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Konkret: Wasserrecycling im Schwimmbad Yerres spart jährlich 9 Mio. Liter Wasser

(27.11.2007) Vor dem Badespaß in jedem Schwimmbad steht das Duschen - und damit ein erheblicher Trinkwasserverbrauch. Das Duschwasser im Schwimmbad der Stadt Yerres bei Paris (siehe Google-Maps) fließt allerdings nicht wie so üblich in die Kanalisation, sondern wird mit deutscher Technik wieder nutzbar gemacht: Die Grauwasser-Recyclinganlage AquaCycle, entwickelt und produziert von Pontos, einem Tochterunternehmen der Hansgrohe AG, bereitet das Duschwasser für eine zweite Nutzung auf. Die Stadt Yerres verwendet das recyclete Wasser für die Straßen- und Fahrzeugreinigung sowie für die Bewässerung der Grünanlagen. Sie spart damit Jahr für Jahr insgesamt mehr als neun Millionen Liter Trink- und Abwasser ein - eine Ersparnis, die sich auch in barer Münze auszahlt.

"Nicht nur aus Kostengründen wird der nachhaltige Umgang mit der Ressource Wasser zunehmend wichtiger. Wasser ist als eine der elementaren Lebensgrundlagen ein kostbares und knappes Gut", betont Otto Schinle, im Vorstand der Hansgrohe AG für das Geschäftsfeld Grauwasserrecycling zuständig. "Umso erfreulicher ist, dass sich die Bauherren des neuen Schwimmbads von Yerres für eine zweifache Nutzung des Wassers entschieden haben und mit dem Grauwasserrecycling einen wichtigen Beitrag leisten, dieses Lebenselement ökologisch wie ökonomisch nachhaltig zu nutzen."

Ökologisch nachhaltiges Bau- und Betriebskonzept

Die Kommunalverwaltung von Yerres ließ das aus dem Jahr 1975 stammende Schwimmbad Anfang 2006 abreißen. Für die zahlreichen Schulgruppen und Vereine und die Besucher aus dem Pariser Ballungsgebiet war die Struktur der mit nur einem Schwimmbecken ausgestatteten Anlage nicht mehr ausreichend.

Von Beginn an hatten sich die Planer ein ökologisch nachhaltiges Bau- und Betriebskonzept auf die Fahnen geschrieben. Abfälle wurden umweltfreundlich getrennt und recyclet. Der Energie- und Wasserhaushalt des Gebäudes wurde nach ökologischen Gesichtspunkten optimiert: Gasheizkessel, Wärmetauscher zum Vorheizen des Wassers für die Schwimmbecken, ein Modul für die gleichzeitige Gaserzeugung sowie Sonnenkollektoren für das Warmwasser in den Sanitäranlagen gehören zu diesem Konzept.

Duschwasserrecycling

Der effiziente, ressourcenschonende Umgang mit Trinkwasser spielte bei den gesamten Planungen eine wichtige Rolle. "Unser vorrangiges Ziel war es, die Betriebskosten des Schwimmbads so gering wie möglich zu halten", erklärt Roger Davito, Technischer Direktor der Kommunalverwaltung von Yerres. "Außerdem sollte sich der Zeitpunkt der Amortisation in einem realistischen Rahmen bewegen." Die ursprünglich favorisierte Idee für eine Regenwasser-Auffanganlage wurde daher bald wieder verworfen, da diese witterungsabhängig arbeitet und die Wasserersparnis daher kaum verlässlich zu berechnen war. Recyceltes Duschwasser steht dagegen immer zur Verfügung. Zudem ließ sich im Projekt in Yerres die Menge des beim Duschen verbrauchten Wassers relativ genau kalkulieren, so dass die Pontos AquaCycle Anlage auf die spezifischen Anforderungen hin ausgelegt werden konnte. So wurde in Yerres mit dem AquaCycle 36.000 die bislang weltweit größte Anlage ihrer Art in Betrieb genommen. Sie bereitet täglich 26.000 Liter Wasser von rund 800 Besuchern aus 53 Duschen für eine zweite Nutzung auf. Für die 24 Aufbereitungs- und Speicherbehälter wurde im Untergeschoss des Bades eigens ein Raum geschaffen.


Das Prinzip ist einfach: Das aus dem Duschbereich abgeleitete Wasser wird zunächst gefiltert und von festen Elementen wie Textilfasern oder Haaren gesäubert. Diese herausgefilterten Elemente werden in die Kanalisation zurückgeführt, wobei der Filter Bestandteil einer automatischen und regelmäßigen Rückspülung ist. Das so behandelte Grauwasser wird nun auf rein biologisch-mechanische Weise aufbereitet. Bakterien zersetzen die unterschiedlichen im Wasser vorhandenen Schmutzpartikel. Die so entstandenen Ablagerungen werden regelmäßig abgesaugt und in den Abwasserablauf zurückgespült. Anschließend wird das Wasser mit ultravioletten Strahlen behandelt und auf diese Weise desinfiziert, so dass es am Ende als hygienisch einwandfreies Klarwasser weiterverwendet werden kann. Seine Qualität entspricht der EU-Richtlinie für Badegewässer (76/160/EWG) - siehe auch Beitrag "Wie sich Grauwasserrecycling in barer Münze auszahlt" vom 30.5.2007.

Das Beckenwasser kann in diesen Prozess übrigens nicht einbezogen werden, weil es zu viel Chlor enthält. Andererseits kann das Duschwasser nicht unbehandelt weiter verwendet werden, weil es nach kurzer Zeit "umkippen" und stinken würde.

26.000 Euro Einsparung im Jahr und geringe Betriebskosten

Aus dem 12 Tanks umfassenden Klarwasserspeicher wird das Wasser an zwei Entnahmestellen abgepumpt und für das Besprengen der Grünflächen, die Straßenreinigung und das Waschen der städtischen Fahrzeuge verwendet.


Da keine chemischen Zusätze benötigt werden, die Bauteile auf eine lange Lebensdauer hin ausgelegt sind und Filter und Membranen nicht ausgewechselt werden müssen, halten sich die Betriebskosten des AquaCycle in engen Grenzen. Mit durchschnittlich 1,2 kW/Stunde pro behandeltem Kubikmeter Wasser ist auch der Stromverbrauch niedrig. Den Kosten gegenüber steht eine Reduktion des Trinkwasserverbauchs und Abwasseraufkommens von jeweils mehr als neun Millionen Liter im Jahr.

Bei den momentanen französischen Wasserpreisen von 4 Euro pro Kubikmeter erwarten die Planer bei Trink- und Abwasserausgaben - abzüglich der Betriebskosten - eine jährliche Einsparung von 26.000 Euro. Tatsächlich erscheint eine Amortisation der insgesamt 150.000 Euro umfassenden Investition in weniger als sechs Jahren realistisch, wobei sich dieser Zeitraum bei weiter steigenden Wasserpreisen entsprechend verkürzt.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

"Neben dem Charakter als Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen zeigt das Projekt in Yerres die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten für die intelligente Nutzung von Wasser durch Grauwasserrecycling", ist Michael Hasenbeck, Leiter des Geschäftsfeldes Pontos, überzeugt. "Weitere Schwimmbäder werden dem Beispiel von Yerres folgen. Da wir die AquaCycle Anlagen bedarfsgerecht zuschneiden können, sind wir flexibel genug, um auch auf Anforderungen anderer öffentlicher Anlagen und Gebäude zu reagieren."

Ähnlich sieht es der Technische Direktor Roger Davito: "Die Schwierigkeiten beim Thema Grauwasserrecycling liegen dabei weder im technischen noch im finanziellen Bereich, sondern haben im weitesten Sinne eher mit kulturellen Vorbehalten zu tun. Man muss die zuständigen Behörden hier oft noch davon überzeugen, dass das Recyceln und Wiederverwerten von Wasser in vielen europäischen Ländern bereits gängige und bewährte Praxis ist."

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