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Die ältesten Holzbauwerke der Welt sind datiert

(27.12.2012) Ein Forschungsteam um Willy Tegel und Dr. Dietrich Hakelberg vom Insti­tut für Waldwachstum der Universität Freiburg hat das Alter von vier Brunnen der frü­hesten mitteleuropäischen Ackerbaukultur mit Hilfe der Dendrochronologie oder Jahr­ringdatierung genau bestimmt. Die Brunnen wurden in Siedlungen im Großraum Leipzig ausgegraben und sind die bislang ältesten bekannten Holzbauwerke der Welt. Sie stammen aus der Linearbandkeramik (siehe Wikipedia), der Zeit etwa von 5600 bis 4900 vor Christus. Die Forschungsergebnisse, die in der internationalen Fachzeitschrift „PLoS ONE“ veröffentlicht wurden, liefern neue Erkenntnisse zur prähistorischen Tech­nikgeschichte. An der Arbeit waren Experten der Archäologie und Dendrochronologie vom Freiburger Institut für Waldwachstum, vom Sächsischen Landesamt für Archäolo­gie in Dresden und von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf/Schweiz beteiligt.

Die vier jungsteinzeitlichen Brunnen waren von ihren Erbauern aus Eichenholz ange­fertigt worden. Neben den Bauhölzern haben zahlreiche andere organische Überreste, etwa Pflanzenreste, Holzgeräte, Rindengefäße und Bastschnüre, sowie viele reich ver­zierte Keramikgefäße im Grundwasser unter Luftabschluss die Jahrtausende überdau­ert. Die Methode der Dendrochronologie (Wikipedia) erlaubte es den Wissenschaftlern, jahrgenau zu bestimmen, wann die Bäume gefällt worden waren. Damit konnten sie die Bauzeit der Brunnen eingrenzen. Demnach fällten jungsteinzeitliche Ackerbauern zwi­schen 5206 und 5098 vor Christus mit Steinbeilen mächtige, alte Eichen. Sie spalteten die Stämme zu Bohlen, um diese mit komplexen Eckverbindungen zu kastenförmigen Schächten zusammenzufügen. Mit moderner Laserscantechnik erfassten die Wissen­schaftler die Bauhölzer und Bearbeitungsspuren und dokumentierten die hoch entwi­ckelten Fähigkeiten der Siedler. Die sehr gut erhaltenen Bearbeitungsspuren und Holz­verbindungen zeugen von einer unerwartet anspruchsvollen Holzbautechnik.

In Mitteleuropa setzte sich im 6. Jahrtausend vor Christus die Sesshaftigkeit mit Ackerbau und Viehzucht gegenüber einer Lebensweise als Jäger und Sammler durch. Dieser Umbruch in der Geschichte der Menschheit wird als „neolithische Revolution“ (Wikipedia) bezeichnet. Um sesshaft zu werden, brauchte der Mensch feste Behau­sungen. Häuser jedoch sind ohne entwickelte Holztechnik nicht denkbar - die ersten Ackerbauern waren die ersten Zimmerleute. Die einzigen Überreste ihrer Häuser, die bislang ausgegraben wurden, sind allerdings Bodenverfärbungen. Mit den dendrochro­nologisch präzise datierten Brunnen lässt sich nun erstmals die Bedeutung von Holz­bauten für die Sesshaftwerdung des Menschen genauer untersuchen.

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