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Elevated City: Straßen statt Dächer in der Stadt der Zukunft

(31.8.2008) Der ständig wachsende Verkehr in den Großstädten der Welt führt nicht nur zu immer längeren Staus, sondern auch zu entsprechend hoher Schadstoffbelastung. Die meisten Stadtplaner versuchen, das Problem durch LKW-Fahrverbote, Umweltplaketten oder die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs einzudämmen.


Ein völlig anderes Konzept verfolgt demgegenüber die internationale Assoziation StrassenHaus um den Brandenburger Dr. Roland Lipp, das davon ausgeht, dass ein Bedürfnis nach Individualverkehr existiert, das befriedigt werden muss: In der El(evated)City sollen die Straßen anstelle von Dächern kreuzungsfrei über den Häusern verlaufen. 3 Meter hohe Schallschutzwände, das Absaugen der Abgase am Straßenrand und die schwimmende Verlegung der Fahrbahn sollen Lärm- und Schadstoffbelastung für die Häuser darunter verhindern. In die Häuserzeilen integriert sollen auch Parkplätze sein, so dass ebenerdig viel Platz für Grünanlagen und Spielplätze frei wird. Unterhalb der oberen Fahrbahnebene ist eine Technik-Ebene für Versorgungsleitungen vorgesehen. Der Gütertransport soll in ElCity LKW-frei z.B. per Railcab (Uni Paderborn) bzw. CargoCap-Netz mit unbemannten Transportkapseln für die Ver- und Entsorgung ( Uni Bochum) erfolgen.

Laut Dr. Lipp sei mit 40% weniger CO₂-Ausstoß zu rechnen und die Kosten seien niedriger als bei aufwändigen Tunnelprojekten. Die Finanzierung könne weitgehend über PPP-Verträge erfolgen, Kaufinteressenten für einzelne Straßenabschnitte samt der Häuser darunter gäbe es bereits. Lediglich einzelne Bereiche wie Parkhäuser oder Überleitungen/Unterführungen müssten ggf. öffentlich finanziert werden.

Konkrete Verhandlungen zur Realisierung des Projektes gibt es mit der Stadt Moskau, mit der bis Ende September die Vertragsunterzeichnung zur Errichtung einer zehn Kilometer langen Teststrecke vereinbart ist.

Außerdem will die Assoziation StrassenHaus ein ElCity-Konzept für das Gelände des Flughafens Berlin-Tempelhof vorlegen, das außer Grünanlagen, Wasserlandschaften, Wanderwegen und Spielplätzen auch ein Kulturzentrum und ein umfassendes multimediales Angebot vorsieht und das neue Viertel auch durch ökologisches Bauen zu einer Ökostadt machen will.


Dr. Lipp zeigt sich überzeugt, dass das weltweit in der Entwicklung moderner Umwelt- und Energietechnologien führende Deutschland von der Errichtung eines solch modernen integrierten Gebäude- und Infrastrukturkomplexes stark profitieren würde und "das Großlabor" Tempelhof Schaufenster und Werbefläche für deutsche und europäische Technologien würde.

Gegenthese von Norman Foster in der ZEIT

Norman Foster, einer der erfolgreichsten und bekanntesten Architekten der Welt, hat in der ZEIT Nr. 35 vom 21.8. eine einschneidende Veränderung unserer Städte vorausgesagt. (Wir hatten im Bauletter vom 21.8. schon darauf hingewiesen.) Das Ende des Öl-Zeitalters werde laut Foster die Menschen dazu zwingen, neue, energieschonende Lebensweisen zu entwickeln. Die autogerechte Stadt habe sich überlebt. In einem Gespräch mit der ZEIT sagte Foster: "Das Auto hat unsere Städte komplett verändert, plötzlich konnte man weit draußen wohnen, und die Landschaft wurde zersiedelt. Aber das Auto wird an Bedeutung verlieren, wir müssen wegkommen vom Öl, wegkommen von Transportmitteln, die dem Klima schaden. Und das heißt in der Konsequenz: Unsere Städte werden sich wiederum verändern. Wir erleben gerade einen Epochenwechsel." In Zukunft komme alles darauf an, Alternativen zum Auto anzubieten. "Nur so können wir unser Ziel erreichen: eine Stadt, die ihren eigenen Strom, ihr eigenes Wasser produziert und ohne fossile Brennstoffe auskommt." Bislang allerdings verlaufe die Umstellung im Westen viel zu langsam; das Denken in Europa und den USA sei "furchtbar lahm."

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