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Forsa untersuchte für Roto die Fensterbranche

Roto-Vorstandsvorsitzende Dr. Eckhard Keill
Roto-Vorstandsvorsitzender Dr. Eckhard Keill (Bild vergrößern)

(25.8.2009) Der deutschen Fenster- und Türenbranche dürfte es wie bisher auch weiter gelingen, sich von der gesamtwirtschaftlichen Rezession im Inland beinahe abzukoppeln. Speziell die Hersteller verzeichnen eine positive Sonderkonjunktur und können fast als "krisenfreie Zone" bezeichnet werden. Obwohl der Handel Lage und Perspektiven etwas skeptischer einschätzt, zeigt er sich ebenfalls überwiegend in stabiler Verfassung. Außerdem scheint der mittelständische Wirtschaftszweig für den Fall gut gerüstet zu sein, dass ihn die Krise doch noch nachhaltig trifft. Während die Unternehmen die staatlichen Konjunkturpakete per saldo als nützlich und richtig einstufen, beklagen sie zum Teil eine stark restriktive Praxis bei Kreditversicherern. Mit Blick auf den Verlauf der generellen Wirtschaftskrise ziehen die Firmen eine klare Trennlinie zu ihrer eigenen (relativ günstigen) Situation. Diese Quintessenz ergibt sich aus einer qualitativen Studie, die das forsa-Institut im Auftrag der Roto Frank AG durchführte. Damit verfügen Branche, Marktpartner und Öffentlichkeit erstmals über neutrale, fundierte und umfassende "Krisen-Informationen", hob der schwäbische Bauzulieferer heute (25.8.) während einer Pressekonferenz hervor.

Wie der Vorstandsvorsitzende Dr. Eckhard Keill mitteilte, befragten die Berliner Sozialforscher in der Zeit von Mitte Juli bis Mitte August 2009 im Rahmen individueller Telefoninterviews ausschließlich Vertreter des Spitzenmanagements relevanter Unternehmen der Marktstufen "Handel" und "Fensterhersteller" mit regionaler bzw. überregionaler Ausrichtung. Infolge der Firmenstrukturen sowie der "hohen Beteiligungsquote von rund 50%" könne man von der Repräsentativität der Erhebung ausgehen. Dabei habe Roto großen Wert auf eine "aussagekräftige Analyse" gelegt. Sie sei schon durch das breite Themenspektrum der Untersuchung gesichert.

Umsatz: Abstriche beim Handel

Die "weitgehende Krisenresistenz" zeige sich zunächst bei der Umsatzsituation. Der Studie zufolge musste seit Herbst 2008 lediglich ein Fünftel der Unternehmen Einbußen von meist weniger als 10% verkraften. Vor allem Fenster- und Türenhersteller seien von der Krise praktisch überhaupt nicht betroffen: 53% melden einen unveränderten und 42% sogar einen gestiegenen Umsatz.

Deutlich schlechter schneide hier der Handel ab. So gab jede zweite Firma ein Umsatzminus an. Eine mögliche Erklärung dafür sah Keill in dem stärkeren Auslandsengagement des Handels.

Ertrag: In gutem Zustand

Auch auf der Ertragsseite musste die Branche laut forsa der Krise bisher mehrheitlich keinen Tribut zollen. 42% der Betriebe berichten danach über eine seit Herbst 2008 unveränderte und 31% sogar über eine bessere Ertragslage. Die Parallele zur Umsatzbetrachtung: Fenster- und Türenproduzenten bewerteten die Situation erneut erheblich günstiger als der Handel, bei dem immerhin 57% auf gesunkene Gewinne verwiesen (Verarbeiter: 16%). In der Spitze machte der Ertragsrückgang laut Umfrage über 30% aus.

Dennoch präsentiert sich die Branche unter dem Strich in einer "erstaunlich gesunden Verfassung", konstatierte der Roto-Chef. Dies sei ein "ebenso klares wie erfreuliches Indiz" für ein insgesamt gelassenes und normales Marktverhalten. Die Zahlen bestätigten daher, dass es für die meisten Betriebe keine Notwendigkeit gebe, sich in "aktionistischen Preiskämpfen" aufzureiben.

Auftragseingang: Einbruch Fehlanzeige

Auch beim Auftragseingang konnten die forsa-Interviewer per saldo keine Krisenstimmung registrieren. Insgesamt 27% der Betriebe erzielten danach im bisherigen Jahresverlauf ein gegenüber 2008 unverändertes und rund 50% ein höheres Bestellvolumen. Lediglich bei einem Viertel (23%) sanken die Aufträge in einem begrenzten Umfang von meist unter 10%. Erneut war der Handel mit der Entwicklung häufiger unzufrieden als die Herstellergruppe.

Als "noch wichtiger" stufte Keill den Ausblick auf das zweite Halbjahr 2009 ein. Mehrheitlich rechnen die Firmen danach mit einem unveränderten (50%) bzw. steigenden (35%) Auftragseingang. Bemerkenswert sei, dass sich die Unterschiede zwischen Handel und Verarbeitern bei der Prognose erheblich abschwächten. Unter dem Strich könne also von einer erwarteten bzw. befürchteten Orderflaute keine Rede sein. Die Branche habe daher weiter gute Perspektiven, zumal Bestellungen in der Regel schnell zu realen Umsätzen führten. Daraus leitet Roto den Appell an die Marktpartner ab, die bisherige "Normalität" beizubehalten und die Vermarktung höherwertiger Problemlösungen zu forcieren.

Personalmaßnahmen: Bisher kaum Bedarf

Auch die Antworten auf die Frage nach krisenbedingten Reaktionen im Personalbereich zeigten: Da es keine Branchenrezession gebe, sei der entsprechende Handlungsdruck nur schwach ausgeprägt. Deshalb mussten, ermittelte forsa, 88% der Firmen bisher nicht zu Instrumenten wie Kurzarbeit, Gehaltsreduzierungen oder Entlassungen greifen. Nur eine geringe Minderheit von 12% sei dazu gezwungen gewesen.

Und: Sollten derartige Einschnitte künftig doch noch erforderlich sein, glaubt das Gros der Betriebe an die Bereitschaft der Mitarbeiter bzw. der Arbeitnehmervertreter, die Konsequenzen mitzutragen. 23% halten das "völlig uneingeschränkt" und 65% zumindest noch "bedingt" für realistisch. Für Keill ist das nicht zuletzt ein positiver Effekt der mittelständischen Branchenstruktur, zu der in der Regel eine hohe persönliche Verbundenheit der Mitarbeiter mit ihren Unternehmen gehöre. Das gelte für Hersteller und Handel gleichermaßen, die folgerichtig bei diesem Thema auch im Prinzip "einer Meinung" waren.

Investitionen: Kein Streichkonzert

Eine weitere Untersuchungsrecherche betraf das gegenwärtige und künftige Investitionsverhalten der Firmen. Auch auf diesem Feld werden die Budgets offenbar keineswegs rigoros gekürzt oder gar komplett gestrichen. Im Gegenteil: Die Branche erweise sich abermals als relativ robust. Damit sei die Praxis 2009 im Vergleich zu 2008 ebenso korrekt charakterisiert wie die momentane Planung für 2010. Während die Investitionen danach z.B. in diesem Jahr zu 38% "ähnlich hoch", zu 24% höher und zu 38% niedriger sind, lauten die entsprechenden Erwartungswerte für 2010 insgesamt 54%, 8% und 31%.

Sofern die Mittel gekürzt würden, betrage der Rückgang zwischen 15 und 30% gegenüber dem jeweiligen Vorjahresniveau. Er betreffe dann mehrheitlich alle Unternehmenssektoren. Tendenziell seien Verarbeiter etwas investitionsfreudiger als Handelsfirmen. Jedenfalls könne man erkennen, dass es der Branche nicht an Zukunftsmut und damit an der Basis für eine aktive Zukunftsgestaltung fehle.

Lagerbestände: Überraschung für Roto

Ferner ermittelte die Studie den durchschnittlichen aktuellen Lagerbestand der Unternehmen im Vorjahresvergleich (2008 = 100%). Die Resultate: insgesamt 92%, Handel 94% und Produzenten 91%. Danach fand also auf beiden Stufen kein drastischer Lagerabbau und damit auch keine signifikante Reduzierung des gebundenen Kapitals statt.

Keill, der neben der gesamten Roto Gruppe die Division Fenster- und Türtechnologie führt, zeigte sich über dieses Ergebnis "überrascht und erstaunt". Es stimme mit den eigenen Praxiserfahrungen nicht überein. Stattdessen spüre man als Komponentenlieferant primär beim Handel ein starkes Zurückfahren der Läger. Es könne deshalb für die Branche sinnvoll sein, gemeinsam für eine bessere Koordination der Lagerbestände zu sorgen.

Banken: Noch keine "Kreditklemme"

Mit dem Verhalten der Banken ist die Branche bisher laut forsa offenbar im Großen und Ganzen zufrieden. 81% der Unternehmen haben danach von einer "Kreditklemme" bis dato nichts gemerkt. Aber immerhin 19% spürten bereits Restriktionen bei der Kreditvergabe - durch gekürzte Kreditlinien, schlechtere Konditionen oder "andere negative Reaktionen". Insofern seien doch Ansätze eines Trends erkennbar, Firmen im Kreditranking herabzustufen.

Kreditversicherer: Kunden unter Druck

Wesentlich heftiger ist die in den Bewertungen zum Ausdruck kommende Kritik an der Praxis der Kreditversicherer seit Ausbruch der allgemeinen Wirtschaftskrise. Deren Verhalten hat sich danach bereits für insgesamt 50% (Handel: 57%, Verarbeiter: 47%) konkret ausgewirkt. Für 62% davon schlage sich das in "drastisch verschlechterten" und für 38% in "etwas verschlechterten" Konditionen nieder.

Aus Sicht von Roto sei das ein "alarmierendes Resultat". Es komme der Verdacht auf, dass man die Krise zur "Risikominimierung durch die Hintertür" nutzen wolle. Keill: "Wenn sogar im weitgehend stabilen Deutschland die Hälfte der Firmen in der Fenster- und Türenbranche über Restriktionen klagt, muss das Geschäftsmodell der Kreditversicherer generell hinterfragt werden."

Staatliche Krisenmilderung:
Konjunkturpakete im Gegensatz zu anderen Hilfen o.k.

Für die Konjunkturprogramme der Bundesregierung gebe es dagegen in der Branche erheblich mehr Lob als Tadel. 58% der Befragten halten sie für "ausgesprochen hilfreich", 27% sehen trotz prinzipieller Zustimmung "Nachbesserungen" als erforderlich an und nur 15% votieren mit "weitgehend ungeeignet". Die im Wesentlichen bauorientierten Unternehmen erhofften sich dadurch offenbar konkrete Geschäftsimpulse. Das gelte besonders für den Handel (86% "ausgesprochen hilfreich"). Aus Sicht der Branchenmehrheit handele es sich bei den Konjunkturpaketen I und II daher um angemessene Instrumente zur Abfederung der allgemeinen Rezession.

Bei den staatlichen Krisenhilfen wie KfW-Krediten oder Bürgschaften der Bundesregierung ermittelte die Studie allerdings weit größere Zweifel. Lediglich eine knappe Mehrheit von 54% betrachtet sie als sinnvoll; 42% verneinen das. Da jedoch die meisten Unternehmen dank ihrer vergleichsweise günstigen Situation ohnehin keine "Kandidaten" für die an strenge Bedingungen geknüpften Angebote seien, gehe es bei diesen Bewertungen wohl primär um generelle ordnungspolitische Aspekte.

Weiterer Krisenverlauf:
Skepsis für 2009 - mehr Zuversicht für 2010

Zum Schluss wollte forsa von den Umfrageteilnehmern wissen, wie sie die grundsätzliche weitere wirtschaftliche Entwicklung in diesem und im kommenden Jahr prognostizieren. Dabei zeigten sich, betonte Keill, recht prägnante Unterschiede zu der Beschreibung der eigenen Firmensituation. So rechnen 70% der Unternehmen damit, dass sich die generelle Krise 2009 weiter fortsetzt. Dagegen glauben nur ganze 3% an einen leichten Aufwärtstrend noch im laufenden Jahr. 27% vermuten ein Erreichen der Talsohle.

Insgesamt deutlich positivere Erwartungen habe die Branche für 2010. So steige die Quote derer, die dann mit einer moderaten Konjunkturbelebung rechnen, auf 27%. Lediglich 19% halten eine weitere Abschwächung für wahrscheinlich. Kommentar des Roto-Chefs: "Was die Prognosen der Branchenprofis mit denen der 'Berufsexperten' verbindet, sind ihre große Bandbreite und damit das nach wie vor hohe Maß an Unsicherheit."

Weitere Informationen zu Fenster- und Türbeschlägen können per E-Mail an Roto angefordert werden.

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