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Reet für Fassade und Dach

(3.3.2014) „Wenn’s für uns passt, dann passt’s. Uns ging es vor allem darum, dass wir unseren Wohnbereich erweitern und ein optimales Wohnklima erreichen“, erinnert sich die Eigentümerin. Gesagt, getan und die Bauherren in den Niederlanden entschieden sich für die Kombination aus reetgedecktem Dach und vertikalem Reet an der Fassade. Innen ist der Anbau sehr modern mit einer großzügigen Küche und zusätzlichen Wohn­räumen für die Kinder ausgestattet. Nach außen harmoniert dieser einzigartige Bau mit dem großzügig angelegten Pool im Garten:


Reet ist ein Naturprodukt und zählt zu den ältesten Baumate­rialien überhaupt mit einer bemerkenswerten Dämmwirkung - mit Blick auf sowohl den winterlichen als auch den sommerli­chen Wärmeschutz. Selbst bei Hinterlüftung der Fassade liegt die Temperatur in der Hinterlüftungsebene im Winter etwa 6-8 Grad höher als außerhalb der Fassade. Aktuelle Testergebnisse aus einem Haus des Projektes "Regionalhaus Lübecker Bucht" der FH Lübeck belegen diesen Aspekt. Selbst für das hinterlüf­tete Reetdach ergibt sich damit eine gewisse Dämmwirkung, die, obwohl sie vorhanden ist, rechnerisch bei der Planung al­lerdings nicht einbezogen werden kann. Wenn man auf die Hinterlüftung wiederum verzichtet, unterstützt das Reet die Dämmung und kann zumindest bis zur Hälfte der Eindeckdicke (i.d.R. 30-35 cm) bei der Berechnung mit angesetzt werden.

40 Jahre Ruhe auf dem Dach und an der Fassade

Die Haltbarkeit des Materials ist abhängig von der Dachnei­gung. Bei 45° Regeldachneigung sind 30-40 Jahre Haltbarkeit zu erwarten. Wenn man an die alten norddeutschen Windmüh­len denkt, deren senkrechte mit Reet gedeckten Flächen 80-90 Jahre halten, erscheinen die Garantien, die renommierte Hersteller anbieten, mehr als realistisch. Auch Wasser birgt über die Jahre keine Gefahr für das Reet, weil es - z.B. bei einem 35 cm starken Dach - nur 3-5 cm eindringt und schnell wieder abtrocknet. In das senkrecht installierte Reet dringt das Wasser fast gar nicht ein, weil die Fassade lediglich dem Schlagregen ausgesetzt ist und leicht wieder abtrocknen kann.

Einbau mit der klassischen Handwerkskunst

Da unter dem ausgebauten Dach des Hauses bereits eine Dämmung vorhanden war, wurde eine Lüftungsebene inklusive der Traufenlüftungssiebe eingebaut, um die Be- und Entlüftung der Hinterlüftung zu gewährleisten: Nach dem Einlegen der Traufe (über die ganze Breite) wurde das Dach von unten nach oben mit Reet eingedeckt. Die Reetschicht wird mit Stangendrähten, die parallel zur Dachlatte verlaufen, an das Dach herangezogen. Der Stangendraht liegt dann bei etwa 15-17 cm in der Mitte der Eindeckstärke (30 - 35 cm), wobei der Nähdraht mit einem speziellen Besteck unten um die Dachlatte herumgeführt und später mit dem Stangendraht verdrillt wird. Das Reet wird so von unten nach oben bis zum First hochgedeckt.


Die Installation der senkrechten Reetfassadendeckung ist etwas schwieriger als die Dachdeckung, weil der Reetdachdecker sicherstellen muss, dass das Reet nicht aus der Bindung herausrutscht. Ansonsten wurde auch das Reet an der Fassade mit den klassischen Werkzeugen und den speziellen fachlichen und künstlerischen Arbeiten durch den Reetdecker montiert.

Wertschöpfung des Reets auf dem Dach ist zu 80 Prozent menschlich

Die technischen Vorteile und vor allem der beeindruckende Blickfang, den der mit Reet gedeckte Anbau entwickelt, lässt die geringen Mehrkosten für das Reet gegenüber einer norma­len Bekleidung schnell vergessen. Zudem waren sich die Bau­herren bewusst, dass es sich beim Reet um ein sehr arbeits­intensives Produkt handelt.

Die Ernte und die Aufbereitung (putzen) des Reets geschieht häufig ebenso per Hand wie die Verarbeitung durch den Reet­decker. Nur der Transport verbraucht fossile Energie, etwa 80% der Wertschöpfung ist "menschlich" (menschliche Arbeit).


Weitere Informationen können per E-Mail an Interessengemeinschaft Pro Reet angefordert werden.

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