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Umsetzung weißer Klimaschutz-Dächer im Fokus der Bürokratie

(22.7.2012) Wie eine umweltpolitisch sinnvolle Idee von nicht mehr zeitgemäßen Bau­verordnungen ausgebremst wird; und warum Umweltminister und Bauämter jetzt ge­fordert sind, sich für den Klimaschutz zu engagieren.

Speicherung von CO₂ in der Erde, Wolkenimpfung mit Silberjodid oder Nano-Scheiben im All zur Reflektion des Sonnenlichts: Viele der im Rahmen des Geo Engineering disku­tierten Maßnahmen gegen die Erderwärmung sind unerforscht oder wirken utopisch. Dabei gibt es auch ganz einfache Ideen, die sich leicht und einfach umsetzen ließen - z.B. Gebäude mit weißen statt mit konventionell roten oder dunklen Dachflächen. Was aber macht die Politik? Statt die Idee zu fördern, stehen die Bauämter dem Ansatz skeptisch gegenüber. An diesem Widerstand droht aktuell ein weißes Klimaschutz-Dach des Ökohaus-Pioniers Baufritz zu scheitern. Statt alte Baustrukturen zu bewah­ren, bräuchte der Klimaschutz aber eher zukunftsweisende Entscheidungen.

Albedo-Effekt

Dank des so genannten Albedo-Effekts reflektieren weiße Flächen die Strahlung der Sonne. Dunkle Dachflächen dagegen absorbieren die auftreffende Sonnenenergie und heizen sich auf. Somit könnten weiße Dächer das Aufheizen von Gebäuden und sogar von Städten verlangsamen und damit den von Klimaanlagen verursachten CO₂-Aus­stoß verringern.


Bild aus dem Baulinks-Beitrag „Klima-Studie mit weißen
Dachsteinen bzw."cool roofs"
“ vom 1.3.2010

Zudem sind weiße Dächer „die einzige Idee im Rahmen des Geo Engineering, bei der es keine massiven Folgen für die Umwelt gibt“, betont z.B. Prof. Dr. Stefan Emeis vom Karlsruhe Institut of Technology. Als Mitglied der Forschungsgruppe "Regional Coupling of Ecosystem-Atmosphere Processes" bestätigt er auch den lokalen Effekt der Maß­nahme: „Die weißen Dächer hätten nicht nur einen globalen, sondern auch einen loka­len Effekt“.

Weiße Dächer reduzieren die Wärme schon, bevor sie überhaupt entsteht: „Es geht darum, CO₂ gar nicht erst entstehen zu lassen - und dazu gehören auch Maßnahmen wie z.B. weiße Dächer oder erneuerbare Energien“, erläutert Prof. Dr. Emeis diese Ansicht. Der für seinen Cradle-to-Cradle-Ansatz bekannte Prof. Dr. Michael Braungart ergänzt: „Wir müssen radikal umdenken und Produktionsprozesse gestalten, die keinen unnützen Abfall, sondern nützliche Rohstoffe hervorbringen. Der Ansatz der weißen Dächer ist dabei äußerst vielversprechend, weil er das Problem der Klima-Erwärmung an der Wurzel anpackt.“

Die Politik ist aufgefordert, sich mehr um die Ursachen zur Bekämpfung der Erwärmung zu kümmern und weniger um die Folgen.

Lokale Initiative des Holzhausunternehmens Baufritz

Das mehrfach für seine Nachhaltigkeit ausgezeichnete südbayerische Traditionsunter­nehmen hat beim Thema weiße Dächer ein erstes Zeichen gesetzt: In der Gemeinde Babenhausen wurde ein energieeffizientes Architektenhaus mit weißem Dach realisiert:

Leider bewerten der Bürgermeister, der Marktrat und das Landratsamt die klimafreund­liche neue Bauinnovation höchst unterschiedlich: Während der Bürgermeister und der Marktrat Babenhausen die Initiative von Anfang an grundsätzlich befürwortet und da­mit an ein klares Signal pro Klimaschutz gesetzt haben, wurde vom Landratsamt zu­nächst nur eine temporäre Genehmigung für eine einjährige Testphase erteilt. Danach hätte das Klimaschutz-Dach wieder umgedeckt werden müssen. Erst kurz vor Ablauf der Frist sendete das Landratsamt ein erstes positives Zeichen: Wenn der Marktrat das weiße Dach explizit befürworten würde, könne das weiße Dach bleiben. Die ent­sprechende Zustimmung des Marktrats ist bereits erfolgt - jetzt ist das Landratsamt am Zug. Egal wie die Entscheidung ausfällt: Die Unsicherheit für Bauherren bleibt (Stand Juli 2012).

Politik in der Pflicht: Wo bleibt die umweltpolitische Initiative?

Eine einfache Idee könnte ganz einfach gefördert werden. Doch warum zögern Bun­des- und Landespolitik, die weißen Dächer intensiver und gezielter zu fördern? Weil sie das Thema nicht kennen? Sich dafür nicht interessieren? Fragen, auf die es hoffent­lich bald Antworten gibt. Immerhin unterstützt eine der betreffenden Gemeinde Ba­benhausen eng verbundene Politikerin die Initiative: „Um die Energiewende zu meis­tern, sind Anstrengungen auf allen Ebenen nötig. Ich freue mich sehr, dass Baufritz gerade in meinem Heimatort Babenhausen neue und innovative Wege für den Umwelt- und Klimaschutz einschlägt“, kommentiert Claudia Roth, MdB und Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.

Auch auf internationaler Ebene tut sich bereits einiges: Die im März 2012 veröffent­lichte Studie der NASA „Bright Is The New Black: New York Roofs Go Cool“ bestätigt, dass in den heißen Sommermonaten in New York City durch weiße Dächer die Dach­temperatur um durchschnittlich 25 Grad sinkt. Das LEED-Projekt wird auch von der EU mit dem Ziel gefördert, das Wissen aus den USA dem europäischen Markt anzupassen, behindernde Vorschriften zu entfernen und Denkblockaden zu lösen. Man kann nur hoffen, dass das Klima auf unserer Erde uns noch genügend Zeit für die Umsetzung der Initiative lässt.

Weitere Informationen zu weißen Dächern können per E-Mail an Baufritz angefordert werden.

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