"Residens" untersucht Energienutzung des Endabnehmers
(5.7.2010) Wie
kann man private Stromkunden motivieren, Energie effizienter und verstärkt auch
aus erneuerbaren Quellen zu nutzen? Eine Möglichkeit ist der Einsatz
elektronischer Stromzähler, die den Verbrauch messen. Wie sich die Smart Meter
unkompliziert nutzen lassen, untersuchen Forscher im Projekt "Residens -
Effizientere Energienutzung durch systemtechnische Integration des privaten
Endabnehmers".
Wer wüsste nicht gern, wie viel Strom er gestern verbraucht hat oder ob es günstiger ist, die Waschmaschine am Nachmittag oder besser doch erst nach 22 Uhr zu starten? Doch die Höhe des Stromverbrauchs erfährt der Kunde nur einmal im Jahr mit der Endabrechnung. Ob die dicke Nachforderung nur an den gestiegenen Preisen liegt, oder ob wegen des riesigen neuen Flachbildschirms, der Settop-Box und dem täglichen Internetsurfen mehr Strom verbraucht wurde, weiß der Verbraucher meist nicht. Und auch wie man durch sein Verhalten dazu beitragen kann, Energie aus erneuerbaren Quellen effizienter zu nutzen, ist vielen Stromkunden ein Rätsel.
In dem Projekt Residens untersuchen Forscher, wie Stromkunden motiviert werden können, Energie aus erneuerbaren Quellen effizienter zu nutzen. In dem Projekt arbeiten Wissenschaftler der Technischen Universität Ilmenau, des Fraunhofer- Anwendungszentrums für Systemtechnik AST und des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau zusammen.
Stromkunden können Energie nur dann effizienter nutzen, wenn sie informiert sind, wann sie wie viel Strom verbrauchen, und ob der Gebrauch von Öko-Strom auch ökonomisch interessant ist. Daher verwenden die Forscher elektronische Stromzähler. Die Geräte messen den Verbrauch und senden die gespeicherten Daten in nahezu beliebigen Zeitabständen zum Messdienstleister. "Die Smart Meter ermöglichen es, die Werte auf unterschiedliche Art und Weise auszuwerten", erläutert Dr.-Ing. Peter Bretschneider vom AST. So lässt sich etwa der aktuelle Stromverbrauch anzeigen, oder was eine Kilowattstunde Strom kostet. Und der Verbraucher kann verfolgen, wie viel Energie er in einer bestimmten Zeit abgenommen hat. Dank der Smart Meter lässt sich monatlich der tatsächliche Verbrauch ermitteln. Der Stromzähler zeigt die aktuellen Tarife an. So weiß der Kunde, dass Strom in der Nacht besonders günstig ist und startet erst dann seine Waschmaschine.
Damit Stromkunden die neuen Möglichkeiten unkompliziert nutzen können, arbeiten die Experten auch an Anwendungen für das Webportal. Dort können die Nutzer auf einen Blick sehen, wie hoch die Stromkosten im vergangenen Jahr waren, wie viel Energie sie heute verbraucht haben und wie hoch die Stromkosten gestern waren. Außerdem lässt sich in der Jahresübersicht erkennen, in welchen Monaten man besonders viel elektrische Energie verbraucht hat. Die Tagesübersicht macht deutlich, um welche Uhrzeit der Stromverbrauch am höchsten war. Über das Portal erfahren die Nutzer aber auch, wann Öko-Strom günstig ist und wie viel CO2 bei ihrem aktuellen Verbrauchsverhalten entsteht. Dann entscheiden sich Stromkunden möglicherweise öfter, auf Energie aus erneuerbaren Quellen umzusteigen. "Smart Metering ist mehr als nur intelligentes Auslesen von Zählerdaten. Es umfasst das gesamte Spektrum von der Tarifierung über die Zähler- und Kommunikationstechnologien bis hin zur Datenverwaltung und -aufbereitung", betont Bretschneider.
Das Vorhaben gliedert sich in drei Teilprojekte:
- Zunächst untersuchen die Wissenschaftler, wie die Stromkunden energiepolitische Maßnahmen bewerten und welche energiebezogenen Verhaltensweisen sie haben.
- In der zweiten Phase prüfen die Experten, ob die Kunden den elektronischen Stromzähler annehmen. "Dabei sollen die Stärken und Schwächen der systemtechnischen Integration der Smart Meter sowie mögliche Verbesserungen aus Endabnehmersicht umfassend analysiert werden", berichtet Bretschneider.
- Auf Basis der Ergebnisse aus den ersten beiden Untersuchungen wollen die Forscher dann die Kompetenz der Stromkunden im Umgang mit Smart Metern und Energieeffizienz- Maßnahmen fördern.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
- RESIDENS-Projekt auf dem Server der Technische Universität Ilmenau
- Fraunhofer-Anwendungszentrum für Systemtechnik AST
- Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT
jüngere Beiträge, die auf diesen verweisen:
- Höchster "grüner" Wolkenkratzer der Welt (2.11.2011)
- Deloitte-Studie zu Smart Grids zeigt: Es gibt in Deutschland noch viel zu tun (26.7.2011)
- Wenig(?) Energieeinsparung durch Smart Metering (26.7.2011)
- Neue Richtlinie RAL-RG 678 berücksichtigt die Gebäudesystemtechnik (4.4.2011)
- App macht Standby-Verbrauch sichtbar (20.3.2011)
- weitere Details...
ausgewählte weitere Meldungen:
- Fronius' Blick in die Zukunft nachhaltiger Energienutzung (20.6.2010)
- Smart Meter: Zum intelligenten Haus gehört ein intelligenter Zähler (20.4.2010)
- Wärmepumpe und Smart Metering im Tête-à-tête (22.4.2010)
- Green Building Monitor macht Energiespar-Fortschritte sichtbar (10.12.2009)
- KNX-Broschüre über Smart Metering (26.8.2009)
- Stromverbrauch per iGoogle verfolgen (26.8.2009)
- Mit "Smart Metering" den Energiebedarf besser einschätzen und planen (2.7.2008)
- Berker EnergyGuard - Systemstudie zum Energiemonitoring (26.5.2008)
- Energieversorger nehmen ihre Kunden ins Visier (23.5.2008)
- GSM-Auslesesystem für die unmittelbare Zählerstandserfassung (27.11.2007)
- A+S-Mieterportal ermöglicht, Verbräuche zeitnah zu beeinflussen (22.8.2007)
- Techem hält mit "ecotech-Cockpit" auf dem Laufenden (22.8.2007)
- EU-Projekt "I3CON" für Gebäude mit Zukunft (7.5.2007)
- KENWO entwickelt "Energieampel" für Wohn- und Bürogebäude (22.8.2006)
siehe zudem:
- Gebäudeleittechnik, Elektroinstallation, Lichtschalter, Haustechnik, Lichtsteuerung, Lichttechnik, Sonnenschutzsteuerung, Heizung, Raumlufttechnik, Energie liefern, erfassen und abrechnen auf Baulinks
- Literatur / Bücher zum Thema Gebäudeautomation, Elektroinstallation bei Baubuch / Amazon.de
- Schreiben Sie Ihre Erfahrungen / Meinung dazu: Bau-Forum