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VBI: Finanzkrise hat Ingenieurunternehmen noch nicht erreicht

  • VBI-Konjunkturumfrage ermittelt positive Grundstimmung bei den Planungsbüros
  • 2009 noch keine gravierenden Einbußen erwartet
  • 44% bewerten die eigene wirtschaftliche Situation als gut bis sehr gut
  • VBI-Unternehmen erzielten 2008 über 3 Mrd. Euro Umsatz

(14.3.2009) "Die Finanzkrise wird voraussichtlich erst gegen Ende 2009 auf die deutschen Planungsbüros durchschlagen, denn die überwiegende Zahl der Ingenieurunternehmen blickt verhalten optimistisch in das laufende Wirtschaftsjahr. Damit kann die deutsche Consultingwirtschaft eine positive Stimmungslage vermelden. Zwar erwarten wir im Wirtschaftsbau im Verlauf dieses Jahres erhebliche Einbußen, andere Bereiche wie die Infrastrukturentwicklung oder die energetische Gebäudebausanierung im öffentlichen Bau werden hingegen für Stabilität in den Planungsbüros sorgen können. Allerdings bleibt abzuwarten, ob die Maßnahmen aus den Konjunkturpaketen der Bundesregierung auch in dem anvisierten Umfang bei den Planern ankommen." Dieses Resümee zog VBI-Hauptgeschäftsführer Dipl.- Ing. Klaus Rollenhagen am 9.3.2009 in Berlin anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse der diesjährigen Konjunkturumfrage des Verbandes Beratender Ingenieure VBI, an der sich knapp 700 Ingenieurunternehmen beteiligten.

Die Konjunktureinschätzung der Planungsbüros im Einzelnen:

  • 7% der befragten Büros schätzen ihre wirtschaftliche Lage als sehr gut und
  • 37% als gut ein.
  • 34% vergeben ein "befriedigend".
  • Ein knappes Viertel der Befragten hat offenbar mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.

Trotz Finanzkrise erwarten ...

  • noch 16% der Unternehmen 2009 Umsatzsteigerungen (Vorjahr: 31%),
  • 51% (Vorjahr: 56%) zumindest stabile Umsätze und
  • 32% einem Umsatzrückgang. Bei diesem Drittel zeigt sich eine deutlich negativere Stimmung und eine Umkehr des Trends der Vorjahre (2008: 11%, 2007: 14%, 2006: 21%, 2005: 45%).

Die grundsätzlich noch positive Stimmung der Büros wundert nicht, sind doch die Auftragsbücher genügend gefüllt. So geben ...

  • 8% einen sehr guten,
  • 35% einen guten und
  • 32% einen befriedigenden Auftragsbestand für 2009 an.

Mehr Personalaufbau als -abbau!

Beim Personal legten die befragten Büros 2008 kräftig zu: Allein 190 VBI-Büros (29%) stellten insgesamt 790 Ingenieure ein.

  • 19% der Befragten erwarten auch 2009 einen weiteren Personalaufbau (Vorjahr 34%);
  • 73% (Vorjahr 60%) gehen von einem konstanten Mitarbeiterstamm aus.
  • Nur 7% planen 2009 Entlassungen, ein Wert der etwa den Vorjahren entspricht (2008: 5%, 2007: 7%).

Bemerkenswert an diesen Zahlen: Trotz der allgemein schlechten Stimmung beabsichtigen die Planungsbüros ihr Personal zu halten und moderat um durchschnittlich zwei Arbeitsplätze pro einstellendem Unternehmen zu erweitern. Allein die antwortenden VBI-Unternehmen werden so 250 Stellen neu schaffen. Die Gesamtbranche wird 2009 also nochmals Personal in bemerkenswertem Umfang aufbauen können. Somit wird das Thema Ingenieurmangel die Branche auch 2009 beschäftigen. Immerhin geben 67% an, dass sie Stellen nicht schnell adäquat besetzen können (Vorjahr 63%). Bereits 11% der Büros beklagen das Abwerben qualifizierten Personals als wettbewerbsverschärfend.

"Die Büros haben akut mit dem Ingenieurmangel zu kämpfen, dieser wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Die Finanzkrise darf nicht zu einem Nachlassen im Werben um den Ingenieurberuf führen. Jetzt und für die Zeit nach der Krise benötigt Deutschland hoch qualifizierte Ingenieure in ausreichender Zahl", so der VBI-Hauptgeschäftsführer.

Umsatz der VBI-Unternehmen: rund 3 Mrd. Euro

Die Bilanz für das Geschäftsjahr 2008 zeigt in der Umfrage gegenüber 2007 ein heterogenes Bild:

  • 49% der Unternehmen steigerten ihre Umsätze (Vorjahr = 44%),
  • bei 19% waren die Umsätze stabil und
  • bei 29% gingen sie zurück (Vorjahr 21%).

Die Umsatzrendite ...

  • verbesserte sich 2008 bei 32% der Unternehmen (Vorjahr 31%),
  • blieb unverändert bei 46% (Vorjahr 38%),
  • ging jedoch bei 20% (Vorjahr 30 %) der Ingenieurbüros weiter zurück.

Nur 12% (Vorjahr 22%) der Büros erwarten 2009 eine Verbesserung der Umsatzrendite. 53% gehen von einer gleich bleibenden und 34% von einem Rückgang der Umsatzrendite aus.

"Für die wirtschaftliche Gesundung der Büros ist eine umgehende Erhöhung der staatlich festgelegten Honorare unerlässlich. Der Berufsstand arbeitet zu Honoraren von 1996 - also seit 13 Jahren ohne Anpassung. Wir fordern das Bundeswirtschaftsministerium auf, die Novellierung der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure endlich abzuschließen", sagte Rollenhagen - siehe auch Beitrag "HOAI auf der Zielgeraden?" vom 7.12.2008.

Bereits ein Drittel der VBI-Büros erzielen Umsätze im Ausland, mehr als die Hälfte davon will dieses Engagement ausbauen. 7% wollen künftig neu ins internationale Geschäft einsteigen. Rollenhagen: "Die Ingenieure und Consultants werden ihre wichtige Türöffnerfunktion für die deutsche Industrie weiter ausbauen, obwohl im Auslandsgeschäft durch die internationale Finanzkrise die größten Einbußen drohen. Die Politik sollte diesen Mut beispielsweise durch angepasste Exportgarantien und erleichterte Bürgschaften für die technischen Dienstleister unterstützen." Die positiven Ergebnisse der VBI-Konjunkturumfrage dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch auf die Beratenden Ingenieure, Planer und technisch-wirtschaftlichen Berater die Folgen der Finanzkrise zukommen werden. Im Verlauf dieses Jahres werden einige Projekte storniert werden und die Pläne vieler baureifer Maßnahmen könnten erst einmal in den Schubläden verschwinden, so Rollenhagen. "Es ist jetzt wichtig, dass die Infrastrukturmaßnahmen aus den Konjunkturpaketen schnell in Gang gesetzt werden. Die weitere Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und Erleichterungen für den Dienstleistungsmittelstand müssen in den Fokus der Politik rücken. Die deutsche Wirtschaft besteht aus einem dicht geknüpften funktionalen Netz, in dem die Ingenieurunternehmen und vielen kleinen Büros eine tragende Bedeutung haben. Dies wird leider oft unterschätzt."

Übrigens: Rund 58.000 mittelständische Ingenieurbüros generieren in Deutschland jährlich ein Umsatzvolumen von etwa 23 Mrd. Euro. Dabei betreuen sie im Inland Bauinvestitionen von rund 253 Mrd. Euro und beschäftigen mehr als 300.000 Menschen. Etwa 60.000 jungen Menschen geben sie durch Ausbildungsplätze, Praktikanten- und Diplomandenstellen eine Perspektive.

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