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Maßgeschneiderte Schallösungen für das Bauen im Bestand

(20.12.2011) Bestandsumbauten setzen ganz eigene Prioritäten. Eine durchdachte Planung und maßgeschneiderte Problemlösungen sind das A und O für das Gelingen solcher Projekte. So auch beim Komplettumbau des Kölner Hochhauses „maxCologne“ im Stadtteil Deutz (siehe Bing-Vogelperspektive und/oder Google-Maps). Der direkt am Rhein liegende ehemalige Firmensitz der Deutschen Lufthansa aus dem Jahr 1969 wird zu einer Büroimmobilie mit 45.000 m² Mietfläche in Neubaustandard verwandelt. Mit der Planung und Materiallieferung für die anspruchsvollen Schalungsaufgaben wurde Harsco Infrastructure von der bauausführenden Hochtief Construction AG beauftragt.

Die Aufgaben für die Schalungsplaner sind vielfältig, denn das aus den Bauteilen Turm, Riegel und Sockel bestehende Bürohochhaus "maxCologne" wird bis 2012 vollständig entkernt, umgebaut und vergrößert. Sämtliche neuen Bauteile werden in Massivbau­weise mit Unterzugdeckensystemen und Stahlbetonstützen herstellt. So wird der 95 m hohe Gebäudeturm im Nord- und Südbereich erweitert und in den Ebenen 16 bis 19 aufgestockt. Es werden Deckenflächen ausgeschnitten und die Ränder neu betoniert. Über dem Untergeschoss U02 und dem Erdgeschoss E01 ist der Einbau zusätzlicher Decken geplant. Außerdem müssen diverse Decken- und Wandflächen hergestellt werden. Schalungstechnisch besonders anspruchsvoll ist der nachträgliche Einbau eines Aufzugsschachtes über 20 Etagen, dessen Betonage unterhalb der Bestands­decken erfolgt.


Deckenranderweiterung
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Der Gebäuderiegel - die sogenannten Rheinetagen - wird ebenfalls in Teilen erweitert und um aufwändige Decken-Aus­kragungen ergänzt, die teils von geneigten Stahlbetonstützen aus Sichtbeton abgefangen werden. Die Schalungsaufgaben im Einzelnen:

  • Deckenränder (b = 35 cm) mit Hilfe objektbezogener Deckentische ergänzen,
  • Abfangung von Decken um Unterzüge ergänzen,
  • Herstellung einer halben neuen Decke in Ebene 06,
  • Herstellung einer komplett neuen Decke in Ebene 07,
  • Herstellung gerader und schräger Sichtbetonstützen,
  • diverse Erweiterungsflächen im Süd- und Nordteil.

Vergleichsweise einfach gestalten sich die Schalungsaufgaben am Sockel, der zum großen Teil abgerissen wurde. Hier ent­steht als Neubau eine Tiefgarage mit drei Ebenen. Schalungstechnische Besonderheit: Wegen der direkten Nachbarschaft zum Rhein werden in die Treppenhäusern der Tiefgarage Bodenkanäle mit Wassersperren betoniert.

Produktpalette kreativ nutzen

Wegen der Vielfältigkeit der Aufgabenstellungen nutzen die Planer von Harsco Infra­structure nahezu die komplette Produktpalette des Unternehmens: Von der hand­bedienbaren Rasto-Wandschalung über den Stahlrahmen-Deckenschaltisch Topmax (siehe auch Beitrag "Neuartiger Stahlrahmen-Deckentisch verspricht mehr Effizienz" vom 5.1.2010) und objektbezogene H20-Deckentische bis hin zur Fassadenschalung ist alles im Einsatz, womit sich die einzelnen Aufgabenstellungen wirtschaftlich und vor allem sicher lösen lassen. Lösungen von der Stange sind bei diesem Einsatz allerdings weniger gefragt. Vielmehr Ideenreichtum und die geschickte Kombination von Stan­dardkomponenten zu Sonderlösungen, die bei diesem Projekt rund 60 Prozent der Schallösungen ausmachen. Beim Bauen im Bestand liegen die Tücken halt vielfach im Detail.

Entsprechend hoch ist der zeitliche Aufwand, den die Schalungsplaner in die Entwick­lung, Abstimmung und zeichnerische Umsetzung ihrer Lösungen stecken. Seit Septem­ber 2010 sind bei Harsco Infrastructure rund 100 Pläne entstanden, Einzelstatiken erstellt und für die Süderweiterung am Bauteil Riegel eine prüffähige Statik erarbeitet worden. Zudem findet fast jede Woche auf der Baustelle eine Planungsabstimmung statt.

Sicherheit an erster Stelle


Fassadenschalung
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Die Hochtief-Bauleiter sind sich einig: „Sicherheit hat für uns hier auf der Baustelle höchste Prioriät. Darum haben wir uns beispielsweise beim Bau der Erweiterungsflächen für den Ein­satz der Harsco-Fassadenschalung entschieden.“ Bei diesem speziellen Einsatz, bei dem der Turm an der Nord- und Süd­seite um 475 m² erweitert wird, dient die Fassadenschalung als sichere Fassadeneinrüstung über zwei Etagen. Die einzel­nen Elemente der Harsco-Fassadenschalung bestehen in diesem Fall aus 12 m hohen vertikalen Stahlriegeln (zwei jeweils 6 m lange 140er Doppel-U-Profile, die per Kupplung verbunden sind), die mit horizontal angeordneten Gerüstrohren zu einer Absturzsicherung ergänzt sind. Weil mit dieser Kon­struktion stets zwei der jeweils 4 m hohen Etagen gleichzeitig eingerüstet sind, kann in der unteren Etage bequem und sicher ausgeschalt werden, während gleichzeitig im darüberliegenden Geschoss die Einschalarbeiten (Deckenflächen und Stützen) stattfinden. So geht es Takt für Takt über 20 Etagen bis auf 85 m Höhe. Als Deckenschalung für den Erweiterungsbereich wird die trägerlose Modulschalung Topec eingesetzt; die Unterzüge werden mit der Holzträgerschalung Topflex hergestellt.

Eine ganz typische Herausforderung für das Bauen im Bestand ist sicherlich der bereits erwähnte nachträgliche Einbau des Aufzugsschachtes im Hochhaus. Um hierbei ein versetztes Arbeiten zu ermöglichen, haben Bauleitung und Schalungsplanung eine besondere Vorgehensweise entwickelt. Während ein erster Schalsatz im EG zunächst den Abbruch einer Decke abwarten musste, kletterte ab dem 5.OG bereits eine zweite komplette Wandschalungsvorhaltung. Dazu wurden Stahlträger über die vorhandene Schachtöffnung gelegt und mit Türmen aus ID15-Rahmenstützen eine neue Schalebe­ne erstellt. Bei der Wandschalung handelt es sich um eine handbedienbare Rasto-Schalung, die bequem von Stockwerk zu Stockwerk transportiert werden kann und sich optimal zum Betonieren unterhalb der Bestandsdecken eignet.

Doch nicht allein der Turm, auch das Bauteil Riegel wird grundlegend umgebaut: Beispielsweise werden alle Deckenränder um 35 cm nach außen erweitert. Für diese Deckenrand-Erweiterungen werden H20-Deckentische eingesetzt, die exakt an die vorhandene Bauwerksgeometrie angepasst sind. Sie lassen sich bequem und sicher mit der Umsetzgabel auf- und umsetzen.

Für die Süderweiterung am Bauteil Riegel haben die Schalungsplaner von Harsco Infra­structure die Planung der benötigten Deckenschalung erarbeitet. Die neuen Decken werden an vorhandenen hängenden Stahlverbundstützen unter die bestehenden aus­kragenden Decken gehängt. Eine besonders knifflige Angelegenheit, weil die Summa­tion der Lasten aus allen drei Deckenebenen sowie die beim Betonieren auftretenden Horizontalkräfte abgeleitet werden müssen. Die Lösung: Durch Rückverankerung wer­den die Horizontalkräfte in die Bestandsdecken geleitet. Die Vertikalkräfte werden von einem Traggerüst aus ID15-Türmen (Rahmenstützen) aufgenommen, das bei diesem Einsatz mit Stiellasten von bis zu 45,8 kN beaufschlagt wird.

Weitere Informationen zu Schallösungen für das Bauen im Bestand können per E-Mail an Harsco Infrastructure angefordert werden.

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