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Fachbeitrag zur Wahl und Verarbeitung von Außenputz auf Leichtbeton-Mauerwerk

(8.12.2014) Außenputz übernimmt wichtige Funktionen und hat z.B. das jeweilige Mauerwerk über Jahrzehnte vor Witterungs­einflüssen zu schützen. Er verhindert, dass Feuchtigkeit in das Mauerwerk eindringen kann, und sorgt für eine luftdichte und dennoch diffusionsoffene Gebäudehülle. Bei der Wahl des rich­tigen Außenputzes sind die charakteristischen Eigenschaften des Untergrundes von entscheidender Bedeutung. Dabei muss der Putz in seinen physikalischen Kennwerten, wie beispiels­weise Druckfestigkeit, Trockenrohdichte und Elastizitätsmodul, auf den Untergrund abgestimmt sein. Grundsätzlich stellt Mau­erwerk aus Leichtbeton dank seiner rauen, offenporigen Ober­fläche einen hervorragenden Putzgrund dar. Damit Leichtbe­ton-Mauerwerk langlebig und ohne hohe Instandhaltungskos­ten erhalten bleibt, sollten ein paar grundlegende Regeln bei der Putz-Verarbeitung eingehalten werden.

Massive Leichtbetonsteine und -elemente werden aus mineralischen Rohstoffen her­gestellt. Ihre natürlichen oder industriell hergestellten Zuschläge sorgen dabei für eine vergleichsweise hohe Wärmedämmung. Für die Wahl des zu verwendenden Putzes sind die Zuschläge nicht entscheidend. Allerdings müssen die Putze in ihren Eigenschaften auf den Putzuntergrund abgestimmt sein. Das heißt, dass sie möglichst keine höhere Druckfestigkeit und Steifigkeit als das Mauerwerk selbst besitzen sollten. Die Regel „weich auf hart“ gilt dabei auch für hochwärmedämmendes Mauerwerk, das den Ein­satz von Putzsystemen erfordert mit ...

  • geringen Rohdichten,
  • günstigen Schwindwerten und
  • begrenzten Festigkeiten.

Hierbei haben sich Leichtputze mit Trockenrohdichten bis 1.300 kg/m³ bewährt. Das Putzmerkblatt¹) des Bundesverbandes Leichtbeton beschreibt dazu detailliert, welche Außenputze für Leichtbeton-Mauerwerk am besten geeignet sind. In aller Regel wird Mauerwerk aus Leichtbetonsteinen mit einem Leichtputz Typ I verputzt. Bei erhöhter Beanspruchung der Fläche genügt es oft - unter Berücksichtigung der genauen Um­stände - die Ausführung um eine Stufe zu erhöhen. So verbessert ein Leichtputz Typ II bei einem Mauerwerk mit einem λR-Wert < 0,12 W/mK die Risssicherheit zusätzlich. Leichtputze der Typen I und II sollten bei Wandelementen aus haufwerksporigem Leichtbeton mit Rohdichten < 1,6 kg/m³ zum Einsatz kommen. Leichtputze sind was­serabweisend, das heißt, sie nehmen nur geringe Mengen Wasser auf und geben diese dank ihrer kapillaren Struktur relativ schnell wieder ab. Kalk-Zement-Normalputze eig­nen sich hier nur bedingt, da sie aufgrund ihrer relativ hohen Festigkeiten und den da­raus resultierenden hohen E-Modulen nur sehr eingeschränkt Spannungen aufnehmen können. Derartige Spannungen entstehen beispielsweise durch Temperatureinflüsse.

Zusätzliche Maßnahmen bei erhöhter Beanspruchung

Leichtputzsysteme nach DIN V 18550 bestehen grundsätzlich aus einem Unterputz sowie einem darauf abgestimmten Ober­putz. Der Unterputz gleicht Unebenheiten im Mauerwerk aus, während der Oberputz in Verbindung mit dem Unterputz Schutz gegen Witterungseinflüsse bietet. Damit die Verarbeitung prob­lemlos verläuft, empfiehlt es sich grundsätzlich, alle System­komponenten eines Herstellers zu nutzen²). Bei höherer Bean­spruchung der Putzflächen - zum Beispiel bei starkem Feuch­tegehalt oder erheblichen Unregelmäßigkeiten im Untergrund - hat sich ein Armierungsputz mit vollflächiger Gewebeeinlage auf den Unterputz bewährt. So wird der Oberputz von Span­nungen aus dem Untergrund „entkoppelt“ und Rissbildungen werden effektiv vermieden. Hersteller empfehlen dabei einen vergüteten Mörtel als Armierungsputz, der dank seiner Festig­keit entstehende Zugkräfte auf das Gewebe übertragen kann. Zu diesem Zweck muss das Gewebe glatt und kraftschlüssig in den Putz eingearbeitet werden. Dieser Armierungsputz stellt die höchste Stufe der Ausführungssicherheit dar. Allerdings ist diese Technik nur in Ausnahmefällen nötig. Bei regelkonform ausgeführtem Mauerwerk oder Wandelementen aus Leichtbeton ist ein Armierungsputz nicht erforderlich.

Schritt für Schritt zum verputzten Mauerwerk

Putzarbeiten können nur bei geeigneten Witterungsbedingungen ausgeführt werden. Bei Temperaturen unter fünf Grad Celsius und über 30 Grad Celsius kann nicht ge­währleistet werden, dass Putze regelgerecht abbinden. Ein entsprechendes Merkblatt des Bundesverbandes Ausbau und Fassade soll dazu in Kürze erscheinen. Grundsätz­lich sollte der Putzgrund von einem ausführenden Fachunternehmen geprüft werden, damit beispielsweise eine ausreichende Haftung des Putzes sichergestellt werden kann. Der Untergrund muss eben, sauber, trocken und tragfähig sein.


Leichtbetonsteine und Wandelemente mit haufwerksporiger Struktur benötigen dank ihrer rauen Oberfläche keine besondere Vorbereitung des Putzgrundes. Ein Vornäs­sen oder eine organisch gebundene Grundierung sollten hier vermieden wer­den, da dies die optimale Verkrallung mit dem Untergrund beeinträchtigen könnte. Nach der Putzgrund-Prüfung wird der Putzmörtel mit einer Putzmaschine oder von Hand gleichmäßig dick aufgetragen und ebenflächig verrieben. Dabei hat sich das An­bringen des Unterputzes in zwei Arbeitsgängen „nass in nass“ bewährt. In einem ers­ten Arbeitsschritt wird gerüstlagenartig eine Schicht von 10 mm Dicke aufgetragen, und anschließend - nach einer Wartezeit von circa 10 bis 20 Minuten (bis der Ober­flächenglanz verschwindet) - eine weitere Putzschicht von etwa fünf bis zehn Milli­metern aufgebracht.

Mauerwerk wird im Verband errichtet. Das heißt, dass die Stoßfugen übereinander lie­gender Schichten gemäß DIN 1053-1 ein Mindest-Überbindemaß von 0,4 x Steinhöhe oder mindestens 45 mm einhalten müssen. So werden die Lasten und Kräfte nicht nur senkrecht, sondern gleichmäßig auf den gesamten Mauerquerschnitt verteilt. Zusätz­lich gewährleistet dies eine ausreichende Risssicherheit des Putzes. Leichtbetonsteine mit Nut- und Federverzahnung werden in Reihenverlegung versetzt. Dabei werden die Steine knirsch auf das gezogene Lagerfugen-Mörtelbett aufgesetzt. Dadurch liegen die Steine eng aneinander:


Die Breite der Stoßfuge sollte allerdings 5 mm nicht überschreiten. Sind die Zwischen­räume zu groß, müssen sie beim Mauern beidseitig unter Beachtung der erforderlichen Standzeiten mit Mörtel verschlossen werden. Dies gilt auch für Verzahnungen an Wandecken, Wandenden oder Einbindungen. Wichtig für schadensfreies Verputzen ist ein homogener Putzgrund. Mischmauerwerk hingegen ist grundsätzlich zu vermeiden. Die deutschen Leichtbeton-Hersteller bieten eine Vielzahl an Ergänzungsprodukten wie beispielsweise Flachstürze, Rollladenkästen, Deckenabmauerungssteine und Schorn­steinbauteile. Werden nebeneinander Bauteile, die aus unterschiedlichen Materialien bestehen, verbaut, kann es aufgrund der verschiedenen Verformungseigenschaften zu Spannungen kommen, die sich auf den Putz übertragen und zu Rissen führen. Solche Spannungen können von einem Armierungsputz mit vollflächiger Gewebeeinlage aufge­nommen und verteilt werden, so dass an der Oberfläche keine Risse entstehen.

Um den Risswiderstand an Anschlussbereichen zu erhöhen, ist eine Putzbewehrung er­forderlich. Die aus alkalibeständigem Armierungsgewebe bestehende Bewehrung muss glatt und faltenfrei in die zugbelastete Putz-Zone eingebettet werden. Dabei wird die Gewebeeinlage in die obere Hälfte der Putzlage so eingefügt, dass sie an den Stoß­stellen mindestens zehn Zentimeter überlappt.

Praxistipp Putzbewährung: An folgenden Stellen muss Armierungsgewebe eingebettet werden:

  • Ecken der Gebäudeöffnungen, wie Fenster und Türen,
  • Brüstungsbereich,
  • Wechsel der Putzgründe,
  • Einbauteile, wie Rollladenkästen, Elektroinstallationen,
  • Montagefugen von Wandelementen und
  • Kamine.

Damit Scherkräfte aufgenommen werden können, muss das Armierungsgewebe diago­nal, 45 Grad zur Lagerfugenrichtung, eingesetzt werden. Putzbewehrung im Unterputz bei Leichtputzen benötigt eine größere Überdeckungsbreite. Hier ist man mit 50 Zen­timeter auf der sicheren Seite. Leichtputze vom Typ II können aufgrund ihrer sehr ge­ringen Festigkeit jedoch nur unzureichend Spannungen auf das eingebettete Gewebe übertragen. In diesem Fall ist es anzuraten, einen speziellen Armierungsputz zu ver­wenden.

Montagefugen bei Wandelementen

Häufig kommen bei hochwärmedämmenden Außenwänden Leichtbeton-Elemente mit haufwerksporigem Gefüge nach DIN EN 1520 und DIN 4213 zum Einsatz. Bei korrekter Ausführung der Montagefugen ist der kraftschlüssige Verbund zwischen den einzelnen Wandelementen gewährleistet. Dennoch kann es aufgrund von Bewegungen zu Putz­rissen kommen. Hier haben sich zwei Vorgehensweisen bewährt:

  • doppelte Armierung und
  • Putzentkopplung.

Bei Ersteren wird im Bereich der Montagefugen ein Armierungsputz mit Gewebeeinlage aufgebracht. Nach etwa einer Woche wird dann der Unterputz aufgetragen, um diesen anschließend wieder mit einem Gewebe zu armieren. Bei der Putzentkopplung sorgt der Putzträger dafür, dass das Putzsystem vom Untergrund entkoppelt wird.

Besonderheiten bei Oberputzen

Grundsätzlich können auf Untergründen aus Leichtbeton fast alle dick- und dünn­schichtigen Oberputze verwendet werden. Allerdings ist bei Oberputzen mit einer fei­nen Körnung von unter 2 mm ein sicherer und ebenmäßiger Unterbau vonnöten, damit keine Risse entstehen. Putze, die geglättet oder fein gefilzt oder in der „Wischtechnik“ ausgeführt werden, benötigen eine besondere Behandlung, da auf den Oberflächen auch feinste Haarrisse erkennbar sind. Solche Oberputze werden am besten auf einen Armierungsputz mit Gewebeeinlage aufgetragen.

Dunkle Oberputze heizen sich bei Sonneneinstrahlung generell stärker auf als helle. Dadurch sind Oberflächentemperaturen von bis zu 70 Grad Celsius möglich, was die Gefahr erheblicher thermischer Spannungen am Fassadenputz mit sich bringt. Daher sollten solche Putze nur in Ausnahmefällen aufgetragen werden.

Vor Feuchtigkeit schützen

Homogenes Leichtbeton-Mauerwerk muss nicht gesondert vorbehandelt werden, der Putz kann direkt aufgetragen werden. Wichtig ist jedoch, dass die vermauerte Wand vor dem Verputzen trocken ist. Gemäß DIN 1053 muss die Mauerkrone abgedeckt werden, um zu verhindern, dass das noch ungeschützte Mauerwerk bei Regen durch­nässt. Eine Abdeckplane verhindert, dass Feuchtigkeit eindringt und spart somit län­gere Trocknungsphasen. Bei feuchtem Mauerwerk wird vom Industrieverband Werk­mörtel eine Trocknungszeit von zwei bis drei Tagen je Millimeter Putzdicke empfoh­len. In der Regel reicht sonst eine Trockenzeit von einem Tag pro Millimeter aus.

Fazit

Beim Außenputz auf Leichtbeton-Mauerwerk sind wichtige Regeln zu beachten, da­mit das Gebäude eine lange Lebensdauer und einen hohen Werterhalt hat. Neben der Wahl des richtigen Putzes ist auch die regelkonforme Ausführung des Mauerwerks von entscheidender Bedeutung. So können Rissbildungen und Schäden an der Bausubstanz effektiv verhindert werden.

_____________________
¹)  Bundesverband Leichtbeton e.V. (Hg.): Verputzen von Leichtbeton und Beton – ist doch ganz leicht. Erläuterungen zu den Leitlinien des Industrieverbandes WerkMörtel e.V.
²)  Industrieverband WerkMörtel e.V. (Hg.): Leitlinien für das Verputzen von Mauer­werk und Beton – Grundlagen für die Planung, Gestaltung und Ausführung, Aus­gabe April 2007

Weitere Informationen zum Verputzen von Leichtbeton-Mauerwerk können per E-Mail an Bundesverband Leichtbeton angefordert werden.

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