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Deutscher Verzinkerpreis 2011 verliehen

(24.10.2011) Der Industrieverband Feuerverzinken hat am 20. Oktober 2011 zum 12. Mal den Deutschen Verzinkerpreis für Architektur und Metallgestaltung verliehen. Seiner mehr als 20-jährigen Tradition folgend wurden auch bei der diesjährigen Preisvergabe wieder herausragende Architekturen und Objekte der Metallgestaltung in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Erstmals wurde der Preis in zwei getrennten Kategorien und mit einem auf 15.000 Euro erhöhten Preisgeld vergeben.


einer der beiden ersten Preise: Neubau Ganztagesbereich der Werner-von-Siemens-Schule in Bochum (Bild vergrößern)

Mit 67 eingereichten Projekten und Objekten, die ganz oder in wesentlichem Umfang feuerverzinkt sind, fand der Preis in der Fachwelt erneut eine große Resonanz. Der zehnköpfigen, unabhängigen Jury unter Vorsitz von Prof. Manfred Hegger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, wurden die Einreichungen zur Beurteilung und Bewertung vorgelegt.

Die eingereichten Bewerbungen offenbarten das breit gefächerte Anwendungsspektrum von feuerverzinktem Stahl und die Bedeutung des Feuerverzinkens vor allem, unter den Aspekten Nachhaltigkeit, Dauerhaftigkeit und Ästhetik. Einstimmig vergab die Jury in der Kategorie Architektur zwei erste Preise, einen dritten Preis und zwei Anerkennungen sowie in der Kategorie Metallgestaltung einen ersten Preis und eine Anerkennung.

Kategorie Architektur: Erste Preise

Preisträger: Reiser + Partner Architekten BDA, Bochum
Objekt: Neubau Ganztagesbereich der Werner-von-Siemens-Schule in Bochum

Kommentar der Jury: In seiner kubischen Gesamtform greift der Neubau des Ganztagsbereichs Bezüge zum benachbarten Schulbau aus den siebziger Jahren auf (siehe Google-Maps und/oder Bing-Maps), interpretiert diese jedoch eigenständig und in einer zeitgemäßen Architektur.

Die Jury war besonders beeindruckt von der Fassaden­ver­kleidung des Neubaus. Großformatige, feuerverzinkte Stahlbleche (2700 x 1500 mm), 3 mm stark, erfüllen wichtige Anforderungen. Sie sind ausgesprochen preiswert und dabei dennoch sehr widerstandsfähig und dauerhaft. Aus Kostengründen wurde auf eine Kantung der Bleche und eine unsichtbare Aufhängung verzichtet. Die Bleche sind auf einer thermisch entkoppelten Unterkonstruktion verschraubt und eignen sich als vergleichsweise leichte Außenschale auch für heute gebräuchliche, dicke Dämmschichten. Der Montageprozess dürfte dank Vorfertigung und Formatgrößen unproblematisch gewesen sein. Die hohe Materialeffizienz, Demontagefreundlichkeit und Dauerhaftigkeit stellen wichtige Argumente in der Nachhaltigkeitsdiskussion zum Bauen dar.

Durch hohe Präzision in Detaillierung und Fugenbild, besonders aber die bewusste Einbeziehung der Zinkblume und weiterer produktions- und transportbedingter Zufälligkeiten in das Erscheinungsbild der Fassade sind besonders benennenswert. Dies macht für den aufmerksamen Betrachter nachvollziehbar, welch hohe Lebendigkeit und Unverwechselbarkeit dieser spannungsvolle Kontrast zum Waschbeton des Bestandgebäudes besitzt.

Preisträger: Hartwig Schneider Architekten, Stuttgart
Objekt: Galerie Stihl Waiblingen und Kunstschule Unteres Remstal

Kommentar der Jury: An der Nahtstelle zwischen Altstadt und Rems ist ein Kunstquartier entstanden, das den Raum zwischen Stadt und Fluss neu ordnet (siehe Google-Maps, Panoramio und/oder Bing-Maps). Zwei Gebäude auf rechteckig-trapezförmigen Grundriss mit gerundeten Außenwänden und Kanten nehmen eine Kunstschule und ein Ausstellungsgebäude auf. Die Anordnung der Gebäude öffnet zwei Plätze - den zur Stadt orientierten Museumsplatz sowie die sich zum Fluss öffnende Rems-Terrasse.

Beide Gebäude wirken auf den ersten Blick einheitlich. Flächen aus feuerverzinktem Streckmetall wechseln sich mit Gussglaselementen ab. Durch die äußere Hellschicht ist das Innere der Gebäude mit ihren unterschiedlichen Nutzungen zu erkennen, die hinter der zweiten Schicht der Fassade liegen. Die streckmetallverkleideten Lamellen und Tore filtern das Licht, ermöglichen Ausblicke und schaffen den räumlichen Bezug zwischen innen und außen.

Die ursprünglich aus dem Industriebau stammenden Materialien feuerverzinkter Stahl und Gussglas kamen präzise und detailliert zum Einsatz und werden dadurch modifiziert. Aus der Industrie-Ästhetik werden Räume für die Kunst.

Kategorie Architektur: Dritter Preis

Preisträger: ARGE Ahlbrecht-Scheidt-Kasprusch, Essen sowie Ingenieurbüro SchülkeWiesmann, Dortmund
Objekt: St. Antony Oberhausen - Wiege des Ruhrgebiets


Kommentar der Jury: Auf dem Gelände der St. Antony Hütte in Oberhausen wurde vor ca. 250 Jahren der erste Hochofen im Revier errichtet (Google-Maps und/oder Bing-Maps). Zum Schutz der archäologisch ergrabenen und wissenschaftlich aufbereiteten Gebäudereste und -spuren wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, den die Architekten Frank Ahlbrecht und Hermann Scheidt, Essen, gewannen. Die gewählte Schalenkonstruktion aus Metall wurde im Rahmen der Realisierung weiterentwickelt und modifiziert. Sie wird auf vier Punkten gelagert und überdeckt eine Fläche von ca. 40 x 18 m:

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Die Schale besteht aus 5 mm starken, feuerverzinkten Blechschindeln, deren Endseiten um jeweils ca. 150 mm auf- bzw. abgekantet wurden. An diesen Auf- und Abkantungen werden die Schindeln miteinander verschraubt. Hierdurch entsteht eine Versteifung, die zu einer Rippenschale führt. Auf der Schalenoberseite verlaufen die Rippen in Längs- und an der Unterseite in Querrichtung. Alle Blechschindeln und die Randverstärkungen der Schale wurden nach der Fertigung feuerverzinkt, so dass ausschließlich Schraubverbindungen zum Einsatz kamen und ein nachhaltiger, dauerhafter Korrosionsschutz gewährleistet wird. Die feuerverzinkte Oberflächenausbildung liefert auf der Ober- und Unterseite der Schale den technischen Charme, verbunden mit dem typischen lebhaften metallischen Farbbild.

Kategorie Architektur: Anerkennungen

Preisträger: ingenhoven architects, Düsseldorf
Objekt: Oeconomicum der Universität Düsseldorf, Düsseldorf

Kommentar der Jury: Das neue Oeconomicum auf dem Campus der Universität Düsseldorf bietet Raum für die Lehrstühle der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, das Dekanat und das Prüfungsamt. Trotz seiner aus dem umfangreichen Raumprogramm resultierenden Baumasse und der präsenten Lage am Universitätssee (siehe Google-Maps) schaffen ingenhoven architects eine gelungene Ergänzung innerhalb des heterogenen Universitäts-Campus:

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Die feuerverzinkten Streckmetallbleche, die bandartig die Nordseite, die Dachuntersichten und die gesamte Dachfläche strukturieren, stehen im eindrucksvollen Wechselspiel mit der offenen, lichten Fassade zum Universitätssee hin. Die aufgeständerte Konstruktion des Baus umfasst das dreigeschossige Oeconomicum wie eine Klammer. Nach Norden hin behütend und schließend, nach Süden und zum See hin sich wie ein Schiffsdeck öffnend - hell, fast maritim. Das Projekt ist ein Beispiel gelungener zweckgebundener Architektur im Universitätsbereich, das Schule machen sollte.

Preisträger: Kaspar Kraemer Architekten BDA, Köln
Objekt: Hochwasserpumpwerk, Köln

Kommentar der Jury: Das Hochwasserpumpwerk Schönhauser Straße entstand im Zuge des erweiterten Hochwasserschutzkonzeptes der Stadt Köln (siehe Google-Maps und/oder Bing-Maps). Es soll sicher stellen, dass das geklärte Ab- und Regenwasser auch in Hochwassersituationen rückstaufrei in den Rhein geleitet wird. Das aus einem Hoch- und Tiefbauteil bestehende Gebäude wurde durch eine fließende Gebäudemodulation in den Landschaftsraum Rheinstrom integriert.

Der Hochbauteil wurde als Betonkörper realisiert und mit einer hinterleuchteten und vandalismussicheren Gitterrostfassade aus feuerverzinktem Stahl umkleidet. Hierdurch wurde der Bau über seine eigentliche Funktion hinaus zu einer Landmarke und einem echten Highlight der Kölner Rheinpromenade. Das Hochwasserpumpwerk der Kaspar Kraemer Architekten zeigt, dass Funktionsbauten mit einer hohen architektonischen Qualität realisiert werden können. Es erhält eine verdiente Anerkennung.

Kategorie Metallgestaltung: Erster Preis

Preisträger: Gradinger & Gradinger GBR - Werkstatt für Metallgestaltung, Mainz
Objekt: Toranlage des Kath. Pfarramt St. Georg, Nieder-Olm

Kommentar der Jury: Die Toranlage der Werkstatt für Metallgestaltung Gradinger & Gradinger präsentiert sich als formal und handwerklich vorbildliche Interpretation einer in seiner äußeren Formgebung klassisch eingefassten Toranlage. Die schnörkellos grafische Rhythmisierung der Fläche ergibt aus den unterschiedlichen Blickwinkeln den mal verschlossenen, dann durchlässigen Charakter.

Die traditionellen konstruktiven Elemente wie Horizontalgurt und Diagonalverspannung sind durch den Einsatz von Laserschneid- und Schweißtechniken gefügt. Gradinger & Gradinger zeigen in vorbildlicher Art und Weise wie auf der Grundlage fundierten handwerklichen Wissens und Könnens aktuelle Bearbeitungstechniken eingesetzt werden können, ohne sich formal in den Vordergrund zu spielen und so zum Handwerkszeug werden. Der Entwurf fügt sich in seiner Ausführung sensibel in die umgebende Architektur ein.

Kategorie Metallgestaltung: Anerkennung

Preisträger: Metallbau und Kunstschmiede Schwarz, Hetschburg
Objekt: Restaurierungen an der Gedenkstätte Buchenwald

Kommentar der Jury: Weithin sichtbar erhebt sich auf dem Ettersberg bei Weimar ein Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. An den notwendigen Restaurationsarbeiten ist Metallgestalter Andreas Schwarz seit Jahren beteiligt. Seiner handwerklich ausgezeichneten Arbeit und der großen Sachkunde ist der Erhalt der Schmiedearbeiten in diesem Stil zu verdanken. Insbesondere der Glockenturm und das Lagertor wurden originalgetreu restauriert und wiederhergestellt. Mit großem Einfühlungsvermögen hat er Elemente ergänzt, nachgearbeitet und sich bei Neuanfertigungen der federführenden Gestaltungslinien untergeordnet. Für seine umfangreiche Arbeit bei der auf den Korrosionsschutz durch Feuerverzinken gesetzt wird, spricht die Jury der Metallbau und Kunstschmiede Andreas Schwarz eine besondere Anerkennung aus.

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