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Vor- und Nachteile: Massivwand, Trockenbauwand, Systemwand?

  • Fachbeitrag von Dipl.- Ing. (Architektur) Corona Zoller, geschäftsführende Gesellschafterin der feco Innenausbausysteme GmbH

Corona Zoller (Bild vergrößern)
 

(18.8.2009) Die Beschaffenheit der Wände ist ausschlaggebend für die Fähigkeit eines Gebäudes, Veränderungen mit Auswirkungen auf den Raumbedarf wirksam zu unterstützen. Dabei hängt die Flexibilität der Wände sowohl von den verwendeten Materialien als auch von der Konstruktion ab.

Unternehmen, die schnell auf veränderte Anforderungen reagieren wollen, benötigen Gebäude und Räume, die sich auch schnell anpassen lassen. Mit dem Wandel der Büroarbeitswelt besteht der Anspruch an Gebäude vor allem in flexiblen Grundrissen. Bei Umstrukturierungen oder Mieterwechsel müssen sich Räume teilen, erweitern und verkleinern lassen. Bei Erneuerung der Gebäudetechnik oder Erweiterung des Kommunikationsnetzes müssen Wände schnellen Zugriff auf Leitungen gewährleisten und einfaches Verlegen ermöglichen. Wände sollten bezüglich Positionierung, Materialien, Farbe und Transparenz den Gestaltungsspielraum bieten, den Architektur und Innenarchitektur benötigen, um Räume zu schaffen, in denen sich Menschen wohl fühlen und somit gut arbeiten können. Ob räumliche, technische oder gestalterische Veränderungen gewünscht sind, Wände sind immer davon betroffen und dürfen nicht im Wege stehen.

Zu den größten Innovationen der Bautechnik zählen Stahl und Stahlbeton. Die mit ihnen möglich gewordene Reduktion des Tragwerks auf Stütze und Platte hat zu neuen Gebäudestrukturen geführt. Insbesondere für Industrie- und Verwaltungsbauten eröffnen sich dadurch vollkommen neue Möglichkeiten. Diese Skelettbauweise bedeutet fast unbegrenzte Freiheit für die Gestaltung des Grundrisses, indem sie die Wand von ihrer tragenden Aufgabe befreit.

Die Konstruktion macht den Unterschied

Damit Gebäude ihr Potenzial optimal entfalten können, muss die Entscheidung, welche Art Wände eingesetzt werden, wohl überlegt sein. Im Folgenden wird aufgezeigt, was die verschiedenen Konstruktionen wie Massivwände, Gipskarton- bzw. Gipsfaserwände und Systemtrennwände leisten können.

Massivwand

Massivwände sind aus schweren mineralischen Baustoffen gemauert oder gegossen (Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, Beton). Die ebene Oberfläche wird anschließend mit einer Putzschicht hergestellt, die gespachtelt und entweder gestrichen oder mit einer zu streichenden Tapete belegt wird. Bei Stahlbetonwänden werden Fugen und Unebenheiten verspachtelt. Sichtbeton und Sichtmauerwerk haben bereits fertige Oberflächen, sind jedoch aufwändig und teuer in der Herstellung..


Bild vom Bundesverband Porenbeton aus dem Beitrag "Leichte Innenwände bei der Modernisierung erhaltenswerter Bausubstanz" vom 4.10.2007

Vor- und Nachteile: Massivwände weisen - abhängig von der Rohdichte des verwendeten Steins - eine hohe Tragfähigkeit (unwichtig bei Gebäuden in Skelettbauweise) und guten Schall- und Brandschutz auf. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit schwere Lasten anzuhängen. Die Wände sind zu recyceln, da sie aus rein mineralischen Baustoffen bestehen.

Aber die Bauzeit ist relativ lang, da die Wände auf der Baustelle produziert werden. Auch weisen sie ein hohes Eigengewicht auf und je nach Tragfähigkeit der Decke sind ein Unterzug oder darunter liegende Stützen oder Wände erforderlich. Massivwände sind im Grundriss nicht frei positionierbar und nicht zerstörungsfrei versetzbar. Die Leitungsführung innerhalb der Wand ist aufwändig sowie starr und ist, insbesondere bei Betonwänden, frühzeitig zu planen. Um dieses zu umgehen, kommt eine Vorwandinstallation in Frage, die aus gestalterischen Gründen nicht immer wünschenswert ist. Darüber hinaus sind beim Bau mehrere Gewerke, Maurer oder Betonbauer, Gipser sowie Maler, zu koordinieren, die zusätzliche Feuchte in den Bau bringen. Zudem ist das Herstellen einer hochwertigen Oberfläche aufwändig.

Leichte Trennwand in Trockenbauweise

Die Schwächen der Massivwand und das Aufkommen von Gebäuden in Skelettbauweise haben zur Entwicklung leichter Trennwände geführt. Dazu zählen Holz- und Metallständerwände die u.a. mit Gipskarton- oder Gipsfaserplatten beplankt sind. Solche Wände sind wirtschaftlicher als Massivwände - sowohl bei der Fertigung, als auch im Lebenszyklus. (Bild rechts aus dem Beitrag "Hybridwände - robuste Montagewände in Trockenbauweise" vom 25.4.2008.)

Trockenbauwände werden auf der Geschossfertigdecke abgestellt und oben an der Decke befestigt. Die Ständer sind in der Regel beidseitig, je nach Schall- und Brandschutzanforderungen, mit ein bis drei Lagen Gipskarton- oder Gipsfaserplatten beplankt. Für einen guten Schallschutz sind die Hohlräume zwischen den Ständern mit einem Dämmstoff aus beispielsweise Holzfasern oder Mineralwolle gefüllt. Bei erhöhten Schallschutzanforderungen binden die Ständer nicht durch, sondern werden geteilt ausgeführt, um Schallübertragung zwischen beiden Seiten zu minimieren. Bei sehr hohen Schall- und Brandschutzanforderungen kommen auch Doppelständer mit dazwischen liegender Beplankung zum Einsatz.

Stärken gegenüber der Massivwand: Gegenüber einer Massivwand zeichnen sich leichte Trennwände durch bedeutend geringeres Eigengewicht aus. Dadurch sind die Ansprüche an die Tragfähigkeit der Gesamtkonstruktion geringer. Holz- und Metallständerwände sind beliebig innerhalb des Grundrisses positionierbar, kostengünstig und sie weisen gemessen am Gewicht gute Schall- und Brandschutzeigenschaften auf. Sie sind schnell montiert und es tritt keine zusätzliche Baufeuchte auf, da die Herstellung im Trockenbau erfolgt. Die Leitungsführung ist vergleichsweise komfortabel und kann relativ kurzfristig entschieden werden.

Schwächen: "Normale" Ständerwände haben eine begrenzte Tragfähigkeit für angehängte Lasten, im Einzelfall ist daher Verstärkung notwendig. Da die Trockenbauwand auf der Baustelle gefertigt wird, ist die Bauzeit im Vergleich zur Systemtrennwand immer noch relativ lang. Wie bei der Massivwand ist kein zerstörungsfreies Versetzen möglich und die Oberfläche ist gegen Schmutz und Abrieb empfindlich.

Leichte versetzbare Trennwand: Systemtrennwand

Versetzbare Trennwände haben mit der leichte Trennwand in Trockenbauweise ein grundlegendes Funktionsprinzip gemeinsam: Ständer werden auf dem Boden abgestellt, beidseitig mit Platten beplankt, die Hohlräume mit Dämmstoff gefüllt. Die Unterschiede zur Gipskartonwand sind allerdings erheblich.

Nutzen gegenüber einer Gipskartonwand: Versetzbare Systemtrennwände können im Werk vorgefertigt werden und sind daher auf der Baustelle schnell montiert. Bei der Montage fällt so gut wie kein Schmutz an. Auch die Koordination mehrerer Gewerke entfällt. Für den Bauablauf bedeuten all diese Faktoren eine Vereinfachung. Verglasungs- und Türelemente sowie Zusatzfunktionen, insbesondere Stauraum und Elektrifizierung, können im System einfach integriert werden. Da Schale und Metallständer durch Klemmen oder Einhängen verbunden werden, sind Systemtrennwände schnell und zerstörungsfrei umsetzbar. Der Umbau ist somit kostengünstig, da keine neuen Bauteile benötigt werden. Der Zugang zu Leitungen ist schnell gegeben und Wand- und Glaswandelemente schnell auszutauschen. Darüber hinaus steht eine große Auswahl an Wandschalen aus Holzwerkstoffen oder Metall in vielfältigen und langlebigen Oberflächen zur Verfügung. Eine Kombination an Voll- und Glaswandelemente ist ebenso möglich. (Bild rechts: Horizontalschnitt durch eine Feco-Wand mit Regalständer.)

Schwächen: Neben den vielfältigen Stärken von Systemtrennwänden gegenüber Gipskartonständerwänden ist jedoch zunächst mit etwas höheren Investitionskosten zu rechnen. Eine fugenlose Wandoberfläche, wie bei Gipskartonständer- und Massivwänden, ist konstruktionsbedingt nicht möglich. Auch können  unvorhergesehene Änderungen auf der Baustelle nicht mehr berücksichtigt werden, da die Wände vorab gefertigt werden.

Option auf Veränderung: Bei neuen Anforderungen an die Raumstruktur stehen Systemtrennwände nicht im Weg, sondern lassen sich ohne Lärm, Schmutz und großen baulichen Aufwand versetzen - und das, während die Mitarbeiter ihren Tätigkeiten weiter nachgehen. Dies gilt besonders für Betreiber von Gewerbeimmobilien und Facility Manager als besonders nachhaltiger Vorteil in der Bewirtschaftung von Bürogebäuden.

Versetzbare Leichtbauwände unterstützen Arbeitsprozesse, indem sie Räume gliedern, Prozesse definieren und raumakustisch wirken. Trennwandsysteme bieten Offenheit für Kommunikation und Schutz für konzentriertes Arbeiten gleichermaßen. Mit der zur Verfügung stehenden Auswahl an Farben und Materialien ist die dafür notwendige gestalterische Vielfalt möglich. So stehen, angefangen bei der pflegeleichten Kunststoffbeschichtung über Echtholzfurniere und Stoffbespannungen bis hin zu raumhohen Glaselementen, alle Möglichkeiten offen. Dabei sind den Kombinationen keine Grenzen gesetzt.

Trennwandsysteme sind mehr als nur "Wand". Sie integrieren im System Stauraumlösungen wie Schrankwände und Regale sowie Elemente zur persönlichen Arbeitsplatzorganisation. Auch Kommunikations- und Stromleitungen mit Anschlussmöglichkeiten direkt am Arbeitsplatz sind Funktionen, die in der Wand ihren Platz finden. Bei alledem erfüllen sie alle bauphysikalischen Anforderungen, die an eine Massivwand gestellt werden. Schon bei geringen Wandstärken bieten sie Schall- und Brandschutz.

Weitere Informationen zu Trennwandsystemen können per E-Mail an Frau Zoller von Feco angefordert werden; und siehe auch "Neue Broschüre: feco Trennwandsysteme auf 114 Seiten" vom 10.3.2009.

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