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Ziegel Zentrum Süd verleiht Architekturpreis für herausragende Ziegel-Bauten


Stadthaus in Neu-Ulm (Bild vergrößern)  

(14.2.2010) Die Sieger des "Architekturpreises 2009" vom Ziegel Zentrum Süd wurden jetzt in München geehrt. Gleich drei Ziegelbauten konnten die Jury gestalterisch, konzeptionell und konstruktiv überzeugen: Sie belegten paritätisch den ersten Platz.

  • Das Stadthaus in Neu-Ulm beeindruckte die Jury mit seiner autarken, einprägsamen Form und der plastischen Ausformung der Ziegel-Fassade.
  • Ausgezeichnet wurde zudem das Kirchenzentrum Sankt Nikolaus in München-Neuried mit seinem kubischem Baukörper für die differenzierte, kontrastreiche Gestaltung.
  • Als drittes Objekt wurde ein Wohn- und Geschäftshaus im Frankfurter Stadtteil Westhafen prämiert. Es zeigt ein gelungenes Zusammenspiel zwischen Wohnen und Arbeiten auf und sorgt für eine deutliche Aufwertung des Viertels.

Zusätzlich zu den drei Hauptpreisen vergab die Jury zwei Sonderpreise für herausragende Hochschul-Projekte: zum einen an das Projekt "Shel(l)ter" der TU Dresden, zum anderen an das soziokulturell geprägte Studienprojekt "Der Turm zu Bhaktapur" (Nepal) der Fachhochschule Frankfurt.

... so lauten die Namen der drei Büros, die den "Architekturpreis 2009" des Ziegel Zentrums Süd gewonnen haben. Der Preis wird alle zwei Jahre ausgelobt und honoriert Arbeiten, die einen gekonnten Umgang mit den vielfältigen Möglichkeiten moderner Ziegelbauweise demonstrieren - darunter Projekte unterschiedlicher Größe: vom Wohnhaus über Schul- und Gewerbebauten bis Sakralbauten.


v. l. n. r.: Preisträger Prof. Andreas Meck, Laudatorin Prof. Anne-Christin Scheiblauer, Preisträger Prof. Dietrich Fink, ZZS-Geschäftsführerin Waltraud Vogler, Preisträger Stefan Forster, Baureferentin Rosemarie Hingerl und Johannes Edmüller, ZZS-Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der Schlagmann Baustoffwerke (Bild vergrößern)

Die außergewöhnlichen Objekte überzeugten auch die Jury im Hinblick auf städtebauliche Einbindung, gestalterische und konstruktive Umsetzung sowie Konzeption und Innovationsgehalt. Neben architektonischen Merkmalen der eingereichten Objekte war der Aspekt der Nachhaltigkeit ein weiteres Bewertungskriterium. Aufgrund der hohen Qualität der eingereichten Arbeiten, die in der Endauswahl für die Preisvergabe standen, entschied sich die Jury, drei erste Preise gleichrangig für sehr unterschiedliche Projekte zu vergeben. "Die prämierten Objekte demonstrieren eindrucksvoll, dass der Baustoff Ziegel in seiner innovativen Anwendung vielfältige Bauaufgaben in anspruchsvoller, richtungsweisender Qualität lösen kann", begründet Architektin Waltraud Vogler, Geschäftsführerin des Ziegel Zentrums Süd, die Entscheidung der Jury. Zudem wurden zwei Sonderpreisträger ausgezeichnet, die innerhalb der Lehre und Forschung an Hochschulen herausragende Arbeiten vorzuweisen haben. Die drei Preisträger wurden jeweils mit einem Preisgeld von 2000 Euro bedacht - die beiden Sonderpreisträger mit je 1000 Euro. Zwei weitere Objekte erhielten eine Anerkennung.

ausgezeichnete Ziegel-Bauten

Das Stadthaus in Neu-Ulm des Münchner Architekturbüros "Fink + Jocher" nimmt einerseits souverän Elemente der historischen Klinkerbauten in der Umgebung auf, bildet anderseits jedoch eine eigenständige, autarke Form (siehe auch Bild rechts oben; Bing-Maps-Vogelperspektive). Die städtebaulichen Vorgaben wurden diszipliniert, aber dennoch eigenständig umgesetzt. Die plastische, handwerklich sehr qualitätvoll ausgearbeitete Ziegel-Fassade und deutlich hervorgehobene, rot eingefärbte Laibungen sowie kühn auskragende Balkone unterstreichen die Bedeutung des Gebäudes und setzen einen modernen Impuls.

Das Kirchenzentrum Sankt Nikolaus von "Andreas Meck Architekten" aus München ordnet die städtebauliche Situation des heterogenen Wohngebiets in München-Neuried. Die kompakte, moderne Skulptur des kubischen Baukörpers und die Hülle aus ungleichmäßig gebrannten Klinkern wirken bestimmend und überzeugend.


Kirchenzentrum Sankt Nikolaus von Andreas Meck Architekten (Bild vergrößern)

Einen stofflich differenzierten Kontrast bilden die robusten, dunklen Ziegel mit den gestockten, hellen Betonflächen. Der Kirchenraum fügt sich konsequent in die tragende Konstruktion mit der prägnanten Klinkerhülle ein. Das Innere des Bauwerks ist durch Schrägen geprägt, die eine spannende Lichtführung bewirken.

Städtebaulich ebenfalls von Bedeutung ist das Wohn- und Geschäftshaus der "Stefan Foster Architekten" aus Frankfurt (nächstes Bild unten). Das Gebäude wertet den Frankfurter Stadtteil Westhafen eindrucksvoll auf und zeigt eine gelungene Symbiose von Wohnen und Arbeiten. Die äußere Klinkerhülle führt in weichen Rundungen um die Gebäudeecken und betont durch umlaufende Brüstungen mit abgesetzten Gesimsen die Horizontale. Geschickt sind hier Robustheit und Feingliedrigkeit zusammengeführt und in einer von Nachhaltigkeit geprägten Materialwahl beispielhaft umgesetzt worden:


Wohn- und Geschäftshaus im Frankfurter Stadtteil Westhafen von Stefan Foster Architekten (Bild vergrößern)

Gelungene Hochschularbeit

Die Schönheit von Ziegeln als strukturgebendes, wie auch tragendes Element bei der Gestaltung der Wände und Fassaden zeigt das Studienprojekt der Fachhochschule Frankfurt anhand des "Turms von Bhaktapur" (siehe Deeplink zur Web-Site der FH-Frankfurt). Die Turmskulptur in Nepal steht allerdings für viel mehr als nur für den praktischen Einsatz des Rohstoffes: Das Projekt mit soziokulturellem Hintergrund zeigt auf, welche Kreativität durch die gelungene Zusammenarbeit von Studierenden und ihren Betreuern aus Deutschland mit Handwerkern der newarischen Baukultur in Nepal entfaltet werden kann. Das Ergebnis ist eine begehbare, nutzbare Skulptur, die verschiedene Kultur- und Kompositionselemente kraftvoll integriert und damit weit über den üblichen Rahmen der Hochschularbeit hinausgeht.

Das interdisziplinäre Hochschulprojekt "Shel(l)ter" der TU Dresden demonstriert die Möglichkeiten des Ziegel-Mauerwerks jenseits von senkrechten und ebenen Bauelementen (nächstes Bild unten). In physischen und digitalen Modellen wurde eine doppelt gekrümmte Mauerwerksfläche entwickelt und in eine begehbare Schalenkonstruktion umgesetzt. Das Projekt zeigt die rechnerische Nachweisbarkeit von Gewölbeschalen mit unbewehrtem Mauerwerk und die freie Formbarkeit des Schalenbaus auf. Hervorzuheben ist hier weniger der Nutzungswert des Bauwerks, als vielmehr der Planungsweg bis zur Ausführung des experimentellen Baus durch die Studierenden selbst, der das Projekt zu einem Beispiel richtungsweisender Hochschularbeit macht - siehe auch Beitrag "8. Unipor-Architekturpreis entschieden" vom 18.1.2009:

Anerkannte Leistung im Bereich des Bauens mit Ziegeln

Beispielhaften Museumsbau präsentieren "Diethelm & Spillmann Architekten" aus Zürich mit ihrem kubischen Erweiterungsbau des Franz Marc Museums in Kochel. Die Gebäudekonstruktion ist einfach und dennoch aus heutiger Sicht eher eigenwillig: Das Innenleben wird umhüllt von monolithischen, tragenden und wärmedämmenden Ziegelaußenwänden - mit Naturstein als Wetterschutz - konsequent auf die sensiblen bauphysikalischen Bedürfnisse eines Ausstellungsgebäudes ausgerichtet - kleiner Querverweis: Das Projekt erhielt bereits eine lobende Erwähnung beim "Deutschen Naturstein-Preis 2009".

"Andreas Meck Architekten" konnten sich - neben dem Preis für das Kirchenzentrum Sankt Nikolaus in Neuried - zudem über eine Anerkennung für den Bau des Dominikuszentrums in München freuen, das bereits Anfang des Jahres beim contractworld.award 2010 den 2.Preis in der Kategorie "Education / Bildung / Healthcare" erringen konnte. Der von roten Klinkern geprägte Gebäudekomplex mit seinem blau lasierten Andachtsraum stellt eine schlüssige Konzeption mit sorgfältig gewählten Detaillösungen dar. Großflächig drehbare Metalltore erweitern den meditativen Raum nach Bedarf in den von Ziegeln gesäumten Vorbereich zur Andacht im Freien bei besonderen Anlässen. - Nur auf den ersten Blick kann man die Bilder vom Kirchenzentrum Sankt Nikolaus und Dominikuszentrum in München (Bild aus dem Beitrag "contractworld.award 2010 verliehen" vom 17.1.2010) verwechseln.

Mit der Preisverleihung wurde gleichzeitig eine Ausstellung der eingereichten Arbeiten in der Halle des Technischen Rathauses in München eröffnet. In Kooperation mit dem Baureferat der Landeshauptstadt München präsentiert das Ziegel Zentrum Süd die Projekte, die auf eindrucksvolle Weise den gekonnten Umgang mit den vielfältigen Möglichkeiten moderner Ziegelbauweise demonstrieren.

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