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Schief, krumm und ausgezeichnet: Ausbau des Strahlentherapiezentrums

(31.7.2008) Ein neues Hochenergietherapiezentrum zur Behandlung von Krebs- und Tumorpatienten ergänzt seit 2006 die Kreisklinik in Altötting. Oberstes Gebot bei der Planung war es, den Patienten helle und großzügige Aufenthaltsbereiche anzubieten. Mit einer lebendigen Architektur und einer gelungenen Ausführung gelang es, dieses Vorhaben erfolgreich umzusetzen. Freistehende Wandkonstruktionen in unterschiedlichen Formen, Geometrien und Abwicklungen prägen das Innere des Therapiezentrums.


Die in dieser Form nur mit Trockenbaukonstruktionen realisierbaren Arbeiten verlangten von dem Fachunternehmen, der Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH aus Töging, eine detailgenaue Werkstattplanung und eine Verarbeitung auf höchstem handwerklichen Niveau. Die geschaffenen fließenden Strukturen und die zahlreichen Sonderlösungen machten aus Sicht der Fachjury dieses Objekt unter den insgesamt 164 Teilnehmern zum Sieger der Rigips-Trophy 2007/2008.

Schon beim ersten Beratungsgespräch mit dem Architekten Albert Koeberl war Johannes Demmelhuber klar, dass es sich um ein außergewöhnliches Projekt handelt. "Als wir das Architekturmodell sahen (Bild oben), wussten wir, dass es ein Ausbauobjekt mit höchsten Anforderungen sowohl an die konstruktiven Möglichkeiten des trockenen Innenausbaus als auch an die handwerkliche Verarbeitung und vor allem die Oberflächentechnik sein würde", so der Geschäftsführer der Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH. Wie erfolgreich die gestellten Aufgaben gelöst wurden, wollte das Unternehmen auch von der Jury der Rigips Trophy 2007 wissen, deren Urteil einstimmig ausfiel: Trotz starker Konkurrenz des bislang größten Teilnehmerfeldes in der zwölfjährigen Geschichte der Rigips Trophy konnte sich das Objekt durchsetzen und wurde mit dem ersten Platz in der Kategorie Trockenbau ausgezeichnet. "Dieses Objekt demonstriert eindrucksvoll das Leistungsspektrum des Trockenbaus", so die Meinung der Fachjury.

Die Planung

Alle Aufgaben der Werkplanung und der konstruktiv statischen Nachweise sowie die Auswahl der Materialien und Trockenbausysteme, die Koordination mit den anderen Ausbaugewerken lagen in der Verantwortung des Architekten in Zusammenarbeit mit der Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH. Zusätzlich musste die Integration der Medizintechnik und der strahlenschutztechnischen Geräte in die Trockenbaukonstruktionen berücksichtigt werden.

Die gekippten, geneigten und gewölbten, in unterschiedlichen Stärken zur Decke hin spitz zulaufenden Wände wurden vom Architekten Albert Koeberl aus Passau in einem Raummodell dargestellt. Alle Wandkonstruktionen waren freistehend und ohne Befestigungs- oder Bezugspunkte geplant worden. Der Wunsch war es, die Formen des Modells mit allen Wölbungen, Rundungen und Proportionen detailgetreu in das Bauprojekt zu übertragen.

Auf der Grundlage der vom Architekten Albert Koeberl aus Passau vorgelegten Maßskizzen begannen die Fachingenieure der Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH damit, das vorhandene Raummodell in hunderte einzelne Maßpunkte und eine Vielzahl von Schnittebenen einzuteilen. Die Maßpunkte wurden in eine computergesteuerte 3D-Planung übertragen. Diese 3D-Planung diente den Experten als Grundlage für die Werkstattzeichnungen und die gesamte Arbeitsvorbereitung. Auf Basis dieser Planung erstellte Baierl & Demmelhuber für jede einzelne Schnittebene Holzschablonen in der hauseigenen Meisterwerkstatt.

Die Unterkonstruktion

Nachdem alle Schablonen im Originalmaß hergestellt waren, übertrug ein externes Vermessungsbüro vor Ort auf der Baustelle die entsprechenden Maßpunkte aus der 3D-Planung in das Objekt. Auf Grundlage der einzelnen Vermessungspunkte wurde zunächst ein Maßkettenraster auf den Rohboden aufgebracht. In diesem Raster wurden dann einzelne Befestigungsfixpunkte festgelegt, auf die später Stahlstützen mit Schwerlastankern auf statisch bemessenen Grundplatten montiert wurden. Die Stahlstützen bilden das tragende Rahmengerüst der freistehenden Wände und Raumelemente. Danach begann das Team von Baierl & Demmelhuber damit, das Maßkettenraster in Einzelelemente aufzuteilen, so dass jedes Element der Größe einer einzelnen Schablone entsprach.


Mit Hilfe der Schablonen konnte dann die Unterkonstruktion, bestehend aus Metallprofilen UW und CW 50/50/0,6 mm, Stahlwinkelprofilen, Traglattenfächern und Holzelementen, erstellt werden. "Besonders schwierig dabei war die Einrichtung der Schablonen in den verschiedenen Schnittebenen, weil die Wandscheiben nicht nur eindimensional gekrümmt waren, sondern in mehrdimensionalen Rundungen und Krümmungsradien erstellt werden mussten", erinnert sich Johannes Demmelhuber.

Die Beplankung

Die Bereiche ohne oder mit niedrigen Krümmungsradien wurden mit einer doppelten Beplankung mit "Rigips Bauplatten RB" 12,5 mm versehen. Die Wände und Elemente mit starken Krümmungen und geneigten Flächen erhielten eine vierlagige Konstruktion, bestehend aus den Spezialgipsplatten "Riflex" von Rigips. Mit den "Riflex"-Platten von Rigips können Biegeradien mit einem Krümmungsradius von bis zu 600 mm erreicht werden. Dabei bietet die 6 mm dicke Spezialgipsplatte zugleich eine besonders glatte Oberfläche. Vor der Montage werden "Riflex"-Platten behutsam gedehnt. Auf diese Weise werden die eingelegten Glasvliese geschmeidig und die 1,20 x 2,40 m große Platte biegsam.


Für besonders enge Neigungsradien verarbeiteten die Trockenbauprofis einzelne vorgefertigte Formteile. Diese aus "Rigips Bauplatten RB" erstellten Formteile wurden in den Werkstätten von Baierl & Demmelhuber mit einer speziellen Walztechnik und einem Feuchte-Trocknungsverfahren vorbehandelt und auf einzelne Schablonen vormontiert. Als zusätzliche Montagehilfe wurden einzelne Bauplatten keilförmig zugeschnitten. Die Höhen der mit Rigips-Systemen beplankten Wandkonstruktionen variierten dabei von 2,80 bis 3,00 m.

Bei sämtlichen Trockenbaukonstruktionen war darauf zu achten, dass die Medien-, Kommunikations- und Datentechnik der einzelnen Funktionsabschnitte im Strahlentherapiezentrum in die Unterkonstruktionen der Wandscheiben integriert wurde. Hierfür war eine enge Abstimmung des Montageablaufs mit den haustechnischen Gewerken notwendig. Auch die Integration der Unterkonstruktion einiger Ganzglastürelemente stellte hohe Ansprüche an die Monteure.

Die je nach Wandhöhe zwischen 2,80 und 3,00 m hohen Glastüren sollten an die Raumgeometrie der geneigten Wandkonstruktionen angepasst werden. Damit wurde die gesamte Konstruktion auf die Ganzglastürelemente abgestimmt. Die vorgefertigte Unterkonstruktion besteht aus einem Stahl-Hohlprofil RSt 37 in 50/50/4 mm in geneigter, dem Verlauf der Wandscheiben angepasster Form und Dimension. Die Befestigungspunkte wurden bereits in der Unterkonstruktion festgelegt und vormontiert, die Montage erfolgte auf den Grundplatten. Die Beplankung aller sichtbaren Flächen erfolgte auch hier mit "Rigips Bauplatten RB" und "Riflex"-Platten.

Perfektes Oberflächenfinish

Aufgrund der besonders hohen Anforderungen - einer streiflichtfreien Oberfläche im Qualitätsstandard Q 4 mit Lackbeschichtung - erforderte die Verspachtelung ein Höchstmaß an handwerklichem Geschick und hochwertige Produkte. Dabei wurden einige Bereiche in Maschinentechnik verarbeitet, andere in zeitaufwändiger Handarbeit. Je nach Beplankungsbereich wurden bis zu sieben Spachtelgänge ausgeführt, um die perfekte Oberfläche herzustellen.

Die Grundverspachtelung erfolgte mit "Rigips Vario Fugenspachtel". Darauf folgte eine mehrfach ausgeführte, vollflächige Verspachtelung mit "Rigips ProMix Plus". Um eine vollkommene Rissfreiheit zu gewährleisten und die Oberfläche noch einmal hochwertiger zu gestalten, wurde zwischen den einzelnen Spachtelgängen vollflächig ein Spachtelgewebe eingebracht. Zusätzlich erhielten die Oberflächen zwischen den einzelnen Spachtelgängen einen Zwischenschliff mit Schleifpapier K100-K200. Während der einzelnen Spachtelphasen wurden die Oberflächen unter verschiedenen Lichtverhältnissen, insbesondere zu unterschiedlichen Tageszeiten, immer wieder überprüft. Nach Fertigstellung einer perfekt glatten und streiflichtfreien Oberfläche erfolgte die Lackierung des Empfangsbereiches in einem leuchtend gelben Farbton.

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