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Grundlagenstudie vom Fraunhofer IBP zu den Einflüssen des Raumklimas auf den Nutzer

Towards an identification of European indoor en-vironments’ impact on health and performance - homes and schools
  

(27.4.2015; upgedatet am 28.4.: Download-Link zur Studie korrigiert) In der industrialisierten Gesellschaft verbringen die meisten Menschen durchschnittlich 90% ihres Lebens in geschlossenen Räumen: Wohnung, Schule oder Arbeitsplatz sollen dabei ein möglichst angenehmes Innenraumklima haben, das unsere mentale und physische Leistungsfähigkeit unter­stützt und in dem wir uns wohlfühlen. Dazu verbraucht der Nutzer Ressourcen - zumeist Energie - für Heizung oder Küh­lung, Belüftung und Licht. In Zeiten von Klimawandel, steigen­den Energiepreisen, einer Verknappung der Ressourcen sowie einem gesteigertem Bewusstsein für Energieeinsparung, ist das Thema Energieeffizienz zunehmend in den Blickpunkt der Verbraucher gerückt. Gesetze und Verordnungen unterstüt­zen das Erreichen der Klimaziele, die allen voran die Bundes­regierung bis 2020 ausgegeben hat. Aber auch zahlreiche Be­gleitforschungsprojekte - oftmals öffentlich gefördert - unter­stützen die Vorgaben aus der Politik.

Um den aktuellen Forschungs- und Handlungsbedarf auf EU-Ebene zu eruieren, haben Forscher am Fraunhofer IBP unter dem Titel „Towards an identification of European indoor environments’ impact on health and performance - homes and schools“ eine Grundlagenstudie zu den Einflüssen des Raumklimas auf den Nutzer initiiert. Dabei be­dienten sie sich wissenschaftlicher, technischer und medizinischer Datenbanken, aus­gewählter Expertenzeitschriften und unabhängiger wissenschaftlicher Expertisen. Im Fokus standen in erster Linie die Raumklimaparameter ...

  • Feuchte,
  • Belüftung,
  • Licht und
  • Temperatur.

„Ein Ziel unserer Analyse ist es, den Zusammenhang zwischen dem Innenraumklima in Schulen und Wohngebäuden und dessen Auswirkungen auf die Gesundheit, das kör­perliche und geistige Wohlbefinden sowie auf die Leistungsbereitschaft und die Rege­neration von Nutzern darzustellen“, erläutert Prof. Dr. Gunnar Grün, Abteilungsleiter am Fraunhofer IBP und Initiator der Studie, die Auswertung.

Im Rahmen des Promotionskollegs „Menschen in Räumen“ (MiR) beschäftigt sich das Fraunhofer IBP schon seit einigen Jahren mit den Wechselwirkungen zwischen physi­kalischen, physiologischen und psychologischen Variablen in Innenräumen. Ziel ist es, die grundsätzlichen Zusammenhänge zwischen den physikalischen Bedingungen im In­nenraum einerseits und der Produktivität und dem Wohlbefinden der Nutzer anderer­seits aufzuklären sowie wichtige körperliche und mentale Mediatoren zu identifizieren. „Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die in diesem Promotionskolleg gewonnen werden, können wir nutzen und in künftige Projekte einbringen. Die Grundlagenstudie hat ein­mal mehr gezeigt, welch großer Bedarf in diesem Feld herrscht“, erklärt Grün im Hin­blick auf die Ergebnisse seiner Arbeit.

Ergebnisse und Erkenntnisse in Auszügen

Eines der Hauptprobleme in europäischen Wohnungen ist das erhöhte Aufkommen von Feuchte. Die Auswirkungen sind zumeist Schimmelbildung und andere damit verbun­dene Schäden am Gebäude. In den letzten Jahren waren davon durchschnittlich etwa 16 Prozent der europäischen Bevölkerung, das entspricht zirka 80 Millionen Europäern, betroffen. Das Risiko, in einer mit Schimmel kontaminierten Umgebung zu er­kranken, ist immerhin fast doppelt so hoch wie unter normalen Bedingungen.

Ein ausschlaggebendes Kriterium für ein komfortables und gesundes Raumklima ist das richtige Maß an Luftaustausch. Zum einen kann eine ausreichende Belüftung dem Überschuss oder auch einem Defizit an Feuchte entgegenwirken, zum anderen beugt sie überhöhten CO₂-Werten und schlechter Luftqualität vor. In Klassenräumen bei­spielsweise sind sehr häufig schlechte Bedingungen diesbezüglich vorzufinden - kon­sequenterweise mit entsprechendem Handlungsbedarf.

Das Tageslicht hat einen gewichtigen Einfluss auf die Physis und die Psyche des Menschen. Mangelnde Sonneneinstrahlung hat auch negative Auswirkungen auf die mentale Gesundheit, im Umkehrschluss kann eine ausreichende Versorgung mit Tages­licht jedoch die Genesung auch fördern, was mit verkürzten Krankenhausaufenthalten einhergeht.

Den Temperaturen in Schlafräumen wird große Aufmerksamkeit beigemessen, denn diese beeinflussen nachweislich Schlafrhythmus und -qualität. Steigt beispielsweise die Raumtemperatur um 5 Grad Celsius, verringert sich die Zeit, die der Mensch in der für die Erholung wichtigen Tiefschlafphase verbleibt um zirka 15 Prozent.

9 bis 15% mehr Todesfälle bei Hitzeperioden mit 5°C über Normal

Eine weitere Studie zeigt zudem den Einfluss von Hitzeperioden auf die Sterblichkeit alter oder kranker Bürger. Lag zum Beispiel die Temperatur während einer Hitzeperiode um etwa fünf Grad Celsius über einem lokalen Schwellenwert, zeigte sich eine erhöhte Rate von natürlichen Todesfällen zwischen neun und 15 Prozent. Besonders betroffen sind hierbei Menschen mit Atemwegserkrankungen.

Wohngebäudebestand mit substantiellen Mängeln

Erste Ergebnisse der Grundlagenstudie zeigen also, welch signifikanten Einfluss das Raumklima in Europas Schulen und Wohnräumen auf die Gesundheit und die Leistungs­fähigkeit der Nutzer hat. Darüber hinaus weist auch der Wohngebäudebestand sub­stantielle Mängel auf:


Anteil der europäischen Gesamtbevölkerung, die in Wohnungen mit undichten Dächern, feuchten Wänden, Böden oder Fundamenten sowie mit Fäulnis befallenen Fensterrahmen leben. Daten von 2013, für Irland von 2012. (Bild vergrößern)

Tatsachen wie diese zeigen einen deutlichen Handlungsbedarf sowohl im Bereich der Forschung als auch in den zuständigen EU-Gremien. Mit Hilfe der Fraunhofer-Studie sollen nun eine Basis für künftige Projekte geschaffen, Herstellern eine fundierte Grundlage für ihre Entwicklungsarbeit gegeben und schließlich Vorschläge zur Be­rücksichtigung in EU-Gesetzen und Verordnungen erarbeitet werden.

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