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Vier große Sanierungsirrtümer!?

(12.8.2012) Beim Stichwort „energetische Gebäudesanierung“ denken die meisten an gut gedämmte Häuser mit geringen Energiekosten, an den Abschied von alten, zugigen Fenstern und an Wärme aus erneuerbaren Energien. So möchte man wohnen. Manch einer fragt sich aber auch: Kommt mit der Dämmung der Schimmel? Ist die Sanierung nicht viel zu teuer? Und sieht das Haus nach der Sanierung wirklich besser aus als vorher? Branchenvertreter und Experten, die sich in der „Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea)“ zusammengeschlossen haben, kommentieren die größten Sanierungs­irrtümer.

Irrtum 1: Energiesparende Sanierungen rechnen sich nicht

Von Zeit zu Zeit wird die Wirtschaftlichkeit energetischer Sanierungen in Frage ge­stellt - meist an Hand einzelner Beispiele, bei denen eine schlechte Planung oder eine mangelhafte Umsetzung den Energiesparerfolg verhindern. "Das ist die absolute Aus­nahme", sagt Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) und Sprecher der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz. "Die Regel ist: Der Energiever­brauch älterer und unsanierter Wohngebäude lässt sich durch gute Dämmung, neue Fenster und eine effiziente Heizungs- und Lüftungstechnik um mehr als drei Viertel senken. Steht die Modernisierung ohnehin an - was in Deutschland bei vielen Gebäu­den der Fall ist - kommt die Sanierung zu einem top-energieeffizienten Haus auf jeden Fall günstiger, als nichts oder nur das Nötigste zu machen und weiterhin steigende Heizkosten zu zahlen. " Kohler belegt dies mit einer Studie der dena, für die Dutzende realer Sanierungsgebäude untersucht wurden. In der Studie wurde berechnet, ob sich in sanierungsbedürftigen Ein- und Zweifamilienhäusern die Investition für hoch-ener­gieeffiziente Technik lohnt. Für eine auch wirtschaftlich erfolgreiche Sanierung sind laut Kohler drei Punkte entscheidend:

  1. Die Sanierung dann durchführen, wenn ohnehin Instandhaltungs- oder Repara­turarbeiten anstehen. Das ist der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit.
  2. Ein qualifizierter, erfahrener Fachmann muss die Sanierung sorgsam planen und die Umsetzung begleiten.
  3. Nicht nur das Nötigste und Billigste machen, sondern den Fachmann berechnen lassen, welche Sanierung sich langfristig lohnt.

Wer diese Regeln befolge, könne auch davon ausgehen, dass die angestrebten Ener­gieeinsparungen wirklich eintreten.

Irrtum 2: Wärmedämmung führt zu Schimmelbildung

"Mit der Dämmung kommt der Schimmel? Das ist ein Märchen", erklärt Klaus Franz, Präsident des Gesamtverbands der Dämmstoffindustrie. Das Gegenteil sei der Fall: "Schimmel entsteht, wenn Wände an bestimmten Stellen besonders stark auskühlen. Dort schlägt sich die in der Raumluft enthaltene Feuchtigkeit nieder - und schafft gu­te Bedingungen für Schimmel. Eine fachmännisch ausgeführte Gebäudedämmung, die das Auskühlen der Wände verhindert, mindert daher die Gefahr der Schimmelbildung." Das belegen auch Studien: So stellte das Aachener Institut für Bauschadensforschung in einer Untersuchung fest, dass energieeffiziente Gebäude weniger zu Schimmel nei­gen als unsanierte. Tritt doch Schimmel auf, dann wegen mangelhafter Ausführung der Bauarbeiten oder weil die Bewohner zu wenig lüften - ein Problem, das mit der Dämmung nichts zu tun hat. Zudem sollten in Neubauten und energieeffizient sanier­ten Häusern auch Lüftungsanlagen eingebaut werden. Sie sorgen dafür, dass ver­brauchte Luft und Feuchtigkeit nach draußen transportiert werden und frische Luft einströmt. Verfügen sie über eine "Wärmerückgewinnung", sparen sie außerdem Heize­nergie.

Irrtum 3: Die energetische Gebäudesanierung geht zu Lasten einer guten Architektur

Verschwinden schöne Fachwerk- und Stuckfassaden künftig hinter dicken Dämmplat­ten? "Auf keinen Fall", sagt Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deut­schen Handwerks. "Die Verbindung von Energieeffizienz und individueller Architektur funktioniert. Eine Vielzahl denkmalgeschützter Gebäude, die ohne eine Veränderung des Charakters zu Effizienzhäusern saniert worden sind, beweist das."

Die Befürchtungen von Architekten und Denkmalschützern seien vielfach unbegründet, denn niemand wolle die Vielfalt der Architektur in Deutschland abschaffen. "Für Bau­denkmäler oder schöne alte Häuser gibt es spezielle Sanierungslösungen, die den ar­chitektonischen Charakter erhalten. Hingegen stellt eine fachgerechte energetische Sanierung bei Millionen von durchschnittlichen, modernisierungsbedürftigen Wohnhäu­sern eine Chance dar, die Architektur sogar zu verbessern."

Viele Beispiele für behutsam sanierte Altbauten hat die dena im Internet unter zu­kunft-haus.info/effizienzhaus dokumentiert. Die KfW bietet ein eigenes Förderpro­gramm für die Sanierung von Baudenkmälern an - siehe auch Baulinks-Beitrag "Neue Förderstandards: "KfW-Effizienzhaus Denkmal" sowie "Altersgerechtes Haus"" vom 2.1.2012.

Irrtum 4: Energetisch sanierte Häuser sind für Mieter kaum bezahlbar

Die energetische Sanierung von Mehrfamilienhäusern müsste sich eigentlich auch für Mieter bezahlt machen. Das ist das Ergebnis einer Studie der dena. Demnach kann der Energiebedarf bei Gebäuden, die ohnehin saniert werden müssen, ohne Mehrbelastun­gen für Mieter um bis zu 75 Prozent gesenkt werden. Durch die Umlage eines Teils der Sanierungskosten steigt zwar die Kaltmiete. Doch die drastisch sinkenden Energiekos­ten gleichen dies aus.

Selbst eine noch teurere Sanierung mit einer Energieeinsparung von 80 Prozent müss­te nur eine geringe Mieterhöhung nach sich ziehen. In ihrer Studie hat die dena reale energetisch sanierte Mehrfamilienhäuser untersucht und die Mehrkosten berechnet, die durch die Zusatzinvestition in sehr gute Energieeffizienz entstehen. Und nur diese Mehrkosten sind interessant, denn: Die Kosten für die laufende Instandhaltung - bei­spielsweise den Austausch einer kaputten alten Heizung gegen eine neue Standard­heizung - muss der Eigentümer ohnehin aus der laufenden Miete finanzieren und darf sie nicht umlegen. "Die Ergebnisse der dena-Studie zeigen: Wenn nach einer Sanie­rung drastisch die Miete steigt, ist dies nicht auf die energetischen Maßnahmen zu­rückzuführen. Vielmehr sind es die "Schönheitssanierungen", die mitunter die Preise nach oben treiben", erläutert dena-Chef Kohler.

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