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Siliconharzfarben im Denkmalschutz

(20.8.2009) Das Haus "Zum Breiten Herd" in Erfurt ist eines der schönsten Renaissancegebäude Deutschlands (siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps). 1584 am Fischmarkt erbaut, stechen die reliefartigen, mehrfarbig eingelassenen Verzierungen der Prunkfassade jedem Besucher sofort ins Auge. Vor allem das so genannte Fünfsinnefries "Sehen-Hören-Riechen-Schmecken-Fühlen", das direkt über dem Erdgeschoss angebracht ist, begeistert mit seiner detailreichen Ausführung.

"Zum Breiten Herd" in Erfurt vor und nach der Fassaden-Sanierung im Jahr 2007

Obwohl das Haus "Zum Breiten Herd" alle Brand- und Kriegskatastrophen der letzten vierhundert Jahre weitestgehend unbeschadet überstanden hatte, war der Zahn der Zeit daran nicht spurlos vorübergegangen. Vor der ersten umfassenden Restaurierung im Jahr 1969 wurden starke Verwitterungen an der Sandsteinfassade festgestellt. Nur mit wissenschaftlichen Methoden ließen sich damals die ursprünglichen Farbfassungen noch rekonstruieren.

Knapp 40 Jahre nach der ersten Restaurierung war es 2005 an der Zeit, die Fassade ein weiteres Mal komplett zu restaurieren. Der Hausherr, die Handwerkskammer Erfurt, hatte sich zu diesem Schritt entschieden -  diesmal jedoch mit Anstrichmaterialien, die 1969 noch nicht zur Verfügung standen. Die Rede ist von Siliconharzfarben, einem modernen Farbsystem, das sowohl wasserabweisend, als auch atmungsaktiv ist.

"Die hohe wissenschaftliche, künstlerische und handwerkliche Qualität der Fassadenrestaurierung von 1969 bildete eine ideale Grundlage für die zweite umfassende Restaurierung", erklärt Diplomrestaurator Hendrik Romstedt, verantwortlich für die restauratorische Baubetreuung der zweiten Restaurierung. Einzig die damals zur Verfügung stehenden Anstrichmaterialien entsprachen nicht den Anforderungen, die eine Sandsteinfassade vor allem im Hinblick auf den Feuchtigkeitshaushalt stellt. Aufgrund mangelnder hydrophober Eigenschaften der 1969 verwendeten Kaseinfarben verblieb Wasser, das über undichte Fugen, defekte Gesimsabdeckungen und Dachrinnen eingedrungen war, in der Fassade und führte zu vermehrtem Salztransport innerhalb des Natursteins. Kristallisationen mit Farbabplatzungen und die schleichende Zerstörung der Steinsubstanz waren die Folge.

"Da die in tieferen Bereichen der Fassade verbliebenen Salzdepots ein erhebliches Restrisiko darstellten, bildete die Reduzierung des Wassereintrages ein wesentliches Restaurierungsziel. Eine hydrophobierende Imprägnierung der Fassadenflächen war aufgrund der eingelagerten Salze ausgeschlossen. Um dennoch den Wassereintrag zu minimieren, kamen wasserabweisende, diffusionsoffene Siliconharzfarben zum Einsatz", so Romstedt.

Die extreme Salzbelastung des Natursteins überzeugte auch das Denkmalamt vom Einsatz eines modernen Farbsystems auf der historischen Fassade. Es ging letztlich um die Frage, welche Farben dem originalen Erscheinungsbild am ehesten entsprechen und gleichzeitig den größten Schutz der wertvollen Bausubstanz gegen Umwelteinflüsse gewährleisten würden. Denkmalamt und Bauexperten vor Ort entschieden sich einstimmig für Siliconharzfarben. Dieses Farbsystem ist technisch so konzipiert, dass sich beim Trocknen des Anstrichs feine Poren bilden. Wasser kann in Form von Dampf durch die Kapillaröffnungen des Anstrichs entweichen. Regen oder Kondenswasser können hingegen kaum in die Fassade eindringen. Und aufgrund verbesserter Farbpigmente konnte versprochen werden, dass das optische Endergebnis dem polychromen Erstanstrich des 16. Jahrhunderts in nichts nachstehen würde.

Ein altes Schmuckstück in neuem Glanz

In einem ersten Schritt der Restaurierung des Hauses "Zum Breiten Herd" entfernte ein Team aus sieben Steinrestauratoren und ebenso vielen Malern alle geschädigten Anstrichbereiche und trug eine hydrophobierende Grundierung auf. Der eigentliche Neuanstrich mit Siliconharzfarben erfolgte in Lasurtechnik. Der mehrfache Auftrag unterschiedlicher Farbschichten sorgte vor allem bei dem berühmten Fünfsinnefries für eine besondere Tiefe der Farbwirkung:

2007 konnte man der Öffentlichkeit ein rundum restauriertes Haus "Zum Breiten Herd" präsentieren. 2008 bestand die neue Fassade einen unbeabsichtigten Härtetest, als im Erdgeschoss des benachbarten Hauses "Zum Stötzel" das Erdgeschoss ausbrannte. Die Fassade überstand Rauch und Hitze nahezu unbeschadet.

Heute gehört das Haus "Zum Breiten Herd" zu den architektonischen Highlights der Erfurter Altstadt. Die strahlenden Farben treffen auf ein einhellig positives Echo bei der Erfurter Bevölkerung. Auch alteingesessene Bürger, die sich bei der Wiederherstellung der originalen polychromen Farbfassung von 1969 noch verwundert die Augen rieben, sind von dem Ergebnis der zweiten Restaurierung begeistert.

Längere Renovierungszyklen, geringere Heizkosten

Für die Auftraggeber der Restauration waren neben den funktionalen Eigenschaften der Fassadenbeschichtung auch wirtschaftliche Faktoren wichtig. Siliconharzfarben sind zwar etwas teurer als andere Farbsysteme, sollten dies aber durch ihre Langlebigkeit und Schutzfunktion zurückzahlen können. Umfragen und Berechnungen von Wacker Silicones, der Firma, die an der Erfindung und Weiterentwicklung der Siliconharzfarben beteiligt war, haben ergeben, dass sich durch den Einsatz von Siliconharzfarben durchschnittlich jeder zweite Renovierungsanstrich einsparen lässt.

Außerdem können qualitativ hochwertige Siliconharzfarben Heizkosten sparen, indem sie die Fassaden trocken halten und damit auch einen Beitrag zum Energiesparen leisten. Steigt die Feuchtigkeit in der Fassade an, verschlechtern sich dadurch die Dämmeigenschaften des Wandbildners. Bleibt die Fassade hingegen trocken, lassen sich bis zu 4,6% Energie einsparen. Zum Tragen kommen die Vorteile von Siliconharzfarben besonders dort, wo Wärmedämmverbundsysteme nicht eingesetzt werden können. Dies ist vor allem bei historischen Gebäuden der Fall - siehe auch Beitrag "Gutachten bestätigt: Siliconharzfarben helfen Energie sparen" vom 20.3.2008.

"In diesem Umfeld gehören Siliconharzfarben, neben Innendämmungen, zu den wenigen Mitteln, die man zugunsten einer besseren Energiebilanz einsetzen kann", erklärt Dr. Hans Mayer, Manager und Chemiker bei Wacker Silicones und Sprecher der Hersteller übergreifenden Siliconharzfarben-Initiative "Wir helfen den Fassaden!".

"Der Einsatzbereich Denkmalschutz nimmt für Siliconharzfarben mittlerweile einen großen Stellenwert ein", so Dr. Mayer. Immer mehr Entscheider auf der ganzen Welt vertrauen bei der Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude auf Siliconharzfarben. Berühmte Referenzen der modernen Farbsysteme sind zum Beispiel der Kreml-Palast in Moskau, das Schloss Bellevue in Berlin und natürlich das Haus "Zum Breiten Herd" in Erfurt.

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