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3 Zimmer, Küche, Bad? „wieweiterwohnen“ sucht Wege aus der Durchschnittlichkeit des Wohnbaus

(24.10.2012) Wie kann die Durchschnittlichkeit des Wohnbaus ein Ende finden? So, dass gut geschnittene Typologien entstehen, die heutigen Herausforderungen gerecht werden? Mit „wieweiterwohnen? Baukultur im Klimawandel“ diskutierte die Bundesstif­tung Baukultur am 22. Oktober in Berlin zukunftsorientierte Projekte aus dem In- und Ausland.


Podiumsdiskussion mit Matthias Heinz (Pool Architekten), Thomas Jocher (Universität Stuttgart), Michael Braum (Bundesstiftung Baukultur) und Peter Stubbe, Vorstandsvorsitzender Gewoba Bremen (Bild vergrößern)

Wohnungsbau geht heute über die Realisierung von Dreizimmerwohnungen mit Balkon hinaus - so lautete das Fazit der Veranstaltung „wieweiterwohnen – Baukultur im Kli­mawandel“. Über 150 Teilnehmer diskutierten die Herausforderungen an den Wohnbau auf einer baukulTOUR durch das Hansaviertel und einer anschließenden Podiumsdis­kussion in der Akademie der Künste.

„Am besten kann man die Ansprüche, die heute an den Wohnungsbau gestellt werden, reduzieren auf den Dreiklang Bezahlbarkeit, Sozialverträglichkeit und Energieeffizienz“, sagte Michael Braum, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur. Baukultu­relle Aspekte blieben jedoch zu oft außen vor.

Mit einer baukulTOUR durch das Berliner Hansaviertel (siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps) begaben sich die Teilnehmer auf die Spuren des Wohnbaus, der mit der INTERBAU in den 50er Jahren Maßstäbe gesetzt hat (siehe auch Wikipe­dia). Dabei befragte Thomas M. Krüger von Ticket B Anwohner über das fast 60-jäh­rige Quartier. Sie berichteten von nicht mehr genutzten Gemeinschaftsräumen im Nie­meyer-Haus (Google-Street-View unten), Konflikten zwischen Alt- und Neubewohnern, der Hansa­bücherei, die fast geschlossen worden wäre und vom Zerfall der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche:

„Ich wünsche mir, dass die Kirche als architektonisches Unikat erhalten bleibt, und man hier beispielhaft auch über sinnvolle Umnutzungen nachdenkt“, sagte Michael Braum (siehe auch Wikipedia-Eintrag zur Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche).

Individuell und trotzdem bezahlbar

Auf der anschließenden Podiumsdiskussion in der Akademie der Künste im Hanseaten­weg formulierten Vertreter unterschiedlicher Disziplinen ihre Erwartungen. „Die Formen des Zusammenlebens ändern sich. Ich sehe heute einen Bedarf nach flexiblen Grund­rissen und neuen Nutzungen: ob Individualwohnung oder Wohnraum für soziale Ge­meinschaften. Grundsätzlich gilt es, die Spielräume weiter zu öffnen“, so Sabine Djahanschah, Referentin bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) über Nach­haltigkeitskriterien. Die DBU fördert die Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Baukultur im Klimawandel“.

Wie aber wird oder bleibt Wohnraum bezahlbar? Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. dazu: „Preis­werter Wohnraum darf nicht komplett saniert werden - auch über Teilsanierungen ist etwas machbar.“ Die im GdW organisierten Wohnungsunternehmen haben einen Be­stand von rund sechs Millionen Wohnungen. Da gelte es abzuwägen: Was ist zumut­bar? Was ist realisierbar?

Wohnungsbau ist auch Städtebau

wieweiterwohnen? Diese Frage dürfe auch den Städten nicht egal sein, lautete der Konsens auf dem Podium. Denn Wohnungsbau sei immer auch Städtebau, etwa dann, wenn es gelte, gemischte Quartiere und eine heterogene Nutzung zu fördern.

„Mit Baugemeinschaften kann man solche Ziele erreichen“, so Cord Soehlke, Baubür­germeister von Tübingen. Für sieben Quartiere trete die Stadt als Entwickler auf. Qualitative Kriterien würden über die Vergabe der Bauprojekte entscheiden: Dazu gehörten, ob das Projekt von einer Baugruppe oder einem Bauträger entwickelt wird, ob das Gebäude gewerblich genutzt wird und, wie es um soziale und energetische Aspekte steht. „Unsere Tübinger Baugemeinschaften haben den Weg aus der akade­mischen Nische geschafft. Sie sind mittlerweile in der breiten Gesellschaft angekommen“, erläuterte Söhlke.

Über den Wettbewerb „Ungewöhnlich Wohnen“ in Bremen berichtete Peter Stubbe, Vorstandsvorsitzender der Gewoba Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen, die rund 41.000 Wohnungen und Gewerbeimmobilien verwaltet. „Wir haben Architekturbüros aufgefordert zu experimentellen Entwürfen zur Entwicklung von fünf Quartieren der 50er und 60er Jahre. Heute geht es darum, diese durch An- oder Neubauten aufzu­werten und die Gebäude damit auch barrierefrei zu gestalten“, sagte Stubbe.

Als Initiative, allerdings von Bürgern, stellte der Architekt Christian Schöningh, die Zusammenarbeiter aus Berlin, das Projekt „Spreefeld Berlin“ vor. Direkt an der Spree plant und entwickelt eine Baugruppe einen Komplex von 67 Wohnungen im Passivhaus­standard. „Das Grundstück steht zu 40 Prozent der Öffentlichkeit zur Verfügung und macht so auch den Spreeuferweg möglich“, beschrieb Schöningh. Zudem seien die Wohnungstypen und -größen unterschiedlich, so dass die Mietpreise sich letztendlich zwischen 8 und 13 Euro pro Quadratmeter bewegten.

Besuch im Alvar Aalto-Haus
Besuch einer Wohnung im Alvar Aalto-Haus (Bild vergrößern)

Energiethema: Nicht nur für die Fassade wichtig

Vor zu viel technischen Spielereien warnte Thomas Jocher, Universität Stuttgart (Fink+Jocher). „Oft heißt es 'Wir bauen ein Passivhaus und dann passt des schoa!' Da bin ich skeptisch. Die Investoren kriegen Bauchgrummeln, wenn sie sehen, wie hoch der technische Aufwand ist, um solche Häuser zu realisieren. Auch konzentrieren wir uns zu stark auf die Gebäudehülle. Mit einem guten Grundriss, guten Raumhöhen und Schnitten kann man auch in puncto Energie viel erreichen.“

Dass zu einem energieeffizienten Haus auch energiebewusste Bewohner gehören, erörtere Matthias Heinz von pool Architekten, Zürich: „Für das erste komplett nach den Prinzipien der 2.000-Watt-Gesellschaft gebaute Haus haben wir Massivholz aus regionalen Wäldern verwendet. Nachhaltiges Bauen heißt auch, dass Bauteile, wie Fassaden, ausgewechselt werden können.“. Wie man die Nutzer einbindet, stellte Heinz ebenfalls dar. Und so steht das Versprechen der Bewohner, ihren Energiever­brauch auf 2.000 Watt zu reduzieren, in großen Lettern an der Fassade des Hauses geschrieben.

Schließen sich Energiewende und bezahlbares Wohnen aus? Müssen wir ein Energie­prekariat fürchten? Das will auch die neue Ausgabe des Debattenportals BKULT der Bundesstiftung am 29. Oktober erörtern, in der Referenten der Veranstaltung zu Wort kommen.

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