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forsa/VDS: Wasser verdient "höchste Priorität"

(13.8.2008) Die Fakten sind dramatisch:

  • seit 1950 hat sich der Wasserverbrauch weltweit versechsfacht;
  • derzeit müssen in den Entwicklungsländern 1,2 Milliarden Menschen auf einen Zugang zu sauberem Trinkwasser verzichten;
  • 2,6 Milliarden fehlt es an sanitären Einrichtungen.

Experten befürchten daher, dass der Kampf ums Wasser den ums Öl künftig noch in den Schatten stellt. Der Grund: Zu Öl gibt es Alternativen, zu Wasser nicht. Eindringlicher lässt sich nach Auffassung der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) die Notwendigkeit kaum unterstreichen, den ebenso schonenden wie überlegten Umgang mit dem elementaren Lebensmittel als "höchste Priorität" einzustufen. Eine aktuelle forsa-Studie macht wichtige Erkenntnisse und (erstaunliche) Defizite aktenkundig.


Der Umgang mit Wasser - u.a. aktuell das Thema der EXPO 2008 in Zaragoza. Siehe auch Beitrag "Wasser auf der Expo: von der Wiege bis zur" vom 16.6.2008.

Gerade Industriestaaten wie Deutschland seien in der Verantwortung, zumal auch hier z.B. marode Leitungssysteme für wachsende Probleme sorgten. Internationale Initiativen bestätigen den "globalen Handlungsbedarf", erklärt Jens J. Wischmann. Der Geschäftsführer des Dachverbandes der Sanitärbranche weist exemplarisch darauf hin, dass die Vereinten Nationen 2008 zum "Year of Sanitation" ausgerufen haben. Dabei gehe es u.a. darum, die gesundheitlich und hygienisch einwandfreie Qualität von Trinkwasserinstallationen in das öffentliche Blickfeld zu rücken. Außerdem sei der 22. März eines jeden Jahres ebenfalls von den UN bereits 1992 zum weltweiten "Tag des Wassers" deklariert worden. Er soll das Bewusstsein der Menschen für die unverzichtbare Ressource auf allen Kontinenten schärfen. Diese Rahmenbedingungen lieferten der VDS, wie es heißt, den Anstoß, das forsa-Institut mit einer umfassenden, für gut 61 Mio. Bundesbürger ab 18 Jahre repräsentativen Umfrage zur Wasserthematik zu beauftragen.

Appell und Ernüchterung

Den Resultaten zufolge steht für die Deutschen fest, dass es vorrangig eine Aufgabe der ganzen internationalen Staatengemeinschaft ist, auch der Bevölkerung in Entwicklungsländern zu sauberem Trinkwasser zu verhelfen. 70% der Bundesbürger wollen das nämlich durch globale Anstrengungen gewährleistet wissen. Während 14% primär die betroffenen Länder selbst im Obligo sehen, erwarten das 15% eher von den Industriestaaten wie Deutschland. Letzteres tun Jüngere im Übrigen weit mehr als Ältere.

Ebenfalls sieben von zehn Deutschen glauben, dass der internationale "Tag des Wassers" sein Hauptziel verfehlt. Nur 23% der Verbraucher trauen ihm zu, die Menschen intensiver für die zentrale Trinkwasser-Bedeutung zu sensibilisieren. Dabei steigt die Skepsis mit besserem Bildungsgrad, recherchierten die Berliner Sozialforscher. Während 61% der Befragten mit Hauptschulabschluss den Effekt des "Wassertages" bezweifeln, klettert die Quote bei Personen mit Abitur bzw. Studium auf 82%. Die VDS hält das "insgesamt ernüchternde Bild" u.a. für eine klare Aufforderung an Politik, Regierungen, Verbände, Unternehmen, Wissenschaft und Medien, die entsprechende Bürgeraufklärung zu verstärken. Die dafür besonders qualifizierte SHK-Branche solle dabei "in der ersten Reihe stehen".

Trinkwasserverbrauch in Deutschland

Grafik aus dem Beitrag "Ostdeutsche sind Wassersparmeister" vom 14.8.2007

Illusion und Realität

Ein ähnliches Fazit zieht Wischmann bei den Antworten auf die Frage, wie hoch die Deutschen ihren eigenen Wasserverbrauch pro Kopf und Tag einschätzen. Gerade einmal 7% geben der Studie zufolge mit "bis 125 Liter" den korrekten Wert an. Die überwiegende Mehrheit von zusammen 71% stuft sich als viel sparsamer ein - und liegt damit weit daneben. Das trifft besonders auf die 22% bzw. 25% der Bundesbürger zu, die einen maximalen Konsum von 30 bzw. 60 Litern vermuten. Das andere Extrem: Immerhin noch 2% setzen sich selbst mit ihrem Votum "bis 500 Liter" akutem Verschwendungsverdacht aus.

Beim Hauptverwendungszweck von Wasser machen die Deutschen im Vergleich mit der Realität aber eine gute Figur, stimmt doch das von ihnen aufgestellte Ranking tendenziell genau mit der tatsächlichen Situation überein:

  • 61% (West: 59%, Ost: 70%) identifizieren mit "Baden, Duschen und Körperpflege" korrekt den Bereich, der in den Haushalten für den größten Wasserverbrauch sorgt.
  • Dahinter rangieren - wie im "richtigen Leben" - die Toilettenspülung (19%),
  • Wäschewaschen / Geschirrspülen (18%) sowie
  • Essen und Trinken (2%).

Die "gefühlten" Abstände zwischen Platz 1 und 2 sind jedoch, erläutert der VDS-Sprecher, ausgeprägter als in der wirklichen Praxis.

Minderheit und Risiko

Als "bedenklich" bezeichnet Wischmann die Ergebnisse des nächsten Untersuchungsblocks. Danach hat bisher nur jeder fünfte Bundesbürger die Trinkwasserqualität schon einmal kontrollieren lassen. Dabei war die ostdeutsche Bevölkerung (31%) erheblich aktiver als die im Westen der Republik (19%). Gleiches gelte erwartungsgemäß für Haus- und Wohnungseigentümer im Unterschied zu Mietern. Bei durchgeführten Prüfungen hakten die Interviewer nach und notierten in vier von fünf Fällen: Trinkwasserqualität in Ordnung. 17% räumten dagegen registrierte Mängel ein.

Noch schlimmer sei aber, dass insgesamt 72% auch künftig keine Qualitätskontrolle des wichtigsten Lebensmittels planten. Das schließe ein möglicherweise "großes Risiko" z.B. unter gesundheitlichen und hygienischen Aspekten ein. Regelmäßige Checks wasserrelevanter Installationssysteme durch geschulte Fachhandwerker sind daher nötiger denn je und stellen deshalb ein zu forcierendes Kompetenz- und Geschäftsfeld für Profis dar, betont die Branchen-Dachorganisation.

Anhaltspunkte und Verantwortung

Von Bedeutung sei nicht zuletzt das jeweilige Rohrmaterial. Mit Blick auf den speziellen Kenntnisstand der Bevölkerung signalisiere die Erhebung eine "hohe Dunkelziffer". So müssten 42% bei der konkreten "Materialfrage" komplett passen. Während dieser Mittelwert bei Ein- und Zweifamilienhausbesitzern mit 27% bzw. 29% erheblich unterschritten werde, liege er etwa bei Mietern mit 55% ebenso kräftig darüber. Ansonsten sind die Leitungen, durch die das kostbare Nass fließt, in den Privathaushalten den Angaben zufolge zu 31% aus Kupfer, zu 14% aus Kunst- bzw. Verbundwerkstoffen, zu 9% aus Edelstahl/verzinktem Stahl sowie nach wie vor zu 2% aus Blei. Im Trend korrespondierten die forsa-Quoten mit Fachstatistiken.

Das Resümee des VDS-Geschäftsführers: "Die Sanitärwirtschaft bringt ihre nationale und globale Wasserverantwortung nicht nur durch ihre weltweit anerkannte technologische Kompetenz, sondern auch durch ihre jüngste Marktforschungs-Initiative zum Ausdruck." Sie schaffe für alle Beteiligten eine nützliche Informations- und Aktivitätenbasis.

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