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Potential einer Sanierung hinter historischer Gründerzeit-Fassade


nach der Sanierung (Bild vergrößern)

(23.11.2008) Das Areal rund um den Kölner Volksgarten war schon um 1900 eine beliebte Wohngegend, die auch die Kriegswirren überdauerte. Noch heute gehört dieser Stadtteil mit seinen Gründerzeit- und Jugendstilbauten zu den repräsentativsten Lagen der Rheinstadt, die für Architekten besonders interessant ist. Denn hinter so manch schmucker Fassade liegen wahre Schätze, die noch gehoben werden wollen. Einen davon entdeckte der international tätige Architekt Stefan Schramm, der sich bereits im Studium auf die Umnutzung und Sanierung von Bestandsimmobilien spezialisierte. Bei solchen Bauvorhaben steht die Bewahrung vorhandener Strukturen im Vordergrund. Moderne Raumkonzepte sind mit Altem zu kombinieren, um eine nachhaltige Wertsteigerung zu erzielen - so auch bei dem denkmalgerechten Umbau dieser 220 Quadratmeter großen Dachgeschosswohnung.

Das äußere Erscheinungsbild zeigte eindeutig, dass die glanzvollen Zeiten des bald 100jährigen Hauses schon lange der Vergangenheit angehören (siehe Bild von vor der Sanierung). Von der einst prachtvollen Fassade blätterte die Farbe. Viele der ursprünglichen Stuckelemente waren Witterungseinflüssen zum Opfer gefallen. Auch das Innere erwies sich als dringend sanierungsbedürftig, ganz besonders die leerstehende Dachgeschosswohnung (Bild von der alten "Dachterrasse").

Ursprünglichkeit erhalten

Architekt Stefan Schramm erkannte das Potenzial: "Jedes Haus hat seine Geschichte. Es zeugt von den Lebensumständen und Ansprüchen an das Wohnen. Seinerzeit waren die Grundrisse eher zweckmäßig: Große Verkehrsflächen und einzelne, klar voneinander getrennte Räume, die jeweils eine bestimmte Funktion erfüllten. Heute wird eher offenes, lichtes Wohnen gewünscht, das sich dank Größe, Bausubstanz und Baukörper hier sehr gut umsetzen ließ."

Dazu wurden zunächst einmal der gesamte Dachstuhl abgetragen, Deckenbalken des Bodens freigelegt und zum Teil durch Stahlträger ersetzt, der Fußboden neu aufgebaut, Giebelwände saniert und mit moderner Dämmung versehen. Heute erreicht die Wohnung KfW-60-Standard. Dabei wurden auch die Fenster detailgetreu und denkmalgerecht nachgebaut. Um neue Wohnraumlösungen zu schaffen, sah die Planung vor, den ehemaligen Spitzboden zu integrieren. Als Vorteil für den Neuaufbau des gesamten Fußbodens erwies sich, dass die darunter liegende Wohnung in die Sanierungsarbeiten einbezogen werden konnte. Zeitgleich ließ die Eigentümergemeinschaft das Treppenhaus erneuern und einen Aufzug im Treppenauge einbauen (siehe z.B. auch Beitrag "Neuer Otis-Aufzug GeN2 Flex für die Nachrüstung" vom 29.6.2007 aus einem anderen Projekt).

Die fünf Zimmer sind in einen großzügigen Wohnbereich als zentraler Kern aufgegangen. Der Übergang zur Küche ist fließend. Am Ende schließt sich ein nach beiden Seiten hin verglaster Wintergarten an, dessen verschiebbare Glastüren den Blick auf die über 80 Quadratmeter große Sonnenterrasse öffnen. Zur Straßenseite hin erschließt sich über raumhohe, doppelflügelige Kassettentüren das Büro, links davon befindet sich das Kinderzimmer mit separatem Bad. Eine offene Galerie führt in die zweite Ebene mit Schlaf- und Badezimmer. Große Schiebeelemente sorgen für flexible Raumlösungen.

Als erfahrener Architekt pflegte Stefan Schramm bereits während der Planungen einen Meinungsaustausch mit der Denkmalbehörde. So gelang es, hinter der historischen Fassade eine gelungene Symbiose von Tradition und Moderne zu schaffen, in der jedes Detail stimmig ist. Eichen-Fischgrätparkett, nachgebaute Kassettentüren und Fußleisten verleihen beiden Etagen gründerzeitliches Flair. Während die Innenwände zum größten Teil mit Spachtelputz aufwändig beschichtet wurden, integrierte Schramm im Essbereich die vorhandene Brandwand aus Feldbrandsteinen.

Bei der Wahl der Wärmetechnik wurde auf Erneuerbare Energien gesetzt. "Jeder von uns trägt Verantwortung, natürliche Ressourcen zu wahren", so der Architekt. Aus diesem Grund empfahl er den Einsatz moderner Wärmepumpentechnologie, kombiniert mit kontrollierter Lüftung - in diesem Fall von Tecalor. Der Haustechnikhersteller aus Holzminden hat beide Lösungen in einem Gerät, dem THZ 303, vereint, was den Einsatz im mehrgeschossigen Wohnungsbau möglich macht. Neben ökologischen Aspekten überzeugte die Eigentümer vor allem die Wirtschaftlichkeit. Durch Wärmerückgewinnung aus der Abluft und Wärmeentzug aus der Außenluft machen sie sich auf Dauer weitgehend unabhängig von Entwicklungen am Energiemarkt. Dank der vorausschauenden Planung konnten alle dafür notwendigen Leitungen unsichtbar in Decken und Wände verlegt werden, ohne das Gestaltungskonzept einzuschränken.

Nach zwölf Monaten Bauzeit können die Bewohner heute ein Stück wieder gewonnene Architekturgeschichte ihr Eigen nennen, das alle Ansprüche an komfortables und modernes Wohnen erfüllt.

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