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Bericht vom 1. ETICS-Forum: Europa ist ein Wachstumsmarkt für WDVS

(6.10.2010) Das "1st International ETICS Forum" des Europäischen Verbandes für Wärmedämm-Verbundsysteme (EAE) fand am 29.9.2010 in Brüssel statt. Mehr als 250 Teilnehmer aus allen Mitgliedsländern erlebten interessante Vorträge und Statements zu den politischen Rahmenbedingungen in Europa, zur Regulierungssituation, zu Innovationen und Technik sowie zu den unterschiedlichen Situationen in den Märkten der Mitgliedsländer. Gemeinsames Fazit: WDVS stehen in der europäischen Bauwirtschaft für höhere Energieeffizienz, mehr Klimaschutz und ökonomisches Wachstum.


Das Ziel der Veranstaltung, eine grenzüberschreitende Informationsplattform für die europäische WDVS-Branche zu schaffen, wurde nach übereinstimmenden Aussagen von Referenten und Teilnehmern voll erreicht. "Ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich mit der EAE und dem Thema WDVS auf die europäische Bühne begeben haben", sagte Michaela Holl in ihrem Grußwort, das sie in Vertretung von EU-Energiekommissar Günther Öttinger an die Gäste richtete. Dieser war parlamentarisch in gleicher Sache in Brüssel eingebunden. "Insofern ist das der ideale Zeitpunkt für die Veranstaltung, denn Energieeffizienz steht bei den europäischen Gremien ganz oben auf der Agenda", so Holl, die in der EU-Kommission für Energie zuständig ist.

EAE-Vize-Präsident Dr. Clemens
EAE-Vize-Präsident Dr. Clemens
Michaela Holl
Michaela Holl  
  
EAE-Präsident Lothar Bombös
EAE-Präsident Lothar Bombös

Bevor es in die einzelnen Schwerpunktbereiche ging, stellte EAE-Vize-Präsident Dr. Clemens von Trott den Verband in seiner derzeitigen Organisationsstruktur vor und beschrieb kurz die vier wichtigsten Arbeitsfelder, denen man sich in den 13 Mitgliedsländern widmet:

  • Qualität im System durchgängig gewährleisten
  • Marktzuwächse erzielen
  • Forschung und Prüfverfahren angleichen und Standards verbessern
  • technische und politische Lobbyarbeit für einen höheren Stellenwert von WDVS bei den europäischen Entscheidungsträgern.

Directive on Energy Performance of Buildings (EPBD)

Michaela Holl (EU-Kommission) und Richard Seeber als Vertreter des EU-Parlaments skizzierten in ihren Beiträgen den aktuellen Stand rund um die Directive on Energy Performance of Buildings (EPBD). Diese Rahmenrichtlinie wurde im Juni 2010 veröffentlicht und soll 2012 in Kraft treten. Damit erreiche man künftig alle Gebäude in Europa, so Holl, bislang seien nur 27% durch die bestehenden Regelungen erfasst. Inhaltlich schreibt die Rahmenrichtlinie u.a. vor, Neubauten künftig als "Fast-Null-Energie-Haus" zu errichten. Die EU befasse sich aktuell vor allem mit der Kostenoptimierung bei energetischen Gebäudesanierungen. "Hier muss die Gesamtlebenszeit in die Berechnung einfließen", so Holl, "nicht nur die Anfangsinvestition!" Richard Seeber unterstrich die Bemühungen des EU-Parlaments, "Unverbindlichkeiten" in den Regulierungen zur Energieeffizienz zu konkretisieren. Er wies zugleich auf die Notwendigkeit zur Vernetzung des Themas mit der Agrarpolitik auf EU-Ebene hin, als Beispiel nannte er etwa ökologische Dämmstoffe.

Marktsituation für WDVS

Einen umfassenden Überblick über die Marktsituation für WDVS in Europa gab EAE-Präsident Lothar Bombös. Energieeffizienz und Klimaschutz, Ökologie und Nachhaltigkeit fördern nach seiner Aussage ebenso die Nachfrage nach WDV-Systemen wie der wachsende Modernisierungsmarkt und der Trend zu Rahmenbaukonstruktionen im Fertigbau, bei dem ebenfalls WDV-Systeme zum Einsatz kommen. Risiken für die Branche könnten liegen ...

  • in der Verknappung bzw. Verteuerung von Rohstoffen,
  • im Zurückfahren von Förderprogrammen und
  • in der zum Teil uneinheitlichen Verarbeitungsqualität.

Gerade am letzten Punkt zeige sich die Notwendigkeit gemeinsamer Anstrengungen der EAE-Mitglieder mit dem Ziel, in 2011 eine länderübergreifende Verarbeitungsrichtlinie umzusetzen. Bombös: "Wir müssen zudem alles tun, um in den Ländern die ausschließliche Bauausführung mit einem System eines Anbieters durchzusetzen."

WDVS in Frankreich

Gerard Fleury hat als beratender Ingenieur in Frankreich einen guten Überblick über den dortigen Markt. Er schilderte die im Vergleich zu anderen Ländern in Europa recht bescheidene Ausgangssituation für WDVS in seinem Land. Historische Gründe und Vorlieben für bestimmte Bauweisen sieht er als Ursachen: "WDVS haben keine richtige Tradition in Frankreich." Das soll sich ab 2012 ändern, wenn eine neue gesetzliche Regelung die Hausbesitzer zu mehr Energieeffizienz anhält. Die darin festgeschriebenen Werte seien mit WDVS sehr gut zu erreichen, so Fleury. Angestrebt wird eine Senkung des durchschnittlichen Primärenergiebedarfs bei Gebäuden von bisher 120 kWh/a auf maximal 50 kWh/a. Nach einem Plus von 22% in 2009 prognostizierte Fleury auch für dieses Jahr und die nähere Zukunft ein "signifikantes Wachstum für WDVS in Frankreich."

Globale Trends

Die globalen Trends - wie sie schon Lothar Bombös beschrieben hat - sind auch nach Meinung von Prof. Dr. Klaus Sedlbauer, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, "Innovationsbeschleuniger für die Baubranche." Energieeffizienz weiter zu verbessern sei für ihn vorrangig vor dem Ausbau erneuerbarer Energien. Bezogen auf WDVS blieben Dämmstoffdicken ebenso im Fokus der Innovationsentwicklung innerhalb der Branche wie die Optimierung der Wärmeleitfähigkeitswerte. Die Branche können vom Trend zu Plus-Energiehäusern profitieren, so Sedlbauer: "Die Zukunft von WDVS hat schon längst begonnen!"

WDVS in Belgien und den Niederlanden

In den folgenden beiden Referaten von Yves Grégoire (Entwicklungschef des Belgian Building Research Institute) und Chris Zijderveld (Präsident der Stiftung Passivhaus in Holland) erhielten die Forums-Teilnehmer detaillierten Einblick in die Marktsituation und die technischen Standards beim Einsatz von WDVS in Belgien und den Niederlanden. Beide Staaten bewegen sich hier auf hohem Niveau, wie die Referenten anhand zahlreicher Objektbeispiele dokumentieren konnten.

Environmental System Declarations für WDVS

Anschließend präsentierten Prof. Dr. Horst Bossenmayer, Präsident des Instituts Bauen und Umwelt, und Johannes Kreissig (PE International) die aktuellen Regulierungen für die ökologische Bewertung von Gebäuden in Form von Environmental Product Declarations (EPD) und Environmental System Declarations (ESD). Erstmalig in Europa wurden die ESD für WDVS vorgestellt. Dieses Zertifikat soll künftig Qualität und Systemtreue nachhaltig im Markt verankern.

Maxwell Hutchinson
Maxwell Hutchinson  

Den Abschluss des 1. Europäischen ETICS-Forums bildete der Vortrag des durch TV und Presse bekannten britischen Architekten Maxwell Hutchinson. Sein Bekenntnis zu energiesparendem Bauen mit WDVS war mehr als ein Appell. Es wurde deutlich: WDVS ist für alle Architekten in Europa eine sehr gute Gelegenheit, Gestaltungsvielfalt, Ökologie und Ökonomie harmonisch miteinander zu verbinden. Sein Credo "ETICS is amazing, is live changing" wird vielleicht noch lange in den Köpfen der Teilnehmer nachklingen.

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