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Energetische Gebäudesanierung durch Innendämmung

(12.10.2009) Denkmalgeschützte Fassaden, Grenzbebauung oder einzuhaltende Gebäudefluchten erfordern intelligente Innendämm-Lösungen. Aus bauphysikalischer Sicht ist die Anordnung von Dämmschichten an der Außenseite (WDVS / Außendämmung) vorzuziehen, aber oft nicht möglich. In diesen Fällen sind durchdachte Innendämmsysteme gefragt.

Einsatzgebiete der Innendämmung

Gerade ältere Gebäude mit erhaltenswerten Fassaden weisen keinen ausreichenden Wärmeschutz der Außenwände auf, der jedoch durch eine Innendämmung um mehr als 60% verbessert werden kann. Die Innendämmung ist in vielen Fällen sinnvoll:

  • Das Gebäude oder die Fassade steht unter Denkmalschutz, die Fassade (Sichtmauerwerk, Fachwerk, Holzfassade, hinterlüftete Fassade) soll erhalten bleiben
  • zu geringer Dachüberstand
  • bei angrenzenden Gebäuden bzw. bei zu geringen Grenzabständen
  • Einhalten von Gebäudefluchten
  • Die Dämmmaßnahme kann nur in einzelnen Wohnungen bzw. Räumen durchgeführt werden. (Eigentumswohnungen etc.)
  • Eine Umnutzung von Kellerräumen
  • Ein Gebäude wird nur temporär genutzt und beheizt (hier sollte eine Innendämmmaßnahme sogar der Außendämmung vorgezogen werden, da es hier auf eine schnelle Aufheizung ankommt)
  • Mangelnde Behaglichkeit durch niedrige Oberflächentemperaturen und Tauwasserausfall
  • Wände zwischen beheizten und ungeheizten Räumen innerhalb eines Gebäudes

Ausführungsarten von Innendämmungen

Aufgrund schneller und trockener Bauausführung sowie aus wirtschaftlichen Gründen werden Innendämmmaßnahmen gerne in Trockenbauweise mit Gipsplatten ausgeführt. Dabei lassen sich grundsätzlich drei Ausführungsvarianten unterscheiden (hier anhand von Knauf-Systemen konkretisiert):

Variante eins ist die raumseitige Dämmung mit Verbundplatten. Gipskartonplatten werden mit einer Dämmung aus Mineralwolle oder Polystyrol kaschiert und sind wahlweise mit einer integrierten Dampfbremse ausgestattet. Diese wird dann benötigt, wenn kein ausreichender Widerstand gegen eindringenden Wasserdampf vorhanden ist.


Die Verbundplatten werden mittels eines Ansetzbinders an den Untergrund mit Batzen oder im Dünnbettverfahren verklebt (siehe auch Eingangsbild rechts oben). Bei geringen Wärmeleitfähigkeiten des Dämmstoffs werden geringe Dämmdicken benötigt. Daher kann die Verbundplatte ein sehr raumsparendes System sein. Weitere Vorteile liegen in der schnellen Montage und bei Verwendung von elastifiziertem Dämmstoff kann die Bestandswand sogar hinsichtlich Schallschutz verbessert werden.

Die zweite Variante ist eine freistehende Vorsatzschale. Die Unterkonstruktion wird frei vor die Bestandswand gestellt und mit Gipskartonplatten bekleidet (wahlweise mit Dampfbremse). Zwischen die Metallprofile kann eine Mineralwolle mit entsprechender Dämmeigenschaft für die thermische Optimierung eingelegt werden. Dieses System bietet die Möglichkeit Installationsleitungen in der Konstruktion zu verlegen.


Bei einer Vorsatzschale spielt die Qualität des Untergrunds keine Rolle. Sie ist variabel im Einsatz der Dämmstoffe und bietet die Möglichkeit, den Schallschutz sowie den Feuerwiderstand der Bestandswand deutlich zu verbessern.

Im Gegensatz zu freistehenden Vorsatzschalen können auch direkt befestigte Vorsatzschalen zum Einsatz kommen. Sie entsprechen im Wesentlichen dem Aufbau der freistehenden Vorsatzschalen. Die Metallprofile werden im Unterschied punktuell an der Bestandswand befestigt. Mit ihr lassen sich auch sehr große Wandhöhen realisieren (Bild).

Bemessung nachträglicher Innendämmungen in Bestandsgebäuden

Um Innendämmungen attraktiver und einfacher in der Planung zu machen, wurde eine tabellarisch aufbereitete Bemessungstabelle abhängig von einer Gebäudetypologie bestimmter Baualtersklassen erstellt. Die Anforderungen des Bauteilverfahrens der EnEV 2007 wurden entsprechend berücksichtigt. So kann ein Gebäude aus den 70er Jahren mit einer Außenwand aus Leichthochlochziegeln mit der Verbundplatte Knauf InTherm ohne Dampfbremsfolie energetisch ertüchtigt werden - siehe auch Broschüre "Wärmeschutz und Modernisierung mit Knauf".

Ausführungsdetails Knauf InTherm

Die Verbundplatte Knauf InTherm besteht aus einer Gipskartonplatte, die mit grauem EPS kaschiert wurde. Durch die Graphitzugabe in der Dämmung wird ein höherer Anteil an Wärmestrahlung reflektiert und absorbiert. Somit weist "graues" EPS eine niedrigere Wärmeleitfähigkeit auf als "weißes" EPS und kann bei geringeren Dämmdicken eine gleich hohe Energieeinsparung erzielen wie herkömmliche Dämmungen. Dadurch wird mehr Raum für Wohn- bzw. Nutzflächen gewonnen.

Mit dem zunehmenden baulichen Wärme- und Feuchteschutz sowie dem gestiegenen Anspruch an die Behaglichkeit hat die Luftdichtheit der Gebäudehülle einen völlig neuen Stellenwert erhalten. Insbesondere zur Konstruktionssicherheit bei innen gedämmten Außenwänden spielt sie eine wesentliche Rolle. Die Luftdichtheitsebene wird durch die Gipskartonplatten und Verspachteln der Fugen sichergestellt. Bei der Knauf InTherm gewährleistet ein Stufenfalz zwischen Gipskartonplatte und der aufkaschierten Dämmung, dass ausreichend viel Spachtelmaterial eingebracht werden kann und die Dämmung sicher Stoß an Stoß liegt. Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass der Ansetzbinder bei Anschlüssen an Wänden und Decken durchlaufend auf die Verbundplatte aufzutragen ist. Untersuchungen ergaben nämlich, dass bei luftdichter Ausführung das Hinterströmen mit feuchter, warmer Raumluft der Verbundplatte verhindert wird und damit keine Bauschäden hinsichtlich Tauwasserausfalls zu erwarten sind. Die Dampfbremse, falls bauphysikalisch erforderlich, ist generell auf der Innenraum zugewandten Seite der Wärmedämmung anzuordnen. Sie kann den in die Baukonstruktion eindringende Wasserdampf so weit verringern, dass an der Kondensationsebene zwischen Wand und Dämmung kein Tauwasserausfall eintritt. Für diese Anforderung ist in die Verbundplatte Knauf InTherm alternativ eine Dampfbremsfolie integriert.

Bei der Ausführung von Innendämmungen ist insbesondere auf die Vermeidung von Wärmebrücken zu achten. Bei Innendämmmaßnahmen bleiben Wärmebrücken erhalten oder verstärken sich sogar. Daher sind hier konstruktive Lösungen unbedingt in die Planung mit einzubeziehen.

Eine architektonisch ansprechende Variante und eine Entschärfung der Wärmebrücke wird beispielsweise mit dem Knauf Dämmkeil ermöglicht. Durch die geringen Aufbauhöhen an den Außenwänden von 40 mm und einer Verjüngung auf 3 mm sollte der Keil im eingebauten Zustand kaum wahrgenommen werden und kann durch eine einfache Montage an der Decke verklebt werden (Bild rechts oben).

Wärmebrücken an Fensterlaibungen können wiederum durch den Einsatz z.B. der Knauf Laibungsdämmplatte in 10-20 mm dicken Platten mit hohen Dämmleistungen (λ = 0,025W/mK) reduziert werden. Die Dämmplatten werden vollflächig verklebt:


Auch der Schallschutz wird verbessert

Neben der Verbesserung des Wärmeschutzes erhöhen die genannten Innendämmmaßnahmen den Schallschutz der Bestandswand erheblich. Nicht geeignet für Schallschutzverbesserungsmaßnahmen sind allerdings Verbundelemente mit nichtelastifizierem Polystyrol. Ausnahme ist die Verbundplatte Knauf InTherm mit elastifiziertem grauen EPS. Hier tritt eine leichte Schallschutzverbesserung ein. Bei hohen Anforderungen an den Schallschutz ist die Vorsatzschale die bessere Lösung.

Praxisbeispiel

Zur Reduzierung der Konstruktionsdicken geht insbesondere bei Innendämmungen der Trend zu Dämmstoffen mit geringer Wärmeleitfähigkeit (mehr Raum), wobei jedoch das Preis-Leistungsverhältnis nach wie vor eine große Rolle spielt. Bei der energetischen Sanierung des alten Rathauses im fränkischen Schonungen bei Schweinfurt kam die Verbundplatte Knauf InTherm zum Einsatz.


In dem Gebäude sollten ehemals als Büroflächen genutzte Räume zu einer neuen Gemeindebibliothek umgebaut werden. Aus Denkmalschutz-Gründen und um die historische Fassade zu erhalten, konnte keine Außendämmung angebracht werden. Die Gemeinde Schonungen als Bauherr sowie Planer Alexander Vogel aus Schweinfurt entschieden sich daher für eine Dämmung von innen. Zusammen mit dem Schweinfurter Ingenieurbüro Dorband wurde ein stimmiges Energiekonzept erstellt das neben der raumseitigen Dämmung der Außenwände mit Verbundplatten auch eine wirkungsvolle Dämmung im Keller- und Dach vorsieht. Um einen möglichst raumsparenden Aufbau zu erzielen, kam das energieeffiziente System Knauf InTherm mit einer Wärmeleitfähigkeit λ = 0,032 W/mK zum Einsatz. Mit diesen Maßnahmen wird der Primärenergieverbrauch künftig von 146,81 kWh/m²a um 53% auf 68,93 kWh/m²a gesenkt. Dabei konnte durch die Konstruktion mit Verbundplatten im Vergleich zu herkömmlichen Dämmungen bei gleicher Energieeinsparung mehr Raum gewonnen werden. Vom Fachunternehmen Weipert aus Stadtlauringen konnten die Verbundplatten aufgrund des schmalen Formats (600 x 2500 mm) und einfaches Handling in Batzentechnik an die Wand montiert werden. Um Wärmebrücken an Fensterlaibungen zu minimieren, kamen hier dünne Verbundplatten zum Einsatz.

Weitere Informationen zu Innendämmsystemen können per E-Mail an Knauf Gips angefordert werden.

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