Baulinks -> Redaktion  || < älter 2012/1860 jünger > >>|  

Perspektiven der europäischen Baukonjunktur ... vorgestellt bei den BAU-Infogesprächen

(22.10.2012; BAU-Vorbericht) Im Rahmen der BAU-Informationsgespräche am 18./19. Oktober 2012 hat Erich Gluch vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung einen Ausblick gegeben auf die europäische Baukonjunktur vor dem Hintergrund der Eurokrise.

Das europäische Bauvolumen - exemplarisch dargestellt an den Daten der 15 west- und 4 ost-europäischen Länder der Euroconstruct-Gruppe - wird 2012 um rund 2% schrumpfen. Es dürfte lediglich noch einen Umfang von rund 1.320 Mrd. Euro errei­chen - nach fast 1.600 Mrd. Euro (jeweils in Preisen von 2011) in 2007. In nur 5 Jah­ren werden sich damit die Bauaktivitäten um gut ein Sechstel verringert haben; das Volumen - rund 270 Mrd. Euro - entspricht etwa der Jahresbauleistung in den neun kleineren westeuropäischen Ländern: Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Irland, Belgien, Portugal, Schweiz und Österreich. Für 2013 erwarten die Experten Stagnation. Erst in 2014 wird eine leichte Verbesserung vorhergesagt.

Am ungünstigsten sind die Aussichten im Tiefbau. Hier dürfte es bis 2014 lediglich darum gehen, das derzeitige Investitionsvolumen wenigstens zu halten. Im Nicht­wohnhochbau sollte sich zumindest in 2014 die Nachfrage etwas beleben. Die besten Prognosewerte liegen für den Wohnungsbau vor. Hier wird für 2013 (+1½%) sowie für 2014 (+3%) ein Anstieg erwartet:

Was die Entwicklung in den einzelnen Ländern betrifft, so zeigen sich zum Teil erheb­liche Unterschiede. Denn die anhaltend ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedin­gungen haben mittlerweile recht unterschiedliche Auswirkungen auf die Baunachfrage ausgelöst. Besonders negativ betroffen sind die mit ihrer hohen Verschuldung kämp­fenden Mittelmeerländer.

Bauvolumen in Europa 2005 bis 2014 nach Ländern
... hinzu kommt, dass beispielsweise Spanien rund 20 Mio. weniger Einwohner hat als Deutschland! (Bild vergrößern)

In diesen wird massiv Kapital abgezogen und in „sichere“ Häfen wie beispielsweise die Schweiz, Norwegen und Deutschland transferiert. Besonders häufig fließen diese Gel­der dann in den Immobiliensektor. Der Wohnungsbau, das eindeutige Schwergewicht der gesamten Bauaktivitäten, erfährt damit in diesen Ländern sichtliche Impulse.

In Deutschland ist daher der Wohnungsbau wach geküsst worden. Nach vielen Jahren der Lethargie und Ernüchterung, mit stagnierenden oder gar sinkenden Immobilienprei­sen sowie einer nicht enden wollenden Talfahrt bei den Wohnungsfertigstellungen, weist das Umfeld für den Wohnungsbau mittlerweile nahezu eine „Idealkonstellation“ auf:

  • niedrige Hypothekenzinsen
  • steigende reale Einkommen der privaten Haushalte
  • moderate Arbeitslosigkeit
  • wachsende Zuwanderung.

Bis vor etwa einem Jahr kamen in den meisten Regionen auch noch günstige Immobi­lienpreise hinzu. Diese sind in etlichen Städten unwiederbringlich vorbei. Denn gestie­gene Preise führten, forciert von geballten Inflationsängsten, gefüllten Geldmarktkon­ten und gewaltiger Kapitalflucht aus den südlichen Euroländern - der wichtigsten Grö­ße für die Erhöhung der so genannte Targetsalden - zu weiter steigender Wohnungs­nachfrage.

Vielfach wird bereits von einer Preisblase bei Wohnimmobilien gesprochen, was total abwegig ist. Denn von Preisniveaus für Wohnungen, wie wir sie in Paris oder London vorfinden – nach dem Platzen der Preisblasen – sind wir selbst in Hamburg, Stuttgart oder München noch meilenweit entfernt. Schließlich ist bis heute Wohnraum in den meisten deutschen Großstädten noch knapp.

Der öffentliche Hochbau wird in den nächsten Jahren weiterhin nur eine untergeord­nete Rolle spielen. Die realisierten Baumaßnahmen werden sich im Wesentlichen im Gebäudebestand abspielen und überwiegend die Einsparung von Energie zum Ziel haben. Im gewerblichen Hochbau haben sich bereits im Verlauf des Jahres 2010 die Lageurteile der im Rahmen des ifo Konjunkturtests befragten Firmen verbessert. Und ab 2011 war auch bei den Baugenehmigungen der Nichtwohngebäude eine Belebung zu registrieren, vor allem bei den Fabrik- und Werkstatt- sowie den Bürogebäuden.

Der Tiefbau ist zum überwiegenden Teil von öffentlichen Baumaßnahmen abhängig. Von dieser Seite ist jedoch, trotz wieder deutlich steigender Steuereinnahmen, in den nächsten Jahren nicht allzu viel zu erwarten. Viele Kommunen kämpfen mit außerge­wöhnlich hohen Schuldenständen. Konsolidierung hat daher oftmals höchste Priorität, obwohl zahlreiche Baumaßnahmen dringend getätigt werden müssten. Impulse dürften in den nächsten Jahren hingegen von Baumaßnahmen im Rahmen der Energiewende kommen. Diese betreffen in erster Linie den Netzausbau sowie die Bereitstellung von Speicherkapazitäten.

Die Entwicklung der gesamten Baunachfrage in Deutschland dürfte somit in den nächsten Jahren nicht ungünstig verlaufen. Nach zwei exzellenten Jahren 2010 (+3,2%) und 2011 (+5,8%) wird es 2012 (+0%) zwar eine „Verschnaufpause“ geben. 2013 (+2½%) und 2014 (+2%) dürfte sich der Aufwärtstrend jedoch wieder fort­setzen.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

ausgewählte weitere Meldungen:

siehe zudem:


zurück ...
Übersicht News ...
Übersicht Broschüren ...

Baulinks folgen auf...

Datenschutz !!
Aus datenschutztechnischen Gründen haben wir das Twitter-Plugin deaktiviert.
Wollen Sie jedoch dieses Feature nutzen, so klicken Sie einmal auf das ausgegraute Bild.
Datenschutz !!
Aus datenschutztechnischen Gründen haben wir das Facebook-Plugin deaktiviert.
Wollen Sie jedoch dieses Feature nutzen, so klicken Sie einmal auf das ausgegraute Bild.
Datenschutz !!
Aus datenschutztechnischen Gründen haben wir das +1-Plugin deaktiviert.
Wollen Sie jedoch dieses Feature nutzen, so klicken Sie einmal auf das ausgegraute Bild.
Anmeldung zum kosten­losen Bauletter:
Der Baulinks-Newsletter kann jeder­zeit leicht auch wieder ab­bestellt werden!

Relevante BauDates

Impressum (c) 1997-2016 ARCHmatic - Alfons Oebbeke (Google+, XING, linkedin)