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(K)ein Mangel an Ingenieuren in Deutschland?

(18.3.2012) Die Klagen über einen alsbald eintretenden Mangel an Ingenieuren in Deutschland ebben nicht ab. Jüngst hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) er­klärt, dass wegen des hohen Durchschnittsalters der Ingenieure ein enormer Ersatz­bedarf entstehen werde. „Diese Befürchtung kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Die Ergebnisse der DIW-Studie weichen stark von den Angaben des VDI ab. „Das Durchschnittsalter der Ingenieure ist in den letzten zehn Jahren zwar etwas gestiegen, im Schnitt sind Ingenieure aber jünger als andere Akademiker“, so Brenke. „Der gegenwärtige Run auf ingenieurwissenschaftliche Studienplätze lässt eher ein Überangebot an solchen Fachkräften erwarten.“

Seit Jahren beklagt der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) einen Mangel an Ingenieu­ren in Deutschland. Mit seinen jüngsten Zahlen gibt er an, dass das Durchschnittsalter der Ingenieure bei gut 50 Jahren liege und daher in den nächsten 10 bis 15 Jahren die Hälfte aller Ingenieure in den Ruhestand wechseln werde. Hieraus leitet der VDI schon heute einen jährlichen Ersatzbedarf von 40.000 Ingenieuren ab. „Diese Forderungen kann ich nicht nachvollziehen“, so Karl Brenke, der die VDI-Angaben den Daten des Mikrozensus und der Bundesagentur für Arbeit gegenübergestellt hat.

DIW kann keine ausgeprägte Überalterung bei erwerbstätigen Ingenieuren erkennen

Laut Mikrozensus waren 2008 in Deutschland rund 750.000 Ingenieure tätig. Ihr Durchschnittsalter lag bei 43,3 Jahren. Weniger als ein Drittel von ihnen war 50 Jahre und älter. „Obwohl Ingenieure durch ihre lange Ausbildungsdauer vergleichsweise spät in den Arbeitsmarkt eintreten, liegt der Altersdurchschnitt nicht höher als bei anderen akademischen Berufen“, so der DIW-Experte. Da es in den letzten Jahren keine radi­kalen politischen Maßnahmen oder Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure gegeben habe, geht der DIW-Experte davon aus, dass sich die Altersstruktur der In­genieure allenfalls geringfügig verschoben haben kann. „Ich halte es nicht für realis­tisch, dass von 2008 bis heute das Durchschnittsalter um sieben Jahre auf 50 bis 51 Jahre gestiegen ist“, so Brenke. Dies wird auch durch die aktuelle Beschäftigtenstatis­tik der Bundesagentur für Arbeit von Juni 2011 gestützt.

DIW Berlin erwartet einen Ersatzbedarf von höchstens 20.000 Ingenieuren

„Ein jährlicher Bedarf von 40000 Ingenieuren - allein um die Ruheständler zu erset­zen - ist aus den vorliegenden Zahlen nicht realistisch abzuleiten“, so Brenke, „denn dann müssten alle erwerbstätigen Ingenieure, die heute 50 Jahre und älter sind, inner­halb von 5½ Jahren in den Ruhestand wechseln.“ Das DIW Berlin geht von einem etwa halb so großen Ersatzbedarf an Ingenieuren für die kommenden Jahre aus. „Wenn man fair rechnet, kommt man auf ungefähr 20000 Personen, die jedes Jahr aus Altersgrün­den ausscheiden“, sagt Brenke.

Künftiger Bedarf lasse sich durch Uniabsolventen decken

Aufgrund des Aufschwungs nach der Finanzkrise ist die Zahl der Ingenieure insgesamt gestiegen - bei den Sozialversicherungspflichtigen zwischen 2008 und 2011 um durch­schnittlich 1,5 Prozent pro Jahr. „Diese Zuwachsrate ist zwar nicht gering, aber auch nicht viel höher als beim Durchschnitt aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten“, sagt Brenke. Dort lag sie bei 1,1 Prozent. „In den letzten Jahren hat es einen regel­rechten Run auf ingenieurwissenschaftliche Studienplätze gegeben“, so der DIW-Arbeitsmarktexperte. So haben 2010 rund 50.000 Studenten ihr Studium in einem industrienahen Ingenieurstudiengang absolviert. „Allein die Absolventen, die gegen­wärtig aus den Unis kommen, können den Gesamtbedarf an Ingenieuren decken.“ Brenke plädiert daher für eine realistischere Betrachtung des Ingenieurbedarfs im laufenden Jahrzehnt. „Der Berufseinstieg kann für junge Ingenieure zunehmend schwierig werden, wenn es eine Absolventenschwemme gibt.“

Ingenieurkammer Baden-Württemberg: "Fatales Signal durch DIW-Studie"

Der Präsident der Ingenieurkammer Baden-Württemberg, Dipl.-Ing. Rainer Wulle, ant­wortete am 15.3.2012 auf die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförde­rung (DIW) folgendes:

"Es ist nicht nachvollziehbar, wie das DIW zu der Erkenntnis gekommen ist, dass derzeit kein Ingenieurmangel bestünde und auch in Zukunft nicht bestehen würde. Aus Sicht der Ingenieure ist dies falsch. Im Februar waren laut VDI- und IW-Studie 105.700 freie Ingenieurarbeitsplätze in Deutschland nicht besetzt. Noch nie waren so viele Stellen offen.

Als Präsident der Ingenieurkammer Baden-Württemberg und als Inhaber mehrerer Bü­ros weiß ich, dass der Ingenieurmangel groß ist, insbesondere in unserem Bundesland. Seit drei Jahren fehlt in Baden-Württemberg in allen Bereichen des Ingenieurberufs Nachwuchs. Dies wird allein schon dadurch deutlich, dass unsere Mitgliedsbüros große Probleme haben, freie Stellen durch geeignete Ingenieure zu besetzen. Das hören wir als Kammer täglich.

Die Anfangsgehälter der Jung-Ingenieure, die in den letzten drei Jahren um über tau­send Euro angestiegen sind, belegen diesen Mangel. Im Baubereich klagen unsere Mitgliedsfirmen zudem darüber, dass seit drei Jahren keinerlei Initiativbewer­bungen von Absolventinnen und Absolventen mehr in den Ingenieurbüros ein­treffen.

Die Ingenieurkammer Baden-Württemberg ist im ständigen Dialog mit der Politik, um weitere Studienplätze und auch neue Ingenieurstudiengänge einzurichten, beispiels­weise an der Dualen Hochschule Mosbach. Außerdem ist es uns ein großes Anliegen, die nach wie vor hohe Abbrecherquote von etwa 35 Prozent in den Ingenieurfächern zu bekämpfen. Dafür haben wir ein Patenprogramm bei den Bau-Studiengängen ins Leben gerufen, das wir in diesem Jahr an allen Universitäten und Hochschulen im Land etablieren wollen. Das Programm bietet studienrelevante Arbeitsplätze in Ingenieur­büros bei gleichzeitiger Begleitung der Studierenden durch Mentoren (=Paten) aus der Praxis.

Um unseren wirtschaftlichen Erfolg und den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg zu sichern, brauchen wir dringend Ingenieurinnen und Ingenieure. Die DIW-Studie gibt ein fatales Signal ab gegenüber Jugendlichen, die den Ingenieurberuf ergreifen möch­ten. Doch gerade diese müssen wir ermuntern, denn allein schon durch den demogra­fischen Wandel und die schon heute absehbare Pensionierungswelle in den Ingenieur­berufen brauchen wir deutlich mehr Nachwuchs", soweit die Antwort vom Präsident der Ingenieurkammer Baden-Württemberg, Dipl.-Ing. Rainer Wulle.

Destatis: 24% mehr Studienanfänger in Ingenieurwissenschaften 2011

Im Studienjahr 2011 (Sommersemester 2011 und Wintersemester 2011/12) immatriku­lierten sich 115.800 Studienanfängerinnen und Studienanfänger für ein Studium der Ingenieurwissenschaften - das waren 24,0% mehr als im Vorjahr. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, nahmen 2011 ins­gesamt rund 516.900 Anfängerinnen und Anfänger ein Studium auf. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich damit die Zahl der Erstimmatrikulierten 2011 um rund 16,2%. Darüber hinaus ...

  • konnte in der Fächergruppe Mathematik, Naturwissenschaften im Studienjahr 2011 ein deutlicher Zuwachs von 21,1 % im Vergleich zum Vorjahr auf 90.700 Erstimmatrikulierte verzeichnet werden;
  • entschieden sich für ein Studium in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissen­schaften 168.400 Studierende (+13,5%);
  • wurden im Bereich Humanmedizin, Gesundheitswissenschaften 22.100 Personen (+12,3%) gezählt;
  • ist die Anzahl der Studienanfängerinnen und Studienanfänger auch in der Fächergruppe Sprach- und Kulturwissenschaften auf 85.300 Personen (+10,7%) gestiegen.

Seit dem Studienjahr 2006 ist die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger bis 2011 pro Jahr durchschnittlich um 8,5% angestiegen. Die Ursachen für die starke Zunahme der Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger 2011 waren sowohl doppelte Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen aufgrund der Umstellung auf die achtjährige Gymnasialzeit als auch die Aussetzung der Wehrpflicht und des Zivildienstes.

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