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Warum Blindenleitsysteme aus Hochleistungsbeton?

(20.12.2010) Zuvor schneeweiße Platten sind schmutzig-grau, ihre Rillen so abgenutzt, dass sie kaum noch zu erkennen sind. In vielen Großstädten wie Berlin sind erst wenige Jahre alte Orientierungshilfen für Blinde und Sehbehinderte auf weiten Strecken stark beschädigt - für die Betroffenen wird damit der alltägliche Gang zur Gefahr, da sie sich ohne diese visuellen und taktilen Hilfen kaum noch sicher bewegen können.


Die Situation in Berlin ist vielerorts fatal: Erst fünf Jahre alte Platten aus Normalbeton sind zerstört, weil sie die Witterung gerade im Winter nicht aushalten. Zudem sind sie so verschmutzt, dass sie sich von der Umgebung farblich nicht mehr abheben.

Gerade jetzt im Winter setzen Witterung, Frost- und Tauwetter sowie Salze dem Beton im hohen Maße zu. Die beschädigten Platten an Kreuzungen und Überwegen sind zudem oft Stolperfallen für Fußgänger, vor allem aber für Kinderwagen und Rollstühle. Für den Millionenschaden, den der Zustand des Materials verursacht, muss letztendlich die Stadt aufkommen. Tiefbauämter lehnen diese Platten inzwischen ab, die Senatsverwaltung verspricht für die Zukunft Besserung. Eine Arbeitsgruppe des DIN-Instituts hat unter Mitwirkung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands eine neue Norm erarbeitet, die strengere Maßgaben für Bodenindikatoren im öffentlichen Raum festlegt.

"Die Winterschäden sind für blinde und sehbinderte Menschen ein erhebliches Risiko. Sie sollten so schnell wie möglich beseitigt werden." Dr. Klaus Behling, Mitglied des Gemeinsamen Fachausschusses Umwelt und Verkehr der Blindenselbsthilfe (DBSV), ist verärgert. Kaum älter als fünf Jahre sind viele der Rillenplatten in Berlins Straßen, doch teilweise sind sie schon jetzt nicht mehr zu erkennen. Dabei stellen sie, neben akustischen Ampeln sowie taktilen Beschriftungen und Plänen, einen wichtigen Teilbereich des Wegeleit- und Orientierungssystems im öffentlichen Raum dar. Die taktilen Bodenplatten weisen die Betroffenen auf Überwege, Haltestellen und Gefahrenpunkte hin. Mit ihnen sollen sich blinde und sehbinderte Menschen ohne fremde Hilfe in der Stadt zurechtfinden können.

Bodenplatten sind für Blinde nicht mehr ertastbar

"Vor allem an Querungsstellen sind die Bodenindikatoren oft stark beschädigt und zerbrochen. Dadurch sind sie in ihrer Leit- und Warnfunktion für blinde und sehbehinderte Menschen unbrauchbar", beschreibt Behling die Situation. "Sie sind Lücken auf ihrem Weg zur Arbeit, zum Einkauf und zu Freunden. Wichtige Kreuzungen sind nicht mehr sicher, zum Teil ist es gar nicht möglich, sie zu überqueren." Die Folge: Weil ihnen die entsprechenden Leitmuster fehlen, müssen die Menschen neue Strecken suchen und erlernen. Jedoch bergen neue Wege meist wieder andere Unsicherheiten und unbekannte potentielle Gefährdungen, warnt Behling.

Ein weiterer Faktor ist die Farbgebung des Materials. Menschen, die nicht blind sind, aber stark eingeschränkte Sehfähigkeiten haben, brauchen farbliche Kontraste, um sich zu orientieren. Die Leitsysteme im Boden heben sich aus diesem Grund in der Regel entweder durch weiße oder durch schwarze Kolorierung vom eigentlichen Belag ab. Hier besteht laut Behling eines der größten Probleme: Vielfach ist ein Kontrast kaum auszumachen, da die Platten im Laufe der Zeit das gleiche Grau angenommen haben wie Straße und Gehweg. Somit sind sie oft nicht nur mit dem Blindenstock schwer zu ertasten, auch visuell stellen sie keine Hilfe dar. Behling kritisiert: "Auch der taktile Kontrast ist häufig unzureichend. Es sind nicht die Profile mit den neuen größeren Maßen, die schlecht sind, sondern die Platten werden in zu rauhem Umgebungsmaterial falsch verlegt und sind daher mit dem Blindenstock nicht zu erkennen."

Eine hohe Dichte des Betons verhindert, dass sich Schmutz absetzt und das Material zersetzt

"Normalbeton ist auch bei höherer Qualität so porös, dass er mit der Absorption von Wasser immer einen Anteil Schmutz mit aufnimmt", erklärt Konrad Schäfer, Geschäftsführer von REC Bauelemente, das Phänomen der Verfärbung. Anders als Wasser kann Schmutz, der sich mit den Regentropfen in den Kapillaren des Betons absetzt, nicht verdunsten und bewirkt dadurch die Vergrauung des Materials.

Um das zu verhindern, verwendet beispielsweise die Berliner REC Bodenplatten GmbH Hochleistungsbeton. Die besonders hohe Dichte des Materials soll die Diffusion erschweren und so verhindern, dass sich Schmutzteilchen in den Kappilaren ablagern. Zudem benutzt das Unternehmen das Bindemittel Flowstone von Dyckerhoff sowie Additive, welche die Wasserabsorption verringern und eine Selbstreinigung bewirken. Diese Platten sind bereits an vielen Stellen in Berlins Straßen eingesetzt und gelten für den Deutschen Blinden- und Sehbindertenverband (DBSV) als positives Beispiel. Im Gegensatz zu vielen anderen Leitsystemen sehe man ihnen die tägliche Nutzung und die Witterung nicht an.


Auch diese Platten sind fünf Jahre alt, eine Abnutzung ist hier aber kaum zu erkennen. Das Material, ein widerstandsfähiger Hochleistungsbeton, nimmt den Schmutz aus Regen und Luft nicht auf, so dass die weiße Farbe erhalten bleibt.

Betroffene schlagen Alarm, Verantwortliche versprechen Besserung

Um dem Problem auf den Grund zu gehen und solche Fehlinvestitionen für die Stadt in Zukunft zu vermeiden, haben Behling und der DBSV Bodenindikatoren getestet und gemeinsam mit verschiedenen Herstellern, darunter die REC Bauelemente, Lösungen entwickelt. Die Ergebnisse, die eine bessere Erkennbarkeit und Wegeleitung ermöglichen sollen, fasste Behling anschließend in der DIN 32984 "Bodenindikatoren im öffentlichen Raum" zusammen. "Wir haben festgestellt, dass Blindenleitsysteme häufig normwidrig und mit überwiegend ungeeigneten Bodenindikatoren gebaut werden", erklärt er darin die Notwendigkeit einer Überarbeitung. Nun sind vor allem die Maße der Rippen und Noppen auf den Platten festgelegt, um einheitliche Höhen, Breiten und Abstände festzulegen, damit die Betroffenen bekannte Strukturen auch an unbekannten Orten leicht wiedererkennen können.

Der Unterschied zwischen den verschiedenen Materialien hat auch die Tiefbauämter hellhörig gemacht. "Viele lehnen die normalen Betonplatten inzwischen vehement ab, da das Verhältnis zwischen Preis, Leistung und Gebrauch nicht stimmt", berichtet Schäfer. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat die entsprechende DIN-Norm und damit die Anforderungen an die Blindenleitplatten innerhalb Berlins verschärft. Während nach der Frost- und Tausalzprüfung eine Abwitterungsmenge von 1.200 Gramm pro Quadratmeter erlaubt war, ist der Wert inzwischen auf maximal 200 g/m² herabgesetzt. Die folgenreichen Schäden aus der Vergangenheit werden dafür sorgen, dass zukünftig besonders darauf geachtet wird, diese Forderungen auch einzuhalten.

Weitere Informationen zu Blindenleitsystemen aus  Hochleistungsbeton können per E-Mail an REC Bauelemente angefordert werden.

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