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Umstritten: Kündigungen von Bauspar-Altverträgen zum „Schutz des Bausparkollektivs“

Titel: Capital (Ausgabe 3/2015)
  

(23.2.2015) Mit der umstrittenen Kündigung von rund 135.000 höherverzinsten Altverträgen wollen Deutschlands Bausparkas­sen jährlich über 60 Millionen Euro an Zinszahlungen einspa­ren - dies hat der Zinsexperte Max Herbst vom Frankfurter Fi­nanz­dienst FMH für das Wirtschaftsmagazin Capital (Ausga­be 3/2015) überschlägig errechnet. Es geht um gekündigte Altverträge, die seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind. Grundlage der Berechnung war eine durchschnittliche Bauspar­summe von 35.000 Euro. Dabei setzte Herbst ein Anlagevolu­men aus zuteilungsreifen Hochzinsverträgen von insgesamt et­wa 1,89 Milliarden Euro voraus, das im Schnitt mit 3,5 Prozent Guthabenzins bedient werden muss, was einer jährlichen Ein­sparung von 66 Millionen Euro entspräche.

Den von vielen Bausparkassen zur Begründung der Kündigung herangezogenen „Schutz des Bausparkollektivs“ wollen Verbraucherschützer nicht gelten lassen. Es könne wohl kaum sein, dass diese ein bis zwei Prozent der Kunden alle anderen in Bedrängnis brin­gen. Man dürfe wohl eher annehmen, dass die Kassen nur kündigen, um ihren Gewinn um ein paar Prozentpunkte zu erhöhen.

Der Vorstand der LBS Bayern, Franz Wirnhier, hält gegenüber „Capital dagegen: „Der Bausparvertrag ist kein Anlageprodukt zur Rendite-Optimierung. Es geht darum, Men­schen Wohneigentum zu ermöglichen.“ Es sei schließlich nicht der Sinn des Bauspa­rens, Anlegern ohne Finanzierungsabsicht zeitlich unbegrenzt Dauervorteile zu ermög­lichen. Deshalb werde seine Kasse weiterhin „konsequent Altverträge kündigen, wenn der Zweck des Bausparens nicht mehr verfolgt wird“.

Finanzexperte Herbst hält Kündigungen aus diesem Grund für ein Unding: „Jahrelang haben die Kassen gutes Geld mit diesen Kunden verdient, weil sie deren Einlagen ge­gen hohe Darlehenszinsen verliehen. Heute sagen sie: Das sind alles Gauner und Schmarotzer, die nutzen das Kollektiv aus.“

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