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Hans-Otto-Theater in Potsdam - einem Kubus wachsen dichte Flügel

(12.11.2008) Ausgerechnet in Potsdam! Die Brandenburgische Hauptstadt musste lange auf ein neues Theater warten, nachdem die alte Bühne in den letzten Kriegstagen im April 1945 zerbombt wurde. Seitdem „vagabundierten“ die Schauspieler von einem Notquartier zum nächsten, bis der DDR-Ministerrat 1985 einen Neubau beschloss. Bereits zur Hälfte fertiggestellt, wurde dieser nach der Wende ein Opfer der Abrissbirne, weil er so gar nicht ins städtebauliche Konzept für den Alten Markt passte. Was folgte, war wieder ein Notquartier für die Schauspieler, diesmal mitten im Zentrum. Im März 2003 begannen aber dann endlich die Arbeiten am Neubau und seit September 2006 wird das Theater an der Schiffbauergasse (siehe auch Bing-Maps und/oder Google-Maps) regulär bespielt:

Das Hans-Otto-Theater in Potsdam steht nicht dort, wo man ein Theater erwartet, nicht im Zentrum, nicht im Park, sondern abgelegen auf einer Halbinsel mit Blick auf den Tiefen See. Mit den drei markanten, in kräftigem leuchtenden Rot gehaltenen Schalen, die Zuschauerraum und Foyer überdachen, setzte der Architekt Professor Gottfried Böhm ein weithin sichtbares Zeichen moderner Baukunst.

Rund ein Drittel des Theaters wird von den filigranen, halbkreisförmig übereinander angeordneten Schalen überdacht: Die untere Schale wölbt sich über das Foyer, während die beiden oberen Betonschalen über dem Theatersaal angeordnet sind. Abgeschirmt zur Stadtseite durch einen schlichten, kubischen Verwaltungstrakt, öffnet sich das Gebäude durch die ausladende Dachkonstruktion zum Wasser hin, als wenn einem strengen "Kubus" Flügel wachsen würden. Die sich abwechselnden konvexen und konkaven Dachränder der übereinander angeordneten Schalen finden ihre Fortsetzung in den abgestuften Terrassen vor dem Baukörper.

Die Herstellung der Schalung und die Entwicklung der Betonrezeptur für die Dächer und auch die Betonarbeiten selbst stellten eine besondere Herausforderung an Planung und Ausführung dar. Gefragt waren individuelle Lösungen, da die Dächer über Neigungen bis zu 45° verfügen. Anspruchsvoll waren auch die Konzeption und die Ausführung der Dachabdichtung auf diesen stark geneigten Flächen. Probeflächen im Maßstab 1:1 wurden hergestellt, um bei der Auswahl von geeigneten Materialien nichts dem Zufall zu überlassen.

Eine Vorgabe des Architekten war, dass die Farbgestaltung der drei Schalen (600, 700 und 1000 Quadratmeter groß) mit der Fassade des bereits fertiggestellten (kubischen) Verwaltungstraktes korrespondiert. Es bedurfte einiger Versuche, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Ein moderner Baustoff als Lösung

Die Funktionsschichten der Dachabdichtung - Dampfsperre, Mineralfaserdämmung (oberseitig bituminiert) wurden geklebt bzw. mechanisch befestigt. Auf der Dämmung wurde eine bituminöse "Trägerbahn" für die Abdichtung Triflex ProTect angeordnet, einem Flüssigkunststoff auf Basis von Polymethylmethacrylat (PMMA), der sich seit Jahrzehnten bewährt hat.


Die Flüssigabdichtung ist werkseitig so eingestellt, dass ein Abgleiten von nahezu senkrechten Flächen verhindert wird. (Bild vergrößern)

Das Abdichtungssystem, in das eine Vliesarmierung eingebettet wird, hat die europäische technische Zulassung (ETA) in der höchst möglichen Kategorie und erfüllt die Anforderungen der europäischen Bauproduktenrichtlinie (CE-Kennzeichnung) sowie des deutschen Bauproduktengesetzes und ist über die Bauregelliste sowie Teil II der Liste der Baubestimmungen bauaufsichtlich eingeführt.

Dem Gestaltungswunsch des Architekten wurde mit einem leuchtend roten Finish aus dem Hause Triflex ebenfalls entsprochen, das abschließend auf die Abdichtung aufgetragen wurde.

Quod erat demonstrandum

Flüssigkunststoffe sind von ihren Materialeigenschaften her so konzipiert, dass sie ein hohes Maß an Flexibilität bei gleichzeitig hohen Festigkeiten aufweisen. Das bedeutet Funktionssicherheit auch bei dynamischen Belastungen wie Bauwerksbewegungen, Vibrationen sowie Kontraktionsspannungen durch Temperaturwechselbeanspruchungen. Abdichtungen mit Flüssigkunststoffen können zugleich höchste Ansprüchen hinsichtlich der Geometrie eines Baukörpers erfüllen - wie auch immer die Form eines Bauwerks gestaltet sein mag, die Abdichtung sollte sich mit Flüssigkunststoffen in jedem Fall wirtschaftlich und technisch zuverlässig herstellen lassen.

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