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Architekturpreis Farbe - Struktur - Oberfläche 2008 in Darmstadt verliehen

(20.7.2008) Der zum dritten Mal von Caparol in Zusammenarbeit mit den Architekturfachzeitschriften AIT und Intelligente Architektur ausgelobte Architekturpreis Farbe - Struktur - Oberfläche prämierte vorbildlich umgesetzte Farbkonzepte in der Architektur. 102 nominierte Arbeiten aus dem Bereich der Architektur und Innenarchitektur wurden im Hinblick auf beispielhaften Umgang mit Farbe, Struktur und Oberfläche bewertet.

Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung  in Darmstadt ehrte Dr. Ralf Murjahn (Caparol-Unternehmensleitung) das Stuttgarter Architekturbüro Arno Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir, Marc Oei für das Projekt "Hessisches Staatstheater, Darmstadt". Das Büro erhielt den Hauptpreis und die Murjahn-Medaille. Architekturpreise gingen auch an huggen_berger architekten (Zürich) für das Projekt "Stadthaus Zurlindenstraße" in Zürich und den Wiener Architekten Denis Kosutic für die Interiorgestaltung des "Hair Studio Andreas K" in Wien. Der Preis der drei Gewinnerbüros ist die Teilnahme jeweils eines Bürovertreters an einer Reise nach Peking.


Hessisches Staatstheater in Darmstadt (Foto: Roland Halbe)

Ausgezeichnet wurden auch die Architekten Julia Fügenschuh und Christof Hrdlovics für das Projekt "M-Preis, Feinkostladen in Imst", Graber und Steiger Architekten GmbH für die Werkserweiterung der Fensterfabrik G. Baumgartner AG in Hagendorn (Schweiz), Ushi Tamborriello für das Projekt "Hamam Trafo in Baden" und Lischer Partner Architekten Planer für den Wohnpark Schönegg in Luzern/Littau. Für die vier Büros und Projekte hatte die Jury lobende Erwähnungen ausgesprochen.

Hessisches Staatstheater: Hauptpreis für Lederer+Ragnarsdóttir+Oei


Foto: Roland Halbe (Bild vergrößern)
 

Während der Veranstaltung betonte der Vorsitzende der Bewertungsjury Peter Brückner das hohe Niveau des Wettbewerbs. Dieser soll, so Dr. Ralf Murjahn, als "Quelle der Inspiration" auch künftig einen Beitrag dazu leisten, außergewöhnliche Architektur im Bereich Farbe - Struktur - Oberfläche zu realisieren.

Das Hessische Staatstheater in Darmstadt gehört zweifellos dazu (siehe Bild oben und rechts sowie Google-Maps). Die Arbeit des Büros Lederer+Ragnarsdóttir+Oei "zeigt, was Architektur sein und leisten kann", heißt es in der Begründung der Jury: "Das Werk zeichnet sich durch seine materielle Schlichtheit wie skulpturale Eleganz aus - und es zeigt den vorbildlich subtilen Umgang mit bestehender Bausubstanz. Durch die gestalterische wie konzeptionelle Transformation wird aus einem 'hässlichen Entlein' eine kraftvolle Architektur voller Poesie und Klarheit. Die Zeichenhaftigkeit des neuen Eingangs berührt auf den ersten Moment - man könnte meinen, das Gebäude beginnt einen visuellen Dialog mit dem Betrachter ... leise, fein und doch voller Kraft. Durch die theatrale Inszenierung des Eingangskörpers mit seinen roten Bühnentüren beginnt das Schauspiel schon vor dem Eintritt in das Haus. Der pure Einsatz von wechselseitig kontrastierenden Farben, Strukturen und Oberflächen lässt sinnlich leichte Räume entstehen, die im Bewusstsein des Betrachters weiterleben - gleich dem erlebten Theater im Inneren des Gebäudes. Lederer+Ragnarsdóttir+Oei gelingt es beispielhaft, einen unverwechselbaren Ort mit zeichenhaftem Charakter zu schaffen", dessen Geist weit über den Ort hinaus reicht.

Stadthaus und "hochintelligente Raumstudie"


Foto: Beat Bühler (Bild vergrößern)

Für das Stadthaus Zurlindenstraße in Zürich (siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps) zeichnete die Jury huggen_berger architekten (Zürich) mit dem Architekturpreis Farbe - Struktur - Oberfläche aus, "da die Arbeit sich extrem sensibel in den städtebaulichen Kontext einfügt. Der Baukörper nimmt in hohem Maße die Bezüge zur Nachbarbebauung auf. Mit großer Sorgfalt wurde die Fassade gestaltet, die Keramikplatten wurden eigens für dieses Projekt produziert und lassen den Baukörper wie in einem rohseidenen Anzug erscheinen. Die glasierte Oberfläche und die Struktur der Platten fängt die Licht- und Wetterstimmungen auf. Das Gebäude verändert sich je nach Blickwinkel und mit den Tages- und Jahreszeiten. Die hohe Wertigkeit der Fassadengestaltung spiegelt sich auch in der Grundrissorganisation wider. Großzügiges Wohnen findet vor allem im Neubaubereich statt, während der Altbau durch einige Stufen in der Höhe versetzt den Schlafräumen vorbehalten ist und sich zum ruhigen Hof hin orientiert. Alles in allem verspricht das Gebäude eine grundsätzliche Bereicherung, sowohl für den Stadtgrundriss als auch für die Stadtentwicklung und letztlich für jeden einzelnen Bewohner."

Als "eine hochintelligente Raumstudie, welche eigentlich ein Spiegelkabinett, ein kleiner Festsaal geworden ist" bezeichnete die Jury die Arbeit von Denis Kosutic, der für die Interiorgestaltung des "Hair Studio Andreas K" in Wien mit dem Caparol-Architekturpreis ausgezeichnet wurde:


Hair Studio Andreas K (Foto: Lea Titz)

Die Veränderung eines Raumes mit nur wenigen Mitteln und insbesondere die Vervielfältigung des Raumes durch unterschiedliche Spiegel zeuge davon, "dass hier ein großer Geist trotz kleiner Aufgabe wirkte". Die Jury fühlte sich auch an die Architekturgeschichte Adolf Loos erinnert und würdigte insbesondere die Vielschichtigkeit, mit der die Arbeit ausgeführt wurde. Spiel und Experimentieren mit verschiedenen Materialien in einer Farbe, mit Glitzereffekten und der "Dreidimensionalität" der Oberflächen beeindrucken. Dreidimensionale, an den Wänden und an der Decke verteilte Spiegelpaneele mit eingebauten Lichtquellen verleihen dem Raum unzählige und überraschende neue Dimensionen und Perspektiven und verändern die echten Raumproportionen. Das Konzept beschreibt Silber als raumbildenden Farbton. Einfarbigkeit verleiht dem Raum einen starken und unverwechselbaren Charakter und eine fast surrealistische Wirkung. Durch Spiegelung der Fremden (Gegenstände und Personen) entstehen die Farben im Raum, die sich in der Spiegelperspektive in unzählige multiplizieren, bewegen und immer stundenweise verändern.

Lobende Erwähnungen

Die österreichische Ladenkette M-Preis setzt seit Jahren höchst positive Maßstäbe mit ihren architektonisch herausragenden Neubauten. Die Architekten Julia Fügenschuh und Christof Hrdlovics (Zirl) realisierten mit dem M-Preis Feinkostladen in der Innenstadt von Imst nun einen weiteren, herausragenden Ladentypus:


M-Preis_Feinkostladen (Foto: Günter R. Wett)

"Das dominierende Gestaltungselement ist die messingfarbene Decke. Sie gibt dem Laden und den Waren eine Wertigkeit, die meilenweit weg ist von der 'Geiz ist Geil'-Mentalität. Und zugleich ist diese goldene Decke durch die Schaufenster auch im Straßenraum weithin sichtbar. Schreiende und ewig gleiche Leuchtreklamen an Innenstadtfassaden sind überflüssig. Ein sehr einfacher und höchst effektiver gestalterischer Kunstgriff genügt und M-Preis beweist: Es ist auch für Lebensmittel-Filialisten möglich, in Innenstädten erfolgreich und zugleich gestalterisch sensibel einen Laden zu betreiben." Diese gesellschaftlich wertvolle Leistung würdigte die Jury mit einer lobenden Erwähnung.


Foto: Dominique Marc Wehrli (das ganze Bild)

Die Werkserweiterung der Fensterfabrik Baumgartner in Hagendorn der Architekten Graber und Steiger (Luzern) erhielt ebenfalls eine lobende Erwähnung. Das Gebäude befindet sich an der Schnittstelle zwischen Siedlungsgebiet und Landschaftsraum. Dieser sehr sensiblen Peripherie der Stadt begegnen die Architekten mit einer halbtransparenten "Membran", gefügt aus Holz- und Metallelementen. "Diese vorhangartige durchgrünte Wand spielt faszinierend mit Licht, Schatten, Material und Raum", heißt es in der Jurybegründung: "Es entwickelt sich ein spannender Übergang zur Landschaft. Zwischen Hülle und Gebäude entsteht unter dem weit auskragenden Dach, fast selbstverständlich die geschützte Zone für An- und Ablieferung. Die Architekten antworten auf die Aufgabe und den Ort in einer Qualität, welche leider nur sehr selten in diesen sensiblen Randbereichen der Städte erreicht wird. Die natürlich belassenen Materialien treten in einen spannenden Dialog mit nicht verwitterbaren Oberflächen. Naturbelassenes Kupfer und unbehandeltes Holz sind der Patinierung unterworfen; die lackierten Stahlträger und die Kunststoff-Fassadenplatten leben von ihrer artifiziellen Ausstrahlung. Farbe, Struktur und Oberfläche werden bei dieser Arbeit in einen subtilen Zusammenhang zu Architektur, Landschaft und den Jahreszeiten gesetzt. Transparenz, Transluzenz in Verbindung mit der sanften Reflexion der Fassaden geben dem Gebäudeensemble eine fast geheimnisvolle Ausstrahlung."

Wohnpark sowie Orientalisches Bad in Industriehalle

Eine lobende Erwähnung bekamen auch Lischer Partner Architekten Planer (Luzern) gemeinsam mit Truecolour (Luzern), die sich mit ihrem Wohnpark Schönegg des vorstädtischen Wildwuchses annahmen. Auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei wurden vier Wohnhäuser in subtil nuancierten Grün- und Violett-Tönen mit einer tarnenden Farbigkeit überzogen, welche die Gebäude mit geringem Aufwand verorten. Besondere Würdigung erfuhr auch die Farbgestaltung der öffentlichen Räume der Gebäude:


Wohnpark Schönegg (Foto: Andri Stadler)

"Eine gute Farbgestaltung erkennt man nicht an ungewohnten oder satten Buntwerten. Es ist vielmehr das Zusammenspiel von Materialien, Texturen, Farbtönen und Kontext, was ein gelungenes Farbkonzept ausmacht. Und dies wiederum ist nur möglich, wenn Bauherren, Architekten, Farbgestalter und Maler gut zusammenarbeiten. Nur dank dieser kommunikativen Sorgfalt bekommt diese Siedlung etwas Bezeichnendes", heißt es im Konzeptleitfaden der Architekten.

Für die Realisierung eines außergewöhnlichen orientalischen Bades in einem denkmalgeschützten Trafo-Gebäude erhielt das Planungsteam um Ushi Tamborriello (München) eine lobende Erwähnung. Die Welt draußen lassen, sich dem Innen zuwenden, das ist das große, schöne Versprechen, welches das Hamam im Schweizer Baden einlösen will:


Hamam Baden (Foto: Jochen Splett)

"Auf seiner Reise wird der Gast begleitet von Farben und Oberflächen, in denen sich die Dunkelheit scheinbar in mehreren Schichten abgelagert hat, die in einem sanften Licht eine Qualität von Tiefe, Schlichtheit und Ruhe annehmen: an den Wänden eine mystisch erdige Oberfläche in verschiedenen Grau- und Grüntönen, die deutlich die Spuren ihrer Verarbeitung zeigt und sich in ihrer Farbgebung auf die stählernen Tragstrukturen der denkmalgeschützten Industriehalle bezieht. Raumhohe Glaswände, die Durchblicke und Einblicke steuern und den Raum in grünes Licht tauchen, Decken, Becken und Leuchten, die silberne Glanzlichter setzen, dunkles Holz in wertigen Strukturen, das eine behagliche Wärme schafft", kennzeichnen das Konzept: "Das klassische Vorbild des Hamams wurde bewusst immer wieder gebrochen und am industriellen Umfeld und der Moderne reflektiert. Geblieben sind mystische Räume, die um dasselbe Thema kreisen: Das Zelebrieren eines Baderituals, das Körper und Seele reinigt."

Ausstellung auf der Darmstädter Mathildenhöhe

Die Siegerprojekte des Caparol-Architekturpreises 2008 und alle 102 nominierten Arbeiten sind bis 21. September auf der Darmstädter Mathildenhöhe (Museum Künstlerkolonie) zu sehen. Zur Ausstellung erschien eine reich illustrierte Publikation mit sämtlichen nominierten Projekten (25 Euro an der Museumskasse).

siehe auch für weitere Informationen:

  • Caparol (Deutsche Amphibolin-Werke von Robert Murjahn Stiftung & Co KG)

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