Baulinks -> Redaktion  || < älter 2012/1429 jünger > >>|  

Gebäude mit multifunktionalen (Fenster-)Elementen minimalinvasiv sanieren

(20.8.2012) Wenn Wohngebäude energetisch saniert werden müssen, ist dies heute mit langwierigen Baumaßnahmen ver­bunden. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik ha­ben ein neues Modernisierungskonzept entwickelt, welches Montagezeiten verkürzen soll. So lassen sich beispielsweise mit vorgefertigten, multifunktionalen Fensterelementen künftig herkömmliche Renovierungsabläufe ersetzen.

Chirurgen führen Operationen im Bauchraum immer häufiger mi­nimalinvasiv durch. Ein kleiner Schnitt in die Bauchdecke ge­nügt, damit sie die Instrumente einführen und die Organe mit einem Endoskop sichtbar machen können. Diese Methode stra­paziert den Körper weniger als konventionelle OPs. Auch für Architekten und Bauträger empfiehlt sich diese Art des „mini­malinvasiven Eingriffs“. Patienten sind hier allerdings Wohngebäude, die energetisch saniert werden müssen. „Auch Gebäude lassen sich minimalinvasiv sanieren und auf schonende Weise energieeffizient modernisieren“, erklärt Michael Krause, Wissen­schaftler am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Kassel. Der Forscher und sein Team haben im Projekt „Prefab“ multifunktionale Fensterelemente entwickelt, die künftig klassische, langwierige und damit für Bewohner lästige Renovierungsmethoden ersetzen sollen. „Prefab“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert.

Bislang erfolgen Baumaßnahmen, die den Energieverbrauch und die CO₂-Emissionen senken, getrennt nach Gewerken wie Fassaden- und Fensterbau-, Heizungsbau-, Elektro- oder Klempnerarbeiten. Diese Einzelmaßnahmen sind jedoch oftmals nicht auf­einander abgestimmt und führen zu Baumängeln und langen Sanierungszeiten. „Vor al­lem, wenn nachträglich anlagentechnische Komponenten wie Lüftungsanlagen und Heizungen installiert werden müssen, beeinträchtigt das die Bewohner stark in ihrer Lebensqualität. Oftmals muss sogar auf einen Leerstand der Wohnungen gewartet werden, um die notwendigen Instandsetzungen durchzuführen“, erläutert Krause. „Mit unseren multifunktionalen Fensterelementen erreichen wir kürzere Montagezeiten vor Ort und können den Stress für die Mieter deutlich reduzieren.“

Vorgefertigte Bauteilkomponenten mit herausnehmbarer Technikbox

Das Element besteht neben Fenster und Fensterzarge aus einer Technikbox und einem Dämmstoffrand, der beispielsweise als Wärmedämmverbundsystem aus Polystyrol ge­fertigt sein kann. Dieses selbsttragende Modul wird von außen in die alte Fensterlücke geschoben und überdämmt die alte Fassade im Fensterbereich.

Alternativ zum Wärmedämmverbundsystem können Architekten auch eine Holzrahmen­konstruktion mit mineralischen Dämmstoffen wie Glas- oder Steinwolle verwenden. Die herausnehmbare Technikbox befindet sich unter der Fensterbank. In die Box lassen sich Komponenten wie Wärmetauscher, dezentrale Heizungsmikropumpen und Lüf­tungsfilter einbauen, aber auch Stromanschlüsse, Lüftungskanäle oder Internetkabel. Stromleitungen und Wasserrohre werden unter dem Dämmstoff über die Fassade er­schlossen und über Einlässe durch die Technikbox ins Haus geführt. Zahlreiche Arbei­ten im Gebäude wie das Verlegen von Rohren und Leitungen entfallen auf diese Weise.

Der Fensterbauer liefert die Elemente inklusive Technikbox vorgefertigt an, dadurch beschleunigt sich der Installationsprozess am Gebäude deutlich. Ein weiterer Vorteil: Da man die Fensterbank öffnen kann, lassen sich sämtliche Komponenten einfach war­ten, nachrüsten oder austauschen, etwa wenn eine Reparatur erforderlich ist. „Indem wir Wärmetauscher und Lüftungstechnik in das Sanierungssystem integrieren, reduzie­ren wir Wärmeverluste durch die Gebäudehülle und die Lüftung. Außerdem werden durch die gute Verarbeitung des Systems Luftundichtigkeiten und Wärmebrücken ver­mieden, das heißt, die Wärme kann nicht nach außen entweichen. Alles in allem sen­ken wir den Energieverbrauch“, resümiert der Forscher. „Da die Dämmelemente mit ei­ner Tragstruktur kommen, sind sie so stabil, dass es denkbar ist, sie mit Solarkollekto­ren und Photovoltaikmodulen zu bestücken.“

Das vorgefertigte, multifunktionale Fensterelement gibt es bereits als Demonstrator. Hergestellt wurde es von dem Kasseler Industriepartner Walter Fenster + Türen. Im nächsten Schritt wollen Krause und seine Kollegen vom Fraunhofer IBP das Fassaden­element in einem sanierungsbedürftigen Wohngebäude im realen Einsatz testen: „Prin­zipiell ist es in vielen Bestandsbauten einsetzbar, wir haben vor allem die Mehrfamilien­häuser der Wiederaufbaujahre im Visier.“

siehe auch für zusätzliche Informationen:

ausgewählte weitere Meldungen:

siehe zudem:


zurück ...
Übersicht News ...
Übersicht Broschüren ...

Baulinks folgen auf...

Datenschutz !!
Aus datenschutztechnischen Gründen haben wir das Twitter-Plugin deaktiviert.
Wollen Sie jedoch dieses Feature nutzen, so klicken Sie einmal auf das ausgegraute Bild.
Datenschutz !!
Aus datenschutztechnischen Gründen haben wir das Facebook-Plugin deaktiviert.
Wollen Sie jedoch dieses Feature nutzen, so klicken Sie einmal auf das ausgegraute Bild.
Datenschutz !!
Aus datenschutztechnischen Gründen haben wir das +1-Plugin deaktiviert.
Wollen Sie jedoch dieses Feature nutzen, so klicken Sie einmal auf das ausgegraute Bild.
Anmeldung zum kosten­losen Bauletter:
Der Baulinks-Newsletter kann jeder­zeit leicht auch wieder ab­bestellt werden!

Relevante BauDates

Impressum (c) 1997-2016 ARCHmatic - Alfons Oebbeke (Google+, XING, linkedin)