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„Planspiel Flächenhandel“: Umdenken beim Flächenverbrauch mittels Flächenzertifikaten

(22.9.2013) Der Flächenverbrauch gehört nach wie vor zu den bislang ungelösten Umweltproblemen in Deutschland. Hin­tergrund: Gewerbe und Einwohner verlassen die Städte, neue Einkaufszentren und Einfamilienhaussiedlungen entstehen auf der „Grünen Wiese“. Die Folge insbesondere in vielen Klein- und Mittelstädten: Zersiedelung der Landschaft und Flächen­verbrauch sowie innerstädtischer Leerstand und Wertverfall. Ein Handel mit Flächenzertifikaten könnte dem entgegenwir­ken - so die Auffassung vieler Fachleute. Den Kommunen wer­den dabei Flächenausweisungsrechte in Form von Zertifikaten kostenlos zugeteilt. Diese benötigen sie, um außerhalb der Städte neue Fläche für die Bebauung auszuweisen. Die Fläche, die für Bauland im Außenbereich zur Verfügung steht, wird so von vornherein begrenzt.

„Planspiel Flächenhandel“ mit Flächenzertifikaten und 15 Kommunen

Am 16. September startete ein bundesweiter Modellversuch dazu - das „Planspiel Flächenhandel“. Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA) erklärte dabei: „Wir wollen den Flächenzertifikatehandel jetzt gemeinsam mit den Kommunen bundesweit in einem Modellversuch erproben, um Erfahrungen zu sammeln. Das Ziel ist klar: Wir wollen den Flächenverbrauch reduzieren.“ Die Begrenzung des Baulandes auf der „Grünen Wiese“ soll sich auch positiv auf die Innenstädte auswirken und Stadtzentren wieder attraktiver für die dort wohnenden Menschen sowie Handel und Gewerbe machen. Ein weiterer Vorteil: Mit den Zertifikaten könnten sie Geld einneh­men, zum Beispiel um Flächenrecycling zu finanzieren.

Flasbarth betonte: „Auch elf Jahre nach der Verabschiedung der nationalen Nachhal­tigkeitsstrategie der Bundesregierung sind wir noch weit davon entfernt, unser Ziel zur Verminderung des Flächenverbrauchs zu erreichen.“ Täglich nicht mehr als 30 Hektar zusätzliche Siedlungs- und Verkehrsfläche bis zum Jahr 2020 hat die Bunderegierung 2002 als einen der Indikatoren für die Nachhaltigkeit ausgerufen.
  
Siedlungs- und Verkehrsfläche wächst täglich um 81 Hektar
Grafik aus dem Baulinks-Beitrag „Siedlungs- und Verkehrsfläche wächst täg­lich um 81 Hektar“ vom 20.1.2013 (vergrößern)
  
Dennoch wurden in Deutschland im Erhebungszeitraum 2008 bis 2011 noch im­mer 81 ha pro Tag - das sind etwa 113 Fußballfelder täglich - erstmalig für die Bebauung freigegeben. Meist handelt es sich dabei um Ackerflächen, auf denen nun Straßen, Einfamilien­häuser oder Einkaufszentren entstehen. Damit geht nicht nur Fläche für die heutige Nahrungsmittelproduktion verloren. Auf den von 2008 bis 2011 umgewidmeten rund 120.000 ha - ei­ne Fläche, die ungefähr so groß ist wie Berlin und München zusammen - könnte man beispielsweise den Jah­resbedarf an Brot für mehr als 13 Millionen Menschen produzieren. Die Zer­störung wertvol­len Bodens hat auch Folgen für künftige Ge­nerationen. „Um gewachsenen Boden mit seinen natürlichen Bodenfunktionen wieder herzustellen, bedarf es Jahrtausen­de“, so UBA-Präsi­dent Flasbarth.

Abhilfe könnte ein Handel mit Flächenzertifikaten schaffen. Darin sehen viele Fachleu­te in Deutschland ein wirksames Instrument, um das 30 ha-Ziel zuverlässig und treff­sicher einzuhalten. Allerdings gibt es auch noch viele Fragen, wie ein solcher Handels­mechanismus genau gestaltet sein sollte. Deshalb haben die Koalitionsparteien der Bundesregierung vor vier Jahren im Koalitionsvertrag beschlossen, den Handel mit Flä­chenzertifikaten zunächst bundesweit gemeinsam mit den Kommunen im Modellversuch im Rahmen eines Planspiels „Flächenhandel“ zu erproben:

  • Den Kommunen werden dabei Flächenausweisungsrechte in Form von Zertifika­ten kostenlos zugeteilt. Diese Flächenzertifikate benötigen sie, wenn sie außer­halb der Städte neue Fläche für die Bebauung ausweisen wollen.
  • Wer nicht genug Zertifikate hat, muss sie von anderen Kommunen, die nicht im Außenbereich bauen wollen und Zertifikate übrig haben, kaufen.
  • Insgesamt werden nur so viel Zertifikate auf die Kommunen verteilt, wie Flächen verbraucht werden.

Verteilung der siedlungs­strukturellen Gemeinde­typen in 2008 (Quelle: BBSR) Grafik vergrößern
  

Für die Kommunen kann sich bei sparsamen Wirtschaften der Handel mit den Zertifikaten lohnen, weil sie dann Geld einneh­men können, um zum Beispiel Flächenrecycling oder Energie­sparmaßnahmen zu finanzieren. Der Modellversuch wurde vom UBA gründlich vorbereitet und ist nun in der ersten Phase mit 15 Kommunen gestartet. Das sind: Dessau-Roßlau, Mönchen­gladbach, Bad Säckingen, Ostfildern, Esslingen am Neckar, Ludwigsburg, Rendsburg, Büdelsdorf, Schacht-Audorf, Oster­rönfeld, Hoya, Warpe, Hassel, Meerane und die Stadt Sprem­berg.

Nach der Startphase sollen noch weitere 50 bis 100 Kommunen an dem „Planspiel Flächenhandel“ teilnehmen können. Etliche haben bereits ihr Interesse signalisiert. Sie erhalten neben ei­ner Aufwandsentschädigung auch Unterstützung bei der Erfas­sung ihrer städtebaulichen Entwicklungspotenziale sowie beim Erstellen von Kosten-Nutzen-Analysen.

flaechenhandel.de

Das Projektkonsortium „Planspiel Flächenhandel“, das den Modellversuch durchführt, hilft außerdem bei der Beantragung von weiteren Fördergeldern. Der Zertifikate-Rech­ner auf der Projekt-Website flaechenhandel.de gibt mit einem Mausklick darüber Auskunft, wie sich die Situation jeder deutschen Kommune in einem Flächenhandels­system darstellt.

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