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Silberfreie antimikrobielle Beschichtung für Kunststoffe

(26.9.2012) Innovent-Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, mit dem kos­tengünstig antibakterielle Oberflächen auf praktisch allen Kunststoffen unabhängig von deren Geometrie erzeugt werden können.

Die Verbreitung von pathogenen Mirkoorganismen stellt heute ein großes Problem im Pflegebereich und in der Medizin dar, sowie überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum verkehren. Es verschärft sich gegenwärtig durch das vermehrte Aufkommen so genannter multiresistenter Keime, wie z.B. dem MRSA („Multi-resistenter Staphylococ­cus aureus“), die unempfindlich gegen gängige Antibiotika geworden sind. Wichtige Verbreitungswege sind sämtliche Gegenstände, die von verschiedenen Personen be­rührt werden, wie Türklinken, Griffe, Bedienfelder von Geräten, Schalter, Tabletts und Toilettendeckel. Erhebliche Probleme mit pathogenen Keimen gibt es auch bei medizi­nischen Hilfsmitteln, die längere Zeit mit dem menschlichen Körper in Kontakt bleiben, wie Kathetern und Drainagen oder Wundauflagen. Andere Bereiche, in denen die Be­kämpfung von Mikroorganismen eine Rolle spielt, umfassen Keime, die unangenehme Gerüche entwickeln, etwa in Müllbehältern oder in der Kleidung.

Oberflächen mit antibakterieller Wirkung könnten einen entscheidenden Beitrag zur Lösung dieser Probleme leisten. Die heute gängigen Verfahren zur Erzeugung solcher antibakterieller Eigenschaften verwenden überwiegend oberflächlich aufgebrachtes Silber oder in das Material eingearbeitete Biozide wie Triclosan. Bei Bioziden wie Triclo­san wird aufgrund des Wirkmechanismus befürchtet, dass Bakterien dagegen resistent werden können - im Labor wurde diese Möglichkeit bereits nachgewiesen. Besonders bedenklich ist, dass die Keime in diesen Versuchen gleichzeitig eine Resistenz gegen andere Antibiotika entwickelt haben. Der breite Einsatz von Silber ist ebenfalls in Frage zu stellen, da die langfristige Wirkung dieses Schwermetalls auf Mensch und Umwelt kaum abzuschätzen ist.

Die Forscher des Innovent e.V. verwenden nun für antibakteriell wirkende Oberflächen das kostengünstige Verfahren der Fluorierung. Die Technologie wird bislang angewen­det, um z.B. Plastikbehälter undurchlässig für Lösungsmittel zu machen oder um die Benetzbarkeit von Kunstoffen mit Flüssigkeiten sowie die Festigkeit von Verklebungen und Bedruckungen auf Kunststoffen zu verbessern. Die neue Methode kann bei prak­tisch allen Kunststoffen eingesetzt werden, um stark antibakterielle Oberfläche zu erzeugen. Durch Tests nach ISO Norm 22196 sei die Wirksamkeit gegen eine Vielzahl von Keimen, darunter auch Staphylococcus aureus, nachgewiesen worden. Keiner der getesteten Keime zeigte sich gegen die so behandelten Oberflächen unempfindlich; auch dass sich dagegen resistente Keime entwickeln können, erscheine mit Blick auf den Wirkmechanismus äußerst unwahrscheinlich - so die Forscher.

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