den Richtlinien mehrerer Bundesländer (NRW, Sachsen) so genannte "Gewahrsamstüren" entwickelt, die Ausbruchsversuchen widerstehen. "Mit der Klassifikation 'T 15' sind die Insassen besonders gut geschützt - sogar vor sich selbst: Sollten sie in ihrer Zelle einen Brand legen, bleibt diese Tür eine Viertelstunde entriegelbar. So kann der Insasse gerettet werden", sagt Schwake. Gewöhnliche Türen verziehen sich deutlich schneller und lassen sich dann oft nicht mehr öffnen.

Zusatzfunktionen bei Zellentüren sind auf den Bedarf abzustimmen: Über Kostklappen können Insassen versorgt werden, ohne dass die Tür geöffnet werden muss, Weitwinkelspione mit schwenkbarem Abdeckblech und durchstoßsicherer Rosettenverschraubung erlauben die Kontrolle der Zelle, ohne die eigene Sicherheit zu gefährden, zusätzliche Schubriegel dienen als Schnellverschluss. Erst durch solche Details werden Türen sicher und auch für den Strafvollzug sinnvoll. In Hochsicherheitstrakten steigt das Niveau weiter. Hier kommen Sichtfenster zum Einsatz, die mit Abdeckklappe und Magnetzuhaltung besonders gut gewaltsamen Öffnungsversuchen widerstehen.


Weitere Einsatzorte für Gewahrsamstüren sind Polizeistationen und Gebäuden, in denen Personen weggesperrt werden müssen. Ein Beispiel aus Hamburg: Das Veranstaltungsherz der Stadt schlägt am Volkspark, mit AOL-Arena und ColorLine Arena. Das Stadion bietet 55.000 Zuschauern Platz, die Multifunktionshalle 16.000. Da bei Großveranstaltungen leider auch mit Randalierern zu rechnen ist, verfügt die Halle über einen eigenen Polizei-Trakt, inklusive einiger Zellen - gesichert mit T15-Gewahrsamstüren.

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