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Leitfaden „Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht“ in 2. Auflage erschienen

(16.10.2012) Greifvogelsilhouetten sind wirkungslos: Das Bun­desamt für Naturschutz (BfN) hat eine neue Broschüre vorge­stellt, die Tipps für das vogelfreundliche Bauen mit Glas und Licht gibt. Damit soll verhindert werden, dass Millionen von Vögeln gegen Glasscheiben prallen und sich tödlich verletzen. Wie BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel erklärt, berücksichtigt man „die Belange des Vogelschutzes am besten schon bei der Planung von Gebäuden. Doch auch nachträglich kann man den Vogeltod an Glasscheiben verhindern. Die reichhaltig bebilderte Broschüre gibt dazu wertvolle Anregungen.“

Durchsichtige Glasscheiben suggerieren eine freie Flugbahn, oder es spiegeln sich Himmel oder Vegetation darin - Vögel nehmen Glas nicht als Hindernis wahr. Glas tötet unspezifisch: Seltene Vogelarten sind ebenso betroffen wie häufige, junge Vögel ebenso wie alte, gesunde wie geschwäch­te. Seit langem werden Greifvogelsilhouetten angepriesen, doch die Fachleute wissen längst: Diese Silhouetten haben keinen abschreckenden Effekt. „Die gleiche Wirkung hätten aufgeklebte Kreise oder Quadrate: Die Vögel prallen daneben an die Scheiben“, betont BfN-Präsidentin Jessel. Um unnötige Vogelopfer zu vermeiden, solle man zuerst prüfen, ob überhaupt großflächig gefährliches Glas verwendet werden muss oder ob nicht alternative Materialien in Frage kommen. Wenn doch Glas eingesetzt wird, soll­ten Gefahrenstellen vermieden werden - etwa kein Glas übers Eck oder freistehend – und Glasflächen müssen für die Vögel sichtbar sein.

Keine freie Glasfläche größer als 10 cm Durchmesser

Über wirksame Markierungen, die Vögel auf das Hindernis aufmerksam machen, ist in den letzten Jahren viel geforscht worden.. „Die österreichischen Studien im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft etwa geben wertvolle Hinweise, welche Markierungen gut wirksam sind und welche weniger. Wer auf der sicheren Seite sein will, orientiert sich an diesen Ergebnissen,“ so Beate Jessel. Beachtet man bestimmte Grundregeln, kann man aber auch seiner gestalterischen Phantasie freien Lauf lassen. Als wichtigs­tes Prinzip gilt die „Handflächenregel“: Wenn gefährliche Glasflächen durch Markierun­gen gesichert werden sollen, darf keine freie Glasfläche größer sein als zehn Zenti­meter Durchmesser sein. Viele Vögel bewegen sich sehr geschickt in dichtem Geäst. Ist der Abstand zwischen den Markierungen größer, könnten sie versucht sein, durch die vermeintliche Öffnung hindurchzufliegen. Doch man muss keine Scheibe mit klobi­gen Streifenmustern verunstalten: Stimmt der Kontrast zur Umgebung in Farbe und Helligkeit, genügen schon weniger als zehn Prozent Bedeckungsgrad, um Glasscheiben gut zu sichern. Meist kommt es auf die konkrete Situation vor Ort an: Ein Vorhang hinter der Scheibe bringt bei Spiegelungen vielleicht wenig, bei Durchsicht hingegen viel. Grundsätzlich sollten Markierungen an der Außenseite angebracht werden.

„Vogelschutzglas“ bislang erst in Österreich

In Österreich gibt es eine Technische Regel, die definiert, welche Ergebnisse eine Markierung in einem standardisierten Testverfahren erbringen muss, um von „Vogel­schutzglas“ sprechen zu können. „So weit sind wir in Deutschland leider noch nicht“, konstatiert Beate Jessel, „doch sollten wir uns an diesem Standard orientieren“. Eine andere Hoffnung, Vögel vor dem Glastod zu bewahren, hat sich bisher nicht erfüllt. Glas mit ultravioletten Markierungen, die für uns Menschen unsichtbar sind, von Vö­geln aber wahrgenommen werden sollen, wird von den Experten angesichts schlechter Testergebnisse nicht empfohlen. „Völlig transparentes Glas und Vogelschutz sind leider unvereinbar“.

Lichtverschmutzung schadet dem Orientierungssystem von Vögeln

Auch dem Themenkomplex „Licht als Vogelfalle“ widmet sich die Broschüre. Denn nicht nur Insekten, sondern auch Vögel werden von nächtlichem Licht angelockt. Die meis­ten unserer Zugvögel sind nachts unterwegs. Licht von hohen Bauwerken oder Him­melsstrahlern („Skybeamer“) bringt ihr empfindliches Orientierungssystem durcheinan­der, lässt sie in die falsche Richtung fliegen oder gar mit Hindernissen kollidieren. Die Autoren der Broschüre werben für gezielte Beleuchtung: Künstliches Licht nur wo nötig, keine Abstrahlung über die Horizontale nach oben und Einsatz von Bewegungs­meldern sind einige der wichtigsten Empfehlungen zum Wohl der Insekten und Vögel.

Hintergrund: Die Broschüre „Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht“ wurde unter Federführung der Schweizerischen Vogelwarte Sempach erarbeitet und herausgege­ben. Experten aus Österreich und Deutschland waren daran beteiligt. Es ist die zwei­te, überarbeitete Auflage der ersten Fassung aus dem Jahr 2008, in die zahlreiche neue Erkenntnisse der letzten Jahre eingearbeitet wurden. Alle Markierungen, die als hoch wirksam getestet wurden, sind an den Abbildungen gekennzeichnet; die getes­teten Markierungsmuster sind in einer Übersicht in Wort und Bild dargestellt (S. 18ff.). Zahlreiche weitere Abbildungen regen zur Gestaltung im Sinne des Vogelschutzes an.

Die Broschüre kann unter vogelglas.info als PDF-Dokument aufgerufen werden.

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